Brüssel/Straßburg/Paderborn/Ostwestfalen-Lippe/Rhein-Ruhr. EU-Mercosur ist ein neues, weit geöffnetes Tor zu einem gemeinsamen Markt von über 700 Millionen Menschen und zu einer der größten Freihandelszonen der Welt. „In einer Zeit, in der viele Länder wieder Mauern hochziehen, setzt Europa damit ein starkes Zeichen: Wir glauben an fairen, regelbasierten Handel – und an Partnerschaften, die tragen“, sagt Verena Mertens, Mitglied des Europäischen Parlaments.
Für Europa bedeutet das Abkommen Rückenwind für Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit. Hohe Zölle im Mercosur-Raum fallen schrittweise weg; EU-Unternehmen können so jedes Jahr über 4 Milliarden Euro an Zollkosten sparen, und Lieferketten werden breiter, stabiler, unabhängiger. Zugleich wird der Zugang zu kritischen Rohstoffen verlässlicher. „Ein Stück wirtschaftliche Souveränität“, wie Mertens betont.
Gerade Deutschland profitiert als exportorientierte Volkswirtschaft. Schon heute liegt das Handelsvolumen zwischen EU und Mercosur bei über 111 Milliarden Euro. Deutschland hat daran einen erheblichen Anteil. Für Mertens ist das vor allem ein Thema für Nordrhein-Westfalen – für die Industrie im Rheinland und im Ruhrgebiet ebenso wie für ihren Heimatwahlkreis Ostwestfalen-Lippe: „Unsere Stärken liegen in Maschinenbau, Zulieferketten sowie Chemie und Pharma – also in hochverarbeiteten Gütern, die im Mercosur-Markt besonders gefragt sind.“
„Wichtig ist mir dabei: Landwirtschaft wird nicht geopfert – sie wird abgesichert“, sagt die Europaabgeordnete. Der EU-Binnenmarkt wird bei sensiblen Produkten nur sehr begrenzt geöffnet: mit festen Quoten, schrittweiser Umsetzung und einer bilateralen Schutzklausel als Notbremse, die greift, wenn Importe schon geringe Marktverwerfungen verursachen oder auch nur drohen. Gleichzeitig bekommen Europas Landwirte neue Chancen beim Export – etwa für Milchprodukte, Käse, Wein oder verarbeitete Lebensmittel, bei denen heute noch hohe Zölle an der Grenze stehen.
Und: Unsere Standards bleiben die Messlatte. Alles, was in die EU kommt, muss die strengen Regeln für Lebensmittel-, Tier- und Verbraucherschutz erfüllen – inklusive Vorsorgeprinzip.
Und am Ende hat Mercosur auch eine globale, strategische Dimension: In einer Welt, die sich gerade neu sortiert, kann Europa es sich nicht leisten, nach 26 Jahren Verhandlungen kurz vor dem Ziel das Ergebnis in den Wartesaal zu schieben.
Deutliche Kritik übt Mertens deshalb an der Entscheidung des Europäischen Parlaments, Ende Januar zunächst den Europäischen Gerichtshof mit einer Prüfung zu befassen. Gegen das Abkommen stimmten in Straßburg vor allem rechte und linke Extremisten sowie die deutschen Grünen.
Mertens wirbt weiter für das Abkommen: „Wenn Europa als Global Player ernst genommen werden will, muss es verlässlich sein – und auch liefern, wenn es schwer wird.“ Ein nationaler Tunnelblick wirkt manchmal bequem, ist aber brandgefährlich fürs große Ganze: Wer EU-Mercosurt, macht uns klein auf der Weltbühne – und andere Mächte schauen nicht traurig zu, sie nutzen jede europäische Schwäche.
EU-Mercosur kann Europas Wirtschaft stärken, neue Märkte öffnen – und zugleich Fairness sichern. Wenn wir dieses Tor jetzt durchschreiten, dann mit klarem Blick, festen Leitplanken und einem echten Gewinn auch für OWL.






























