Essen. Mitten in unserer Stadt Essen sorgen sich Iranerinnen und Iraner um ihre Familien, trauern um tote Freunde und hoffen sehnlichst auf Veränderung. Das scheinbare Ferne ist ganz nah. Von Montag, 2. Februar, bis zunächst Samstag, 7. Februar, gibt die Marktkirche Essen ihren Stimmen, ihren Hoffnungen und Forderungen Raum: Der Verein „Woman Life Freedom e.V. Essen“ lädt täglich von 16 Uhr bis 17:30 Uhr; Freitag und Samstag ab ca. 16.30 Uhr zu „Tischgesprächen“ ein: Exil-Iranerinnen und -Iraner informieren über die aktuelle menschenrechtliche Situation im Iran, berichten vom Schicksal ihrer Familien vor Ort und machen so die Essener Stadtgesellschaft auf dieses Thema aufmerksam. Interessierte können spontan dazukommen, zuhören, Fragen stellen und mit Betroffenen ins Gespräch kommen.
„Wir hoffen gemeinsam und beten für Gerechtigkeit und Freiheit“, erklärt Citykirchenpfarrer Jan Vicari. „Die Evangelische Kirche solidarisiert sich in diesen Tagen besonders mit unseren iranischstämmigen Mitbürgerinnen und Mitbürgern und ruft zum Fürbittengebet für die Menschen im Iran auf.“ Zusätzlich weise ein Aufsteller am Kerzenständer der Marktkirche den ganzen Tag über auf die derzeitige Situation hin.
„Der Wandel ist real und unumkehrbar“, heißt es in einem Offenen Brief, den Woman Life Freedom e.V. Essen an die deutsche Bundesregierung geschrieben hat. „Der Iran steht an einem entscheidenden historischen Wendepunkt. Politische Unterstützung durch demokratische Staaten kann dieser Bewegung die notwendige internationale Rückendeckung geben.“
Zum Hintergrund
Gefühle wie Trauer, Angst und Verzweiflung und die Bitte um Beistand und Trost haben in der Marktkirche seit jeher ihren Ort; der Einsatz für die Würde und Rechte aller Menschen gehört zu ihrer DNA. 2023 präsentierte eine Ausstellung die preisgekrönten Porträtfotos von jesidischen Überlebenden des Genozids durch den sogenannten Islamischen Staat („Women who beat ISIS“). Seit Jahren wächst hier das Mitmach-Mahnmal für die Toten an Europas Grenzen (Aktion „Beim Namen nennen“ zum Weltflüchtlingstag). Die Landessynode, das Kirchenparlament der Evangelischen Kirche im Rheinland, hat vor einigen Tagen einen Abschiebestopp nach Iran gefordert und sich solidarisch gezeigt: „Wir bewundern den Mut und die Entschlossenheit aller Demonstrierenden, die sich unter Einsatz ihres Lebens gegen die tödliche Ideologie des Unrechtsregimes wenden. Wir fordern den Schutz von Demonstrations- und Menschenrechten und bekunden unsere Solidarität mit den Menschen im Iran sowie allen anderen Menschen, die unter staatlichen Repressionen zu leiden haben.“
Die Marktkirche ist montags bis samstags von 12:30 bis 18 Uhr geöffnet zum Beten, Einkehren und Trauern.






















