
Krefeld. Mit dem zweiten Bauabschnitt für das Artenschutzzentrum Affenpark will der Zoo Krefeld hoch hinaus. Die Orang-Utans können künftig in ihrem Warmhaus zwölf Meter nach oben klettern, auf drei Ebenen beobachten die Besucher die Tiere dabei buchstäblich auf Augenhöhe. Große Panoramascheiben und eine Terrasse bieten Einblicke in die übernetzten Außenbereiche, die sogar bis zu 15 Meter hoch sind. „Wir orientieren uns bei der Anlage an den Bedürfnissen der Tiere, die uns anvertraut sind“, sagt Zoodirektorin Dr. Stefanie Markowski. „Orang-Utans leben in großer Höhe, es sind hochsoziale Tiere, die aber auch Rückzugsmöglichkeiten brauchen. All das ist in die Planungen eingeflossen, die wir mit Tierpflegern, externen Experten und Forschenden entwickelt haben.“
Der erste Bauabschnitt mit dem Namen „Menschenaffenwald“ wurde im Oktober eingeweiht und bietet Schimpansen und Gorillas eine Heimat. Parallel liefen bereits die Vorbereitungen für das zweite große Bauvorhaben. Die Planungen waren aufwändig, denn das Warmhaus entsteht auf einer 4000 Quadratmeter großen Erweiterungsfläche des Zoos, die bis 2020 zum benachbarten Grotenburg-Stadion gehörte. Hier musste erst Planungsrecht geschaffen werden. „Ich bin sehr froh, dass wir diesen Meilenstein gemeinsam geschafft haben“, sagt der städtische Bau- und Planungsdezernent Marcus Beyer. „Es ist eine gute Nachricht für Krefeld, dass es im Zoo so konzentriert vorangeht mit dem Artenschutzzentrum Affenpark. Hier entsteht ein Highlight für die ganze Region. Mit Erteilung der Baugenehmigung kann der Zoo jetzt den nächsten Schritt des Großprojekts in Angriff nehmen.“
Die Stadt beteiligt sich als Mehrheitsgesellschafter maßgeblich an den Gesamtkosten von rund 14,1 Millionen Euro, doch auch die Zoofreunde steuern einen Teil des Geldes bei. „Wir sind mit jetzt 6300 Mitgliedern einer der größten Vereine in Krefeld“, sagt die Vorsitzende der Zoofreunde, Yvonne Brandt. „Gleich nach Fertigstellung des Menschenaffenwaldes, dessen Bau wir mit 3,2 Millionen Euro unterstützt haben, gingen die Sammlungen weiter. Wir bekommen viel Zuspruch der Zoobesucher und danken allen Spendern und Sponsoren.“
Architekt Heinz Berger, der bereits die neue Heimat für Schimpansen und Gorillas gestaltet hat, entwirft für die Orang-Utans ein „technisch hochkomplexes“ Gebäude mit vier Außenanlagen. „Wir gehen weit über die aktuellen Vorgaben aus den Haltungsvorschriften für diese Tiere hinaus“, betont er. „Über die Höhe, die Konstruktionen im Inneren, die Rückzugsräume und den natürlichen Boden schaffen wir gute Lebensbedingungen.“ Da Orang-Utans warme Umgebungen gewohnt sind, soll das Haus stärker beheizt werden als die Gebäude für die anderen Menschenaffen. Laut Berger laufen bereits zahlreiche Ausschreibungen für die einzelnen Gewerke: Ab April wird der Rohbau errichtet, 2027 folgen die Freianlagen. Die Inbetriebnahme ist für Frühjahr 2028 geplant.
Anfangs sollen nach Angaben von Stefanie Markowski zwei bis drei Orang-Utans in das neue Haus einziehen, dazu wird noch eine weitere kleine Affenart aus Südostasien dort angesiedelt. Der Platz für die Tiere umfasst 2000 Quadratmeter. „Um allen Bedürfnissen gerecht zu werden, wurden von Beginn an auch europäische Experten und Forschende sowie die beiden zukünftigen Tierpflegerinnen unserer Orang-Utans in die Planung dieser neuen Anlage für Menschenaffen eingebunden“, sagt die Zoodirektorin. „Es ist notwendig, auch außerhalb des natürlichen Lebensraums die Population dieser faszinierenden Menschenaffen weiter aufzubauen und weitere Erkenntnisse zum Schutz dieser hoch bedrohten Tierart zu gewinnen.“


















