
Berlin/Wuppertal/Neuss. Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth ist tot. Wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) mitteilte, starb sie am Sonntag im Alter von 88 Jahren. Die Universitätsprofessorin Süssmuth stieg spät in die Politik ein und machte eine beeindruckende Karriere als Ministerin und Bundestagspräsidentin. Der Nachruf auf die „politische Ausnahmeerscheinung“ auf das-parlament.de: https://www.das-parlament.de/panorama/personalia/von-der-seiteneinsteigerin-zur-staatsfrau
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner würdigt „eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik“
Zum Tod von Bundestagspräsidentin a.D., Frau Professorin Dr. Rita Süssmuth erklärt Bundestagspräsidentin Julia Klöckner: „Die Nachricht vom Tod der langjährigen Bundestagspräsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth hat mich tief bewegt. Im Namen des Deutschen Bundestages verneige ich mich vor einer politischen Ausnahmeerscheinung.
Rita Süssmuth war eine der bedeutendsten Politikerinnen der Bundesrepublik. Ihr Elan und ihre Beharrlichkeit haben zahllose Menschen in Deutschland beeindruckt – und auch inspiriert! Unser Gespräch kurz nach meiner Wahl zur Präsidentin des Deutsches Bundestages gehört zu den besonderen und intensiven Begegnungen, die mir immer in Erinnerung bleiben.
Dabei war ihr der Weg in die Politik nicht vorgezeichnet. Als Professorin hat sie mit Leidenschaft gelehrt und geforscht. Mit Expertise und Argumentationskraft hat sie auf sich aufmerksam gemacht.
Als Parlamentarierin und Bundesministerin war Rita Süssmuth eine leidenschaftliche Vordenkerin in der Frauen- und Familienpolitik und trieb die Gleichberechtigung von Frauen voran. Bis zuletzt setzte sie sich mit scheinbar unbegrenzter Energie für mehr Repräsentanz von Frauen in Parlamenten ein.
Ihre Politik gegen die Immunschwächekrankheit AIDS war bahnbrechend. Sie wandte sich entschieden gegen jede Form der Ausgrenzung und legte die Grundlage für die erfolgreiche HIV-Prävention in Deutschland.
Ihre Haltung war durchweg geprägt von Empathie, Respekt vor dem Individuum und von Nächstenliebe. Diese Haltung wurzelte in ihrem katholischen Glauben. Rita Süssmuth zog zeitlebens Kraft aus ihrem besonderen Verhältnis zu Gott.
Das Amt der Bundestagspräsidentin übernahm Rita Süssmuth in historisch bedeutsamen Zeiten. Die deutsche Wiedervereinigung erklärte sie gemeinsam mit Sabine Bergmann-Pohl zur ‚Stunde der Parlamente‘. An der Spitze des Parlaments gestaltete sie den deutschen Einigungsprozess mit.
Rita Süssmuths markante Stimme wird unserem Land fehlen. Was sie erreicht hat, wird bleiben. Bei allem, was unvollendet blieb, ist es an uns, beharrlich zu bleiben, weiterzudenken, fortzuschreiten – offen und ehrlich, wie Rita Süssmuth es getan hätte.
Der Deutsche Bundestag wird Rita Süssmuth ein bleibendes Andenken bewahren.“

„Wir verlieren mit Rita Süssmuth eine herausragende Persönlichkeit unseres Landes. Sie hat Politik und Gesellschaft geprägt und wir sind froh, dass wir sie als Ehrenbürgerin in Neuss hatten.“ – Dr. Jörg Geerlings, Landtagsabgeordneter aus Neuss
Jens Spahn: Wir trauern um Rita Süssmuth
“Ich verneige mich vor Rita Süssmuth. In unsere Trauer mischt sich Hochachtung und tiefer Respekt für ein beeindruckendes politisches Leben. Rita Süssmuth stand für einen neuen Typus Politikerin. Sie ist Vorreiterin für so viele, die ihr nachfolgten und folgen. Sie hat politischen Einfluss nie gesucht, er kam zu ihr. Sie hatte eine Wärme, die man nicht erlernen kann. Und sie hatte die Gabe, dass man sich nach jedem Gespräch mit ihr besser fühlte. Ich werde genau diese Begegnungen mit ihr am meisten vermissen.
Ihre Politik gegen AIDS, gegen Ausgrenzung und für eine HIV-Prävention hat unsere Gesellschaft verändert. Sie setzte auf Menschlichkeit, nicht auf Stigmatisierung. Als homosexueller Mann waren diese gesellschaftlichen Errungenschaften, die untrennbar mit Rita Süssmuth verbunden bleiben, mehr, als ich mir in dieser Zeit hätte vorstellen können. Ich bin ihr auch dafür ganz persönlich dankbar. Sie war für mich Vor- und Leitbild – als Gesundheitsministerin war sie prägend.
Auch als Bundestagspräsidentin hat sie unser Land mit Würde vertreten. Ihre Verständigung mit Polen und Israel ist – neben ihrer modernen Sozialpolitik – ihr wohl größtes Verdienst. Mit ihr verband sich Hoffnung auf ein modernes Land – sie hat sie erfüllt. Wir werden sie vermissen.” – Jens Spahn MdB, Vorsitzender der CDU/CSU Bundestagsfraktion
Neuss trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth, erste Ehrenbürgerin der Stadt
Die Stadt Neuss nimmt in tiefer Trauer Abschied von Prof. Dr. Rita Süssmuth, die am 1. Februar 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Mit ihr verliert unsere Stadt ihre erste Ehrenbürgerin und eine Persönlichkeit von herausragender Bedeutung für politische Kultur, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie das Leben in Deutschland und in Neuss.
Prof. Dr. Rita Süssmuth lebte seit mehr als fünf Jahrzehnten in Neuss. Die Quirinusstadt war ihr Lebensmittelpunkt und ihre Heimat. Ihr langjähriges politisches und gesellschaftliches Engagement, ihre Überzeugungskraft und ihr Einsatz für den Dialog machten sie zu einer prägenden Stimme in unserer Stadtgesellschaft.
Am 18. März 2023 verlieh die Stadt Neuss Rita Süssmuth im Alten Ratssaal das Ehrenbürgerrecht – die höchste Auszeichnung der Stadt, die in Neuss nur selten vergeben wird. Erstmals wurde diese Würde an eine Frau verliehen.
Bürgermeister Reiner Breuer würdigt Rita Süssmuth mit einer persönlichen Erklärung:
Mit Prof. Dr. Rita Süssmuth verliert Neuss seine erste Ehrenbürgerin – und wir verlieren eine Frau, die uns gezeigt hat, was Haltung bedeutet.
Viele Weggefährten haben Rita Süssmuth als Kämpferin beschrieben. Aber noch stärker verband man mit ihr etwas anderes: durchhalten, nicht aufgeben, weitermachen. Sie hat nie den bequemen Weg gesucht. Und wer sie für unbequem hielt, machte ihr – wie Hermann Gröhe es in seiner Laudatio zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde treffend formulierte – in Wahrheit ein Kompliment.
Sie war zugleich eine überzeugte Brückenbauerin. Rita Süssmuth glaubte an die Kraft des Gesprächs – daran, dass etwas entsteht, wenn Menschen miteinander reden: manchmal nicht sofort, manchmal gegen Widerstände, aber immer mit dem festen Willen, nicht zu resignieren.
Neuss war ihr Zuhause. Sie lebte seit mehr als einem halben Jahrhundert in unserer Quirinusstadt – und sie hat berührend beschrieben, was Heimat für sie bedeutet: Menschen, denen man vertraut, Wege, die man kennt – ein Ort, an dem man bleibt. Dieses Bekenntnis zu Neuss war echt und tief.
Am 18. März 2023 durften wir Rita Süssmuth im Alten Ratssaal das Ehrenbürgerrecht verleihen – die höchste Auszeichnung, die unsere Stadt zu vergeben hat, und ein in Neuss ohnehin sehr seltenes Ereignis. Dass erstmals eine Frau diese Würde erhielt, war nicht nur überfällig, sondern ein wichtiges Zeichen: Frauen gestalten Stadt, Staat und Gesellschaft mit und das soll Anerkennung finden. Und Rita Süssmuth hat in ihrem langen politischen Wirken insbesondere Frauen immer wieder Mut gemacht sich einzubringen und zu sagen: Ja – es lohnt sich.
Dabei war ihr stets eine große Bescheidenheit eigen, die auch bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde deutlich wurde. Sie habe diese Auszeichnung eigentlich nicht verdient, sagte sie – fügte aber gleich hinzu, dass sie nun etwas daraus machen wolle. Und genau das tat sie in und für Neuss.
Rita Süssmuth verstand die Ehrenbürgerwürde nicht alleine als Auszeichnung, sondern als Auftrag. Sie brachte sich in das gesellschaftliche Leben unserer Heimatstadt ein, suchte den Austausch insbesondere mit jungen Menschen, interessierte sich für lokale Debatten und nahm Anteil an dem, was Neuss bewegte. Der Austausch zwischen den Generationen war ihr ein besonderes Anliegen.
Auch ihr Wirken in Neuss war stets geprägt von Haltung, Dialogbereitschaft und dem Wunsch, Gemeinschaft zu stärken. Sie war nicht nur „in Neuss zu Hause“, sondern Teil der Neusser Stadtgesellschaft. Sie kannte und schätzte das rheinische Miteinander ebenso wie die Traditionen unserer Stadt – darunter auch das Neusser Bürger-Schützenfest, das sie als Ausdruck von Zusammenhalt und sozialer Verantwortung verstand.
Dass sie dabei nicht nur Beobachterin war, durfte ich selbst erlebten: Beim gemeinsamen Abnehmen der Schützenparade stand sie an meiner Seite – aufmerksam, präsent und mit dem Durchhaltevermögen, das viele mit ihr verbinden. Auch hier blieb sie sich treu.
Ihr Wirken lässt sich nicht auf ein einzelnes Thema reduzieren. Sie hat Politik und Zeitgeschehen in Deutschland entscheidend mitgeprägt – als Bundesministerin und als Präsidentin des Deutschen Bundestages, aber ebenso als streitbare Demokratin, die sich für Gleichberechtigung, Vielfalt, Integration und das Gemeinwohl eingesetzt hat. Gerade in einer Zeit, die viele Menschen als krisenhaft und herausfordernd erleben, bleiben solche Persönlichkeiten Orientierung.
Dass heute eine Neusser Schule ihren Namen trägt – die Rita-Süssmuth-Realschule – ist und bleibt für mich ein besonders starkes Zeichen: Ihr Lebenswerk wirkt weiter, jeden Tag, dort, wo Zukunft beginnt – bei jungen Menschen.
Wir sind dankbar für alles, was Rita Süssmuth unserer Stadt und unserem Land gegeben hat. Ihre Stimme, ihre Haltung und ihr Mut werden fehlen.
Ihr Vorbild bleibt.
Als Zeichen der Anteilnahme hat Bürgermeister Reiner Breuer Trauerbeflaggung am Rathaus angeordnet. Zudem liegt ab morgen früh im Foyer des Neusser Rathauses ein Kondolenzbuch aus, in das sich alle Bürgerinnen und Bürger zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses eintragen können.
Prof. Dr. Rita Süssmuth hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis – geprägt von Haltung, Dialogbereitschaft und dem Einsatz für Demokratie, Gleichberechtigung und generationsübergreifenden Austausch.




















