(Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Dirk Jochmann)
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Krefeld. Kommunalpolitik ist ein schwieriges Ehrenamt: zeitaufwändig, thematisch komplex, belastet mit hoher Verantwortung, aber nicht immer belohnt mit Dank und Anerkennung. Diesen letzten Punkt holte Oberbürgermeister Frank Meyer am Dienstagabend auf der Krefelder Rennbahn ausgiebig nach, indem er ausgeschiedene Mitglieder des Stadtrats und der Bezirksvertretungen für ihr oft Jahrzehnte währendes Engagement ehrte. Fast 50 ehrenamtliche Politikerinnen und Politiker erhielten je nach Dauer ihrer Zugehörigkeit den Stadtring, die Stadtmünze in Gold, Silber und Messing oder ein kleines Präsent.

Kommunalpolitik oder: Die Mühen der Ebene

„Warum sollte man sich das im Jahr 2026 noch antun?”, fragte Frank Meyer zu Anfang bewusst überspitzt in den geladenen Kreis mit mehr als 100 Gästen: „Denn Kommunalpolitik – das sind, frei nach Bertolt Brecht, die Mühen der Ebene. Wer einmal hautnah miterlebt hat, wie lange ein Bebauungsplan, ein Handlungskonzept oder ein Strategiepapier durch die Mühlen der Bürokratie gewalkt wird, bis es sich zur Realität manifestiert, der hat nebenbei noch einen Hochschulabschluss in Geduld und Langmut erworben. So ist es eben mit der Demokratie: Sie lebt von Debatten, von Kompromissen, vom Ringen um die beste Lösung.”

Stadtälteste standen im Mittelpunkt

Die Antwort auf die Frage, warum man sich das antun solle, finde er hier im Saal, bekannte der Oberbürgermeister: „Sie und Ihr alle seid mit eurem langjährigen Engagement konkrete Beispiele, dass Kommunalpolitik wirkt. Sie funktioniert im Sinne der Menschen, sie bewegt unsere Städte, sie macht in unserer Demokratie einen entscheidenden Unterschied.” Durch die Entscheidungen im Rat, in den Gremien und Bezirksvertretungen seien Arbeitsplätze entstanden, Wohnungen für Familien, Räume für Kinder und Jugendliche, Orte für Seniorinnen und Senioren, gute Schulen. Deshalb: „Danke fürs Zuhören – den Menschen in der Stadt und dem politischen Gegner im Rat. Danke fürs Mitdenken – im jeweiligen Fachgebiet und im Sinne der ganzen Stadt. Danke fürs Haltung zeigen – auch und gerade dort, wo der Weg unbequem ist und man mitten im Gegenwind steht.”

Im Lauf des Abends, der von Anouk van der Vliet moderiert und von Schauspieler Tobias Wessler musikalisch gestaltet wurde, standen besonders die sogenannten „Stadtältesten” im Mittelpunkt, die mehr als vier Ratsperioden durchlaufen hatten. Am längsten dabei war Jürgen Hengst (SPD): 31 Jahre im Rat, das sei „sogar noch etwas länger als die Erstellung des Bebauungsplans zum Rheinblick gedauert hat”, scherzte Frank Meyer und verwies auf die Verdienste von Hengst beim Uerdinger Bauprojekt und bei weiteren Themen der Stadtentwicklung: „Man trifft selten einen Kommunalpolitiker, der ein derartiges Breiten- und Tiefenwissen erworben hat wie er. Er ist kein Marktschreier, kein Selbstdarsteller und klebt nicht an Ideologien: Er bleibt stattdessen eng an der Sache und beharrlich bei der Sache – damit hat er besonders in Uerdingen viel bewegt.”

“Kompetenz des Generalisten”

Für die FDP wurden Paul Hoffmann und Dr. Günther Porst für mehr als 20 Jahre im Stadtrat ausgezeichnet. Über Hoffmann sagte Meyer, er habe sich die „wertvolle Kompetenz des Generalisten” erworben und zum Wohle der Stadt eingesetzt: „Der Blick auf Traar und Verberg bildete den Schwerpunkt seiner politischen Arbeit: Dort wohnt er, dort kennt er sich aus, dort ist er bestens vernetzt und weiß, was die Menschen bewegt.” Dr. Günther Porst habe sich durch Fachkenntnis, Genauigkeit und eine Nähe zu den Menschen ausgezeichnet, so Frank Meyer: „Dass er mit 80 noch so viel Energie versprüht, hat vielleicht auch damit zu tun, dass Energiethemen ihn besonders interessiert haben.” Zugleich sei er im Forstwald tief verwurzelt und eng an allen Themen des Stadtteils: „Die Menschen im Forstwald wussten: An den können wir uns wenden, er wird unsere Sorgen ernstnehmen und weitertragen. Genau solche Politiker wie Dich braucht man in der Kommune.”

Für 21 Jahre im Krefelder Rat sowie ihre Arbeit im Kulturausschuss und als Aufsichtsratsvorsitzende des Zoos wurde auch Heidi Matthias (Grüne) geehrt. „Man trifft sie oft bei stadtgesellschaftlichen oder kulturellen Anlässen, was wohl zwei Gründe hat: Erstens interessiert sich Heidi Matthias wirklich und aufrichtig für das, was in Krefeld passiert. Und zweitens mag sie Menschen und strahlt das auch aus.” Neben Nahbarkeit und Empathie hätten auch Sachkenntnis und eine starke Vernetzung sie ausgezeichnet: „Du hast viel für die Menschen in unserer Stadt erreicht – und gerade für die, die Fürsprecherinnen wie dich brauchten.”

Frank Meyer ehrt Philibert Reuters

Zuletzt ehrte Frank Meyer den langjährigen Vorsitzenden der CDU-Fraktion im Krefelder Stadtrat. Neben 21 Jahren Ratstätigkeit blickt Philibert Reuters auch auf eine Jahrzehnte währende Mitarbeit in der Bezirksvertretung Hüls zurück. „Ich habe es sehr bedauert, als Sie 2023 nach über 40 Jahren Ihren Abschied aus der Kommunalpolitik bekanntgegeben haben”, so Frank Meyer. „Ihr Wort hatte immer Gewicht, in der eigenen Fraktion und darüber hinaus – und Sie standen zu diesem Wort.” Die Zusammenarbeit im Rat sei trotz manchmal unterschiedlicher Haltung von „großem gegenseitigem Respekt” geprägt gewesen. Philibert Reuters habe sich durch „persönliche Integrität, Vernunft und Verlässlichkeit” ausgezeichnet.

Bevor Tobias Wessler mit Frank Sinatras „My Way” dem Abend einen würdigen Abschluss verlieh, bedankte sich Philibert Reuters im Namen aller Geehrten für die Anerkennung. „Sie haben heute unser Herz erreicht”, bekannte er mit Blick auf die wertschätzenden Worte des Oberbürgermeisters. Für die Kommunalpolitik forderte der langjährige CDU-Ratspolitiker mehr Optimismus und mehr Selbstbewusstsein – auch für seine Heimatstadt. „Wir haben einander im Rat viel abgerungen und viel zugemutet, aber wir haben auch wahnsinnig viel gemeinsam erreicht.”

Mit Stadtmünzen in Gold wurden Ingeborg Müllers, Wolfgang Hildach, Rosemarie Krauß, Michael Stenders und Basri Cakir ausgezeichnet. Eine Stadtmünze in Silber erhielten Thorsten Hansen, Dr. Gero Hattstein, Ulrich Lohmar, Julian Seeger, Karin Späth, Klaus Andes und Axel Heimendahl. Eine Stadtmünze in Messing nahmen Ana Sanz Sanz, Annelie Wulff, Thomas Roß, Dr. Rolf-Bernd Hechler, Hayri Cakir, Bernd Albrecht und Metin Eyibak entgegen. Frank Meyer bedankte sich zudem mit einem Geschenk und persönlichen Worten bei Karsten Ludwig, der von 2020 bis 2025 als Dritter Bürgermeister engagiert war.

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