Oberhausen. Die Vorzeichen waren für den Turnerbund Osterfeld 1911 e.V. – Abteilung Volleyball klar: beim sieglosen Tabellenletzten in Augustdorf sollte dreifach gepunktet und damit die Chance auf den Klassenerhalt aufrecht erhalten werden.
Jedoch forderten kurzfristige Ausfälle die Kreativität von Trainer Markus Köster und der Mannschaft wieder einmal, trotz des vor der Saison personell solide geplanten Kaders. Libero Jens Reinelt und Marko Beck als sein Stellvertreter vielen beide erkrankt kurzfristig aus. Mark Fischer, der auch schonmal aushilfsweise den Job des Annahmechefs übernommen hatte, war planmäßig im Urlaub, so dass diese wichtige Position am Morgen vor der Auswärtsreise vakant war. So kam es, dass der 36jährige Thomáz Santos die Verantwortung des Liberos mutig übernahm. Santos wurde eigentlich vor der Saison als dritter Zuspieler verpflichtet, um auf dieser ebenfalls zentralen Position seinen breiten Erfahrungsschatz als Spieler und Trainer auch aus höheren Ligen einzubringen und dort auf dieser Position personelle Engpässe zu vermeiden. Das er zum Ende seiner Spielerkarriere vom Spielmacher und Taktgeber in der vorderen Reihe zum Zentralpunkt in der Defensive der hinteren Reihe wechselt, hätte er wohl selbst auch nicht gedacht.
Auf diesem Niveau ohne einen viele Jahre lang spezialisierten Libero antreten zu müssen, ist allerdings ohne Frage eine sportliche Hypothek.
Erwartungsgemäß starteten die Osterfelder auch etwas holprig ins Spiel. Der neu formierte Annahmeriegel konnte statistisch nur ca. jede neunte Annahme “positiv” gestalten – also so, dass der Zuspieler beim zweiten Ball alle Optionen für sein Team hat. Als Folge des schlechten Spielaufbaus fanden auch die Angreifer der Gäste nur bedingt ins Spiel und taten sich schwer, Punkte zu erzielen. “Folgerichtig ging der erste Satz dann, wenn auch knapp, an Augustusdorf. Damit war ich natürlich überhaupt nicht zufrieden, aber das kann schonmal passieren bei so einer Neuformation. Wichtig ist es dann angemessen zu reagieren und das Spiel zu drehen”, so Trainer Köster.
Und die clevere Reaktion des Turnerbunds zahlte sich in den folgenden Sätzen aus. Die Außenangreifer Timmi Neufeld und Lukas Springer übernahmen vermehrt Verantwortung in der Annahme und Abwehr, Springer spielte phasenweise eine Art unorthodoxen zweiten Libero zur Unterstützung von Santos und ließ den Angriff völlig aus dem Fokus. Mit Erfolg: die Defensivleistung stabilisierte sich merklich. Der wieder vom Gegner als MVP (Most Valuable Player) des Spiels gewählte Zuspieler Colin Grimm konnte nicht nur selbst Punkte machen, auch seine Angreifer profierten von seinen Zuspielen, die er durch die besseren Annahmepässe kreativer gestalten konnte. Insbesondere Perspektivspieler Pascal Ertner hatte nach einer für ihn nicht immer einfachen Saison einen erfolgreichen Tag. Der athletischen und körperlichen Überlegenheit auf Diagonal hatte die Heimmannschaft Augustdorf an diesem Tag wenig entgegen zu setzen – Ertner wurde mit 18 Punkten Topscorer der Osterfelder. “Letztlich haben wir dann doch souverän gewinnen können. Es war sicherlich kein schönes Spiel, aber darum geht es auch nicht unbedingt immer”, ordnete Köster das Spiel zusammenfassend ein.
Trotz des Sieges bleibt es bei 3 Punkten Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz, da Saxonia Münster den Tabellenzweiten Freudenberg überraschend mit 3:0 geschlagen hatte.
Nach einem weiteren spielfreien Wochenende wartet nun der entscheidende Saisonendspurt auf den Turnerbund. Drei Spiele gegen relativ hoch platzierte Teams stehen noch an. Um den Klassenerhalt noch zu sichern, müssen Punkte her. “Es ist verdammt eng in der Liga. Wir haben auf dem Papier sicherlich eines der schwierigeren Restprogramme, aber bis auf Tabellenführer Spontent kann in der Liga jeder gegen jeden gewinnen und verlieren”, zeigt sich Köster zuversichtlich.
FC Augustdorf vs. TB Osterfeld 1:3 (25:23/19:25/19:25/21:25)
Es spielten: Ertner, Grimm, Joneleit, Morandin, S. Köster, Neufeld, Reese, Santos, Sowa, Springer, Syrowiszka


























