Schulseelsorgerin Sophia Kita (Foto: Nicole Cronauge | Bistum Essen)
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Duisburg. Vor ihrem Büro bildet sich in den Pausen oft eine kleine Schlange. Schulseelsorgerin Sophia Kita unterstützt Schülerinnen und Schüler am Duisburger St.-Hildegardis-Gymnasium bei den großen und kleinen Sorgen in der Schule, zuhause oder im Umgang mit Freundinnen und Freunden. Auch bei den wöchentlichen Gottesdiensten ist Kita eine gefragte Unterstützung.

„Seelentrösterin“ steht auf der Taschentuchbox in Sophia Kitas Büro. Und wenn man in der großen Pause des Duisburger St.-Hildegardis-Gymnasiums hört, wie viele Kinder alle paar Minuten an ihre Tür klopfen, ahnt man, dass damit weniger das Holzkästchen gemeint ist. Für viele Kinder und Jugendliche ist die junge Frau eine Seelentrösterin, die ihnen eines der weichen Tücher reicht, wenn sie auf ihrem Sofa Platz nehmen. Sophia Kita ist eine der Seelsorgenden an den Schulen des Bistums Essen. Seit gut zwei Jahren ist sie am Duisburger Innenstadtgymnasium tätig – und dort vielleicht einer der gefragtesten Person der Schule. „Manchmal bildet sich vor meinem Büro eine kleine Schlange“, sagt die 32-Jährige. Vermutlich schon in der nächsten großen Pause, wenn auch all die Schülerinnen und Schüler wieder an ihre Tür klopfen, die sie jetzt wegen des Journalisten-Besuchs vertröstet hat.

Die Themen der Kinder und Jugendlichen seien „eine total bunte Mischung“ und reichten von der Angst vor der nächsten Klassenarbeit über Liebeskummer und die Sorge vor der Reaktion der Eltern auf schlechte Noten bis zu Streitigkeiten in der Freundesgruppe. „Daneben geht es auch um schwierige Situationen zu Hause, um Mobbing oder um den Umgang mit Todesfällen.“ Gerade die Trauerarbeit mit Schülerinnen und Schülern beschäftige sie sehr viel, so die Seelsorgerin. „Das sollte eigentlich an jeder Schule ein wichtiges Thema sein.“ Neben verstorbenen Großeltern gebe es auch immer wieder Kinder oder Jugendliche, bei denen ein Elternteil oder eine andere enge Bezugsperson stirbt.

Gefragte Frau dank Schweigepflicht
Kita ist zugewandt, arbeitet in einem bunten Büro mit gemütlichen Möbeln – und doch dürften sie auch zwei strukturelle Dinge zur Top-Gesprächspartnerin am St.-Hildegardis-Gymnasium machen: Zum einen verteilt Kita keine Noten – und zum anderen unterliegt sie als Seelsorgerin einer Schweigepflicht. „Die gilt, solange keine Fremd- oder Eigengefährdung vorliegt.“ Aber selbst dann würde sie nicht einfach die Schulleitung, die Eltern oder ein Amt informieren, sondern im Gespräch mit der Schülerin oder dem Schüler „viel erklären, verschiedene Wege aufzeigen und gemeinsam schauen, wie es weitergehen kann. Wichtig ist, dass das Vertrauen nicht wegbricht und das Kind nicht übergangen wird“, betont die Seelsorgerin. Bilder und kleine Geschenke an den Wänden und in den Regalen von Kitas Büro zeugen von dankbaren Schülerinnen und Schülern, gerade nach intensiven Gesprächen. Dabei kennt Kita ihre Grenzen: Psychologinnen und Psychologen seien gefragt, „wenn ich merke, dass es mit einem offenen Ohr und Gesprächen nicht getan ist“. Auch dann kann sie zumindest Kontakte vermitteln und Tipps geben.

Persönlich über Glaubensfragen nachdenken
„Manchmal bestehen meine Tage nur aus Gesprächen.“ Dennoch ist Kita nicht nur die Frau mit zwei offenen Ohren, viel Empathie und einem ruhigen Büro. Als Seelsorgerin organisiert sie auch die Gottesdienste des katholischen Gymnasiums. „Ich versuche, die Gottesdienste so zu gestalten, dass sie für junge Menschen ansprechend und alltagsnah sind – und dass es möglichst immer einen Mitmach-Faktor gibt.“ Und Spaß machen dürften die Gottesdienste auch. In der Regel würden die Feiern gut angenommen. Klar gebe es immer welche, die das gemeinsame Beten und Singen gerade nicht interessiert, während andere begeistert seien. „Ich glaube schon, dass ein großer Teil der Kinder und Jugendlichen damit etwas anfangen kann.” Gerade bei den wöchentlichen Gottesdiensten, die Kita jeweils gemeinsam mit einer Klasse vorbereitet, solle den Kindern „nichts übergestülpt werden“. Vielmehr will sie Möglichkeiten schaffen, „dass sie sich persönlich mit Glaubensfragen auseinandersetzen“. Und bei großen Gottesdiensten für die gesamte Schule wie dem zur Sportplatz-Einweihung im vergangenen Herbst, dürfen erst recht Fröhlichkeit und Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund stehen.

Von der Religionslehrerin zur Seelsorgerin
Als Schulseelsorgerin sei sie „eine Quereinsteigerin“ – wobei dies mehr die Seelsorgerin als die Schule betrifft, schließlich ist sie ausgebildete Lehrerin für Deutsch und katholische Religion. Doch schon im Studium habe sie gespürt, „dass ich für Theologie ganz anders brenne als für Germanistik“. Als Lehrerin hat sie dann ein Praktikum in der Schulseelsorge des Bischöflichen Gymnasiums am Stoppenberg in Essen gemacht. Danach war für sie klar: „Ich möchte nicht nur Wissens-, sondern Glaubensvermittlerin sein.“ Doch das sei nicht so einfach, wenn man die, denen man Glauben vermitteln möchte, auch benoten muss. Irgendwann kam für Kita die passende Stellenausschreibung in Duisburg, viele Gespräche und Überlegungen – und schließlich die Einstellung. „Für diesen Job bin ich jeden Tag dankbar“, schwärmt sie. Die Stelle als Schulseelsorgerin sei die optimale Verbindung ihres Studiums mit ihrem tiefen Glauben.

Das gilt erst recht in den unzähligen Gesprächen mit Schülerinnen und Schülern. „Als Lehrerin kann ich gar nicht in einen so persönlichen Austausch mit den Kindern und Jugendlichen kommen, wie mir dies möglich ist.“ Doch wie kommt Seelsorgerin Kita mit dem vielen Kummer klar, der in ihrem Büro abgeladen wird? „Manche Themen beschäftigen mich auch noch weiter. Aber ich werde immer besser darin, das zu verarbeiten“, sagt sie. „Außerdem hilft mir das Gebet. Das entlastet mich total.“ Und dann zeigt sie noch einmal auf die Gesprächsecke in ihrem Büro: „Im System Schule ist so viel los. Wenn es diesen Ort hier nicht gibt, fällt das gar nicht auf.“ Zumindest erst einmal nicht.

Dann klopft schon der nächste an der Tür. Gut, dass die Schulseelsorgerin jetzt Zeit hat.

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