Düsseldorf/Rhein-Ruhr/Hannover. Der Beschluss des Landesparteitags der niedersächsischen Linken Mitte März in Hannover und die gestern beschlossene Forderung nach einem akademischen Israel-Boykott durch das Studierendenparlament der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf sind keine isolierten regionalen Debatten. Sie sind Symptome einer gefährlichen Verschiebung innerhalb des links-progressiven Spektrums, bei der die Grenze zwischen legitimer politischer Kritik und manifestem Antisemitismus zunehmend verwischt.
Die „moralische“ Umdeutung des Hasses
Dass die niedersächsische Linke in ihrem Beschluss Narrative bedient, die Israel das Existenzrecht de facto absprechen oder den jüdischen Staat als das „ultimative Böse“ dämonisieren, ist ein Tabubruch mit Ansage. Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat hier völlig recht: Das ist kaschierter Antisemitismus. Wenn Israel unter dem Vorwand des Antikapitalismus oder des Antikolonialismus delegitimiert wird, greift ein uraltes antisemitisches Muster im neuen Gewand.
Besonders alarmierend ist dabei die „moralische Aufladung“. Wie die FREIEN WÄHLER NRW in ihrer aktuellen Pressemitteilung treffend formulieren: „Freie Rede ist kein Freifahrtschein dafür, antisemitische Denkmuster zu relativieren, umzudeuten oder unter dem Deckmantel vermeintlich legitimer Israelkritik salonfähig zu machen.“
Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo er von rechts kommt, aber auf dem linken Auge blind bleibt, verrät die eigenen humanistischen Werte.
Der akademische Boykott: Ausgrenzung statt Austausch
Parallel dazu zeigt der Beschluss des Studierendenparlaments der HHU Düsseldorf, wie tief diese Tendenzen in den akademischen Nachwuchs gesickert sind. Ein Boykott israelischer Forscher und Universitäten ist das Gegenteil von wissenschaftlicher Freiheit. Er folgt einer antisemitischen Ausgrenzungslogik, die Kollektivschuld vor individuellen Diskurs stellt.
Der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU) legt hier den Finger in eine weitere Wunde: Die fehlende Legitimation. Bei einer Wahlbeteiligung von unter fünf Prozent maßt sich eine winzige, hochideologisierte Minderheit an, für die gesamte Studierendenschaft einer Exzellenzuniversität zu sprechen. Ein solcher Beschluss hat, wie Jarzombek betont, „an einer weltoffenen Universität keinen Platz“. Es stellt sich die dringende Frage nach Mindestquoren, um zu verhindern, dass studentische Selbstverwaltung zum Spielplatz für radikale Randgruppen verkommt.
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache
Die Realität auf Deutschlands Straßen und Campus ist bedrohlich. Die Statistiken für das Jahr 2025 zeichnen ein düsteres Bild:
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In NRW stiegen die antisemitischen Straftaten auf 786 Fälle (nach 695 in 2024).
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RIAS NRW dokumentierte für 2024 einen Anstieg der Vorfälle um 42 Prozent.
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Bundesweit registrierte die PMK-Statistik 2024 über 6.000 Straftaten.
Besonders schwer wiegt, dass der israelbezogene Antisemitismus mit 590 Fällen allein in NRW die häufigste Erscheinungsform war. Wer angesichts dieser Zahlen Beschlüsse fasst, die Israel einseitig dämonisieren, liefert die ideologische Munition für diese Taten.
Historische Verantwortung wird zur Disposition gestellt
Für Deutschland ist die Solidarität mit Israel und die Bekämpfung von Antisemitismus Staatsräson – begründet in der historischen Schuld der Shoah. Doch die aktuellen Tendenzen bei der Linken und in Teilen der Studierendenschaft zeigen, dass dieser Konsens erodiert.
Wenn antizionistische Narrative zur neuen „Haltung“ verklärt werden, wird jüdisches Leben in Deutschland unsicherer. Es reicht nicht mehr, sich nur gegen den Rechtsextremismus zu positionieren. Die demokratische Mitte und die Parteiführungen müssen klare Kanten gegen die linksextremistischen Tendenzen zeigen, die Antisemitismus als „Befreiungskampf“ tarnen. Wer hier schweigt oder relativiert, macht sich mitschuldig an einer Atmosphäre, in der Hass wieder gesellschaftsfähig wird.
Ein KlarKlick von Christian Voigt, Herausgeber von LokalKlick
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