Mülheim an der Ruhr. Was kann die Politik in Mülheim an der Ruhr für Menschen mit Behinderungen verbessern? Diese und andere Fragen haben die Peer-Beratenden der Mülheimer KoKoBe (Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Behinderungen) Lokalpolitikern gestellt. Rodion Bakum, (Vorsitzender der Mülheimer SPD), Annette Lostermann-De Nil (Vorsitzende der Grünen in Mülheim) und Dr. Siegfried Rauhut (stellv. Vorsitzender der CDU-Saarn/Selbeck/Mintard) folgten gerne der Einladung der Peergruppe zu einem Austausch in die Räume der KoKoBe am Berliner Platz. Und Fragen gab es viele zu Themen wie Leichte Sprache, Barrieren, bezahlbarer Wohnraum, Wohnplätze und die Reform der Eingliederungshilfe.
Ihre Fragen hatte die Gruppe sehr klar formuliert und mit anschaulichen Beispielen aus dem Alltag untermauert. Der Aufzug fährt wieder nicht, in die neue (vermeintlich bessere) Straßenbahn kann man als Rollstuhlfahrer nicht einsteigen, der Brief von der Stadt ist unverständlich und eine Wohnung für ein Betreutes Wohnen zu finden, dauert Monate. „Was macht die Stadt,… damit es Infos in leichter Sprache gibt? … damit es weniger Barrieren gibt? …, damit es mehr günstige Wohnungen gibt? Und weiß die Stadt, dass es zu wenig Wohnplätze in Besonderen Wohnformen gibt? Und was tut die Stadt gegen die geplante Reform der Eingliederungshilfe.“ Viele Menschen, so die Peergruppe, hätten Angst, weniger Hilfen zu bekommen.
Konstruktiver Austausch soll gerne wiederholt werden
Die politischen Gäste nahmen sich viel Zeit – anderthalb Stunden waren ursprünglich vorgesehen – um sich den Fragen einzeln zu widmen und auch Lösungen und Möglichkeiten zu diskutieren. Und dass es dann doch etwas länger wurde, merkte beim intensiven und konstruktiven Austausch keiner der Teilnehmenden. „Die Peers und wir waren mit dem Abend sehr zufrieden“, so Janina Rosendahl-Marosch und Sabrina Sunderbrink, Ansprechpartnerinnen in der KoKoBe. Auch sie sehen vieles mit Sorge: Wird die Finanzierung für Angebote für Menschen mit Behinderungen noch möglich sein? Wie können dringend benötigte weitere Plätze für Besondere Wohnformen geschaffen werden? „Wire sehen immer mehr Eltern, die ihr – inzwischen schon längst erwachsenes – Kind mit Behinderung betreuen und selbst nicht mehr können.“ Das sei ein großes Thema.
Lösungen müssen nicht immer teuer sein
Manchmal klingt die Lösung einfach – Strukturen im Hilfesystem verbessern, damit Kosten einsparen und damit letztlich mehr Geld für die Hilfesuchenden zur Verfügung zu haben. Die Umsetzung ist es dann leider nicht. Natürlich seien viele Dinge nicht von jetzt auf gleich umsetz- oder finanzierbar. Aber für manches brauche es mitunter nicht viel Geld, sondern vor allem erstmal Verständnis und die nötige Sensibilisierung in Ämtern und Behörden wie schreiben oder Informationen in Leichter Sprache. Nicht nur in Briefen. So könnten zum Beispiel Piktogramme auf Plakaten und/oder Informationstafeln schon helfen, um Menschen die Verständlichkeit zu erleichtern.
Und auch die Lokalpolitiker zeigten sich beeindruckt von der Peerberatung, die als Betroffene schon an vielen Stellen – nicht nur bei städtischen Treffen – ihre hilfreiche Sicht auf Probleme darstellen konnten. Fazit für alle Teilnehmenden: Der Austausch soll eine Wiederholung finden.
Stichwort Peer-Beratung:
Peer-Beratung ist ein Beratungsangebot von Menschen mit Behinderung für Menschen mit Behinderung. Peer-Beratung (Peer Counseling) ist eine Beratung auf Augenhöhe, bei der Menschen mit ähnlichen Beeinträchtigungen, Erfahrungen oder Lebenssituationen (Peers) sich gegenseitig unterstützen. Ziel ist es, durch Erfahrungswissen Selbstbestimmung, Teilhabe und Empowerment zu fördern. Diese Beratung ist oft niederschwellig und dient als Ergänzung zu professionellen Angeboten.
Kontakt
KoKoBe Mülheim
Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung
Berliner Platz 8
45468 Mülheim an der Ruhr
Tel.: (0208) 740 94 334






















