Düsseldorf. Die Landeshauptstadt Düsseldorf richtet ihre Investitionsplanung an den aktuellen finanziellen Rahmenbedingungen aus. Vor diesem Hintergrund hat Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller entschieden, die weitere Planung für das Opernhaus der Zukunft zu stoppen. Oberste Priorität des städtischen Handelns ist die Wahrung der kommunalen Entscheidungshoheit. Ziel ist ein Haushalt, der so solide aufgestellt ist, dass er langfristig tragfähig bleibt.
Die Oper bleibt jedoch ein zentraler Bestandteil des kulturellen Lebens in Düsseldorf. Der Standort an der Heinrich-Heine-Allee wird ertüchtigt, sodass der Spielbetrieb der Deutschen Oper am Rhein auch künftig gesichert ist. Die dafür vorgesehenen Maßnahmen waren bereits geplant und werden konsequent umgesetzt.
“Die Entscheidung, die Planung für das Projekt Opernhaus der Zukunft zu stoppen, ist mir alles andere als leicht gefallen. Angesichts eines wachsenden Defizits in unserem Haushalt sind jedoch auch schmerzhafte Entscheidungen unumgänglich. Die Verwaltung ist insgesamt angehalten, Einsparpotenziale zu heben. Dazu gehören in letzter Konsequenz auch Herzensprojekte. Mir war und ist die Oper ein solches Herzensanliegen. Gleichzeitig ist es meine Pflicht, die finanzielle Autonomie der Landeshauptstadt sicherzustellen. Dies bedeutet jedoch keineswegs einen Abschied von der Kunstform Oper in Düsseldorf. Der Standort an der Heinrich-Heine-Allee wird ertüchtigt. Diese Maßnahmen waren ohnehin vorgesehen, um den Betrieb bis zu einer möglichen Neueröffnung sicherzustellen. Der Spielbetrieb bleibt somit gewährleistet”, erklärt Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller. “Mein Dank gilt allen Beteiligten, die in den vergangenen Jahren mit großem Einsatz an der Planung des Opernhauses der Zukunft gearbeitet haben. Die Idee, die Deutsche Oper am Rhein, die Clara-Schumann-Musikschule und die Musikbibliothek an einem Standort zusammenzuführen, steht für einen besonderen Dreiklang aus Kultur, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse und erarbeiteten Konzepte behalten unabhängig von der heutigen Entscheidung ihren Wert.”
Zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs wurde eine entsprechende Beschlussvorlage in den Gremienlauf gegeben, die am 18. Juni dem Rat als Grundsatzbeschluss vorgelegt wird. Die baulichen Maßnahmen beginnen dann voraussichtlich im dritten Quartal des kommenden Jahres. Parallel dazu werden Untersuchungen zur Aufrechterhaltung des Opernbetriebs auch über die 2030er Jahre hinaus beauftragt. Dabei wird es darum gehen, den Betrieb unter Verzicht auf viele Verbesserungen, die mit einem Neubau einhergegangen wären, zu organisieren.

“Wir stehen vor großen finanzwirtschaftlichen Herausforderungen. Aktuell ist nicht erkennbar, dass die kommunalen Haushalte durch Entscheidungen der Landes- und Bundespolitik substanziell entlastet werden. Gleichzeit bleibt die gesamtwirtschafliche Dynamik aus, die auch in Düsseldorf zu einer positiven Entwicklung der Steuereinnahmen führen würde”, so Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller. “Vor diesem Hintergrund müssen wir uns zwingend auf die unabweisbaren Investitionsbedarfe konzentrieren, insbesondere im Bereich der Infrastruktur.”
Die Transformation der Oper wird im laufenden Betrieb fortgesetzt: Mit Generalintendantin Ina Karr und Generalmusikdirektor Evan Rogister konnte die Landeshauptstadt ein neues Führungsduo für die Oper gewinnen, das kraftvoll die Zukunft des Hauses gestalten wird. Mit einer visionären, modernen Ausrichtung kann so die Idee der Oper für alle greifbar werden.
Die kommende Zeit wird die Landeshauptstadt Düsseldorf für die Prüfung alternativer städtebaulicher Maßnahmen für das Grundstück am Wehrhahn nutzen. So könnte ein urbanes Quartier, beispielsweise aus Gastronomie, Einzelhandel und Wohnen, entstehen, das ähnlich einer Oper zur Aufwertung des Areals am östlichen Ende der Schadowstraße beitragen könnte.
Hintergrund
Im Rahmen eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs wurden in den Jahren 2022 und 2023 die Möglichkeiten zur Realisierung eines neuen Opernhauses an den Standorten Heinrich-Heine-Allee 16a und Am Wehrhahn 1 untersucht. Dabei zeigte sich, dass beide Standorte grundsätzlich geeignet sind. Da das Grundstück Am Wehrhahn 1 zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht für einen Erwerb zur Verfügung stand, beschloss der Rat der Landeshauptstadt Düsseldorf am 15.06.2023, die Weiterverfolgung des Standorts Heinrich-Heine-Allee 16a. Durch das Insolvenzverfahren der Eigentümer der Grundstücke Am Wehrhahn 1 und Oststraße 15 ergab sich anschließend die Möglichkeit eines Erwerbs. Mit den Ratsbeschlüssen RAT/243/2024 und RAT/244/2024 vom 27.06.2024 wurde der Ankauf der Grundstücke Am Wehrhahn 1 und Oststraße 15 sowie die Durchführung eines Wettbewerbs zur Realisierung des “Opernhauses der Zukunft” an diesem Standort beschlossen. Ziel des Vorhabens ist die Entwicklung eines zukunftsweisenden Gebäudes, das in innovativer und zugleich wirtschaftlicher Weise einen Ort für Kultur, Begegnung und Kommunikation schafft. Der Neubau soll die Funktionen und die technische Infrastruktur des bestehenden Opernhauses nicht nur ersetzen und zeitgemäß neu organisieren, sondern darüber hinaus Raum für zusätzliche Nutzungen und Angebote bieten.
FDP: Finanzkrise – Absage des Opern-Neubaus ist ein schwerer Fehler für Düsseldorf
Die FDP-Ratsfraktion kritisiert die Entscheidung von Oberbürgermeister Stephan Keller den geplanten Opern-Neubau aus finanziellen Gründen zu stoppen.
Der Fraktionsvorsitzende der FDP Mirko Rohloff betont die große Bedeutung der Deutschen Oper am Rhein: „Mit dieser Entscheidung verspielt die Stadt eine historische Chance für ihre kulturelle und städtebauliche Entwicklung. Es ist ein schwerer Fehler. In den letzten 6 Jahren hat Schwarz-Grün die Stadt finanziell ruiniert. Diese Entscheidung zeigt: Die Koalition und der Oberbürgermeister sind finanziell gescheitert. Die Kultur darf nicht zum ersten Opfer werden. Jetzt braucht unsere Stadt eine grundlegende finanzpolitische Kehrtwende.“
Der Kulturpolitische Sprecher der FDP-Fraktion Ulf Montanus ergänzt: „Für den Kauf des Grundstücks und den Planungswettbewerb wurden bereits Millionenbeträge an Steuergeld investiert. Das derzeitige Gebäude ist baufällig, eine Sanierung des derzeitigen Standorts ist finanziell ein Fass ohne Boden.“
„Das ist die Konsequenz der fehlenden Klarheit von CDU und Grünen beim Haushalt“
Sabrina Proschmann, Vorsitzende der SPD/Volt-Ratsfraktion Düsseldorf, erklärt zur gestrigen Erklärung von Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, dass das Opernprojekt am Wehrhahn aufgrund der nicht gesicherten Finanzierung zunächst auf Eis gelegt wird: „Die heutige Entscheidung ist die Konsequenz einer Finanzpolitik, der seit Jahren die Klarheit fehlt. CDU und Grüne haben die Herausforderungen für den städtischen Haushalt verdrängt und gleichzeitig immer neue Versprechen gemacht. Nun zieht der Oberbürgermeister selbst die Notbremse bei seinem wichtigsten Prestigeprojekt. Stephan Keller hat die Oper zur Chefsache erklärt. Heute zeigt sich: Für die Finanzierung gab es nie eine belastbare Grundlage. Das Scheitern des Projekts ist deshalb vor allem ein Scheitern der Finanz- und Haushaltspolitik von CDU und Grünen.
Die Menschen in Düsseldorf erleben seit Jahren Ankündigungen zu Wohnungsbau, Stadtentwicklung, Bürgerhäusern und großen Infrastrukturprojekten. Während bei der Oper immer neue Visionen präsentiert wurden, warten viele Stadtteile bis heute auf konkrete Fortschritte bei Projekten, die für das gesellschaftliche Leben vor Ort von zentraler Bedeutung sind. Gleichzeitig wächst die Skepsis, ob den Ankündigungen dieser Stadtspitze überhaupt noch Ergebnisse folgen. Die SPD/Volt-Ratsfraktion hat immer darauf hingewiesen, dass Großprojekte nur dann erfolgreich umgesetzt werden können, wenn Finanzierung, Zeitplanung und politische Prioritäten von OB, CDU und Grünen ehrlich benannt werden. Genau diese Ehrlichkeit hat in den vergangenen Jahren gefehlt.“
Für die SPD beginnt jetzt eine ehrliche Debatte über die Zukunft der Oper: „Jahrelang wurde der Eindruck erweckt, ein Opernneubau sei alternativlos. Gleichzeitig wurde eine Sanierung des bestehenden Hauses immer wieder als nicht realistisch dargestellt. Wenn der Neubau nun nicht kommt, muss die Stadtspitze offenlegen, welche Optionen tatsächlich geprüft wurden und welche Perspektive sie für die Oper hat – auch wenn das eine geordnete Schließung des Hauses bedeuten kann. Beschäftigte, Publikum und Kulturschaffende haben ein Recht auf Klarheit.“
Adis Selimi, Vorsitzender der SPD Düsseldorf: „Mit dem Opernneubau verliert Stephan Keller heute endgültig auch sein letztes großes Zukunftsprojekt. Die Bilanz seiner Amtszeit ist ernüchternd: große Ankündigungen, aber keine belastbaren Antworten auf die zentralen Zukunftsfragen unserer Stadt. Wer Wohnen zur Dauerkrise werden lässt, bei wichtigen Infrastruktur- und Stadtteilprojekten nicht vorankommt und jetzt auch noch hier scheitert, muss sich die Frage gefallen lassen, wo eigentlich die Zukunftsstrategie für Düsseldorf geblieben ist. Die Oper ist heute das sichtbarste Beispiel dafür, dass große Versprechen keine solide Finanzplanung ersetzen. Der Oberbürgermeister hat Erwartungen geweckt, ohne die finanziellen Voraussetzungen dafür zu schaffen.”





















