Essen/ Mülheim an der Ruhr. Die A40 bleibt eine der zentralen Pendler- und Wirtschaftsachsen im Ruhrgebiet – und ein Stau-Hotspot. Eine ADAC-Auswertung nennt für den Abschnitt Duisburg–Essen eine außergewöhnlich hohe Stau-Belastung von 357 Staustunden je Autobahnkilometer.
Gleichzeitig steigt der Nutzungsdruck weiter: Zum Stichtag 1. Januar 2025 waren in Deutschland 49,3 Millionen Pkw zugelassen – so viele wie nie zuvor. Auch die Autobahn GmbH erwartet für den A40-Abschnitt zwischen DU-Kaiserberg und E-Frohnhausen eine weiter zunehmende Belastung – bei bereits heute 80.000 bis 90.000 Fahrzeugen pro Tag.
Vor diesem Hintergrund verweisen die Freien Wähler Mülheim auf eine zentrale Tatsache: Die Autobahn GmbH plant bereits den sechsstreifigen Ausbau der A40 zwischen Duisburg-Kaiserberg und Essen-Frohnhausen (Länge 12,45 km), eingestuft im Bundesverkehrswegeplan 2030 als „vordringlicher Bedarf – Engpassbeseitigung“.
Ein weiterer Ausbau nach Osten ist laut Autobahn GmbH jedoch „bisher nicht vorgesehen“ – wegen der beginnenden Tieflage der A40 und der mittig verlaufenden Stadtbahnstrecke.
„Genau das ist der Punkt: Wenn der Ausbau an der Stadtbahn-Trasse hängen bleibt, müssen wir die Frage stellen, ob man diese Trasse in dem kritischen Abschnitt nicht neu denken muss“, sagt Maximilian Eitner, Kreisvorsitzender der Freien Wähler Mülheim an der Ruhr.
Vorschlag: U18-Tunnel prüfen – und dadurch oberirdisch neu ordnen
Die Freien Wähler Mülheim bringen daher als Ergänzung zur Essener Deckelungsdebatte einen Prüfauftrag ins Spiel: eine Verlagerung der U18 im Abschnitt Eichbaum bis Bismarckplatz in einen rund 4,5 Kilometer langen Tunnel. Damit würde oberirdisch der Korridor frei, der heute durch die Stadtbahn belegt ist – und könnte verkehrstechnisch so umgeordnet werden, dass Engpässe auf der A40 reduziert werden (z. B. zusätzliche Betriebsreserven, Sicherheits-/Standstreifenführung oder perspektivisch eine, oder sogar zwei zusätzlichen Spuren im Engpassbereich).
„In Essen wird die Deckelung diskutiert – das ist vor allem Stadtentwicklung: Quartiere verbinden, Flächen gewinnen, Wohnraum schaffen. Aber die Verkehrsleistung bleibt im Kern die gleiche. Wir schlagen vor, parallel die Variante zu prüfen, die die Engpasslogik selbst angreift“, sagt Nico Schwarz, Mitglied der Arbeitsgruppe Verkehr der Freien Wähler Mülheim an der Ruhr.
Die Essener Machbarkeitsstudie zur Deckelung beschreibt eine mögliche Deckelung auf ca. 2,3 km und spricht von rund 3.000 Wohnungen als Entwicklungsoption. Die Freien Wähler betonen: „Wohnraum ist wichtig – aber die A40 ist auch eine Wirtschaftsader. Wenn Stau sinkt und Fahrtzeiten planbarer werden, profitieren Pendler, Handwerk, Lieferverkehre und die gesamte Standortqualität über Jahre.“
Kostentransparenz statt Bauchgefühl
Ein U-/Stadtbahn-Tunnel ist ein Großprojekt. Als typische Kennwerte für unterirdische Stadtbahn-/U-Bahn-Strecken werden 140–160 Mio. € pro Kilometer genannt.
„Wir reden also überschlägig über eine Größenordnung, die man nur seriös über eine Machbarkeits- und Finanzierungsprüfung bewerten kann – genau das fordern wir“, so Eitner.
Forderung: Gemeinsame Variantenprüfung Essen–Mülheim
Die Freien Wähler Mülheim fordern eine vergleichende Prüfung durch Essen und Mülheim gemeinsam mit Autobahn GmbH, Ruhrbahn/VRR und Land:
- Deckelung / Überbauung (Stadtentwicklung, Lärmschutz, Wohnen)
- U18-Tunnel (ca. 4,5 km) + oberirdische Neuordnung (Engpasswirkung, Bauphasen, Nutzen)
- Verkehrsmanagement-/Engpassmaßnahmen als Zwischenstufen (Steuerung, Anschlüsse, Betriebsreserven)
„Die Autobahn GmbH sagt selbst: Nach Osten geht es aktuell nicht weiter – wegen Tieflage und Stadtbahn in der Mitte. Wir sagen: Dann muss genau diese Schnittstelle als Variante mit auf den Tisch“, so Schwarz.




























