Hossein Amjadi (Foto: Hossein Amjadi)
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Oberhausen/Rhein-Ruhr. In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich die Straßen des Iran erneut in Orte verwandelt, die das Gewissen jedes freien Menschen erschüttern. Menschen gehen unbewaffnet auf die Straße, mit zitternden Stimmen, aber mit einem klaren Wunsch: Würde, Freiheit und eine lebenswerte Zukunft. Die Antwort darauf ist vielerorts brutale Gewalt. Namen, die nie wieder nach Hause zurückkehren werden. Gesichter, die hinter Gefängnismauern im Schweigen verschwinden.

Die Getöteten der jüngsten Proteste sind keine bloßen Zahlen oder Statistiken. Es waren Töchter und Söhne, Schwestern und Brüder, Eltern – Menschen mit einem ganz normalen Leben. Ihr einziges „Vergehen“ war es, grundlegende Rechte einzufordern: das Recht auf Leben, auf friedlichen Protest und darauf, gehört zu werden. Der Einsatz tödlicher Gewalt gegen unbewaffnete Demonstrierende stellt eine klare Verletzung des Rechts auf Leben dar – jenes Rechts, das bereits im ersten Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte garantiert wird.

Neben den Toten stehen Tausende Inhaftierte. Frauen und Männer, die ohne faire Verfahren, ohne wirksamen Zugang zu Rechtsbeistand und teils ohne Information ihrer Familien festgenommen wurden. Zahlreiche Berichte über Misshandlungen, psychischen Druck, Folter und erzwungene Geständnisse zeichnen ein erschreckendes Bild der Haftbedingungen. Für viele ist das Gefängnis kein Ort der Rechtsprechung, sondern ein Instrument, um Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Im Zentrum dieser Repression stehen Frauen. Frauen, die nicht nur für politische oder soziale Rechte eintreten, sondern für das grundlegendste Recht überhaupt: die Selbstbestimmung über ihren eigenen Körper und ihr Leben. Sie werden auf den Straßen mit Gewalt konfrontiert, in Haft besonders unter Druck gesetzt und im Alltag systematisch diskriminiert. Der Protest der Frauen im Iran ist daher weit mehr als eine politische Forderung – er ist ein Ruf nach menschlicher Würde.

Ich schreibe diese Zeilen nicht aus einer parteipolitischen Perspektive, sondern aus einer menschlichen. Ich bin Menschenrechtsaktivist, lebe in Oberhausen und bin Mitglied der VVMIran e.V. – Vereinigung zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran e.V. Nach jahrelangem Engagement für Freiheit und Menschenrechte im Iran war ich aufgrund einer ernsthaften Gefährdung meines Lebens gezwungen, mein Heimatland zu verlassen. Nicht, um zu schweigen, sondern um zu überleben und meine menschenrechtliche und humanitäre Unterstützung für meine Landsleute fortzusetzen.

Die Opfer im Iran brauchen mehr als Mitgefühl. Sie brauchen Sichtbarkeit, Aufmerksamkeit und internationale Solidarität. In solchen Momenten ist Schweigen keine Neutralität. Schweigen ist Mittäterschaft.

 

Ein KlarKlick von Hossein Amjadi, Menschenrechtsaktivist und Mitglied der VVMIran e.V. – Vereinigung zur Verteidigung der Menschenrechte im Iran e.V.

 

Anmerkung der Redaktion: Unter KlarKlick versteht die LokalKlick-Redaktion Gastkommentare, die zur gesellschaftlichen Diskussion führen. Sie geben nur die Meinung der/des Gastkommentatorin/Gastkommentatoren wieder und sind nicht unbedingt die Meinung der Redaktion.

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