Michelle Dohmen (li.) startet am 1. Oktober ihre Ausbildung zur Notfallsanitäterin beim DRK. Sie und Nicole Römer (Schulkoordinatorin DRK-Bildungsakademie) informieren über die Arbeit (Foto: DRK Kreisverband Krefeld / Nadia Joppen)
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Krefeld. Die 23-jährige Rettungssanitäterin Michelle Dohmen hat ihr Berufsziel klar vor Augen: Am 01.Oktober 2026 beginnt sie beim DRK Kreisverband Krefeld ihre Ausbildung zur Notfallsanitäterin. Diese Ausbildung ist bundesweit die höchste, nicht-ärztliche Qualifikation im Rettungsdienst.

Die junge Frau schildert ihren Weg: Sie schließt ihre allgemeine Hochschulreife im Gesundheitsgymnasium ab, nachdem sie merkt: „Mein Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung war ein guter Start, aber nichts fürs ganze Leben”. Parallel beginnt sie, durch Vermittlung einer Lehrerin beim DRK in ihrer Heimatstadt Viersen, sich als Ehrenamtlerin zu engagieren. Hier absolviert sie die Grundlagen – Schulungen in der Ersten Hilfe und zur Rettungshelferin. Die Weiterbildungen bereiten ihr so viel Freude, dass sie ihr Engagement innerhalb eines Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) weiter ausbaut. Über die DRK FreiWerk Agentur (DRK Landesverband Nordrhein) kommt sie zum DRK Kreisverband Krefeld und absolviert ihr FSJ inklusive der Schulung zur Rettungssanitäterin an der staatlich anerkannten Bildungsakademie des DRK Krefeld. „Das ist der wohl gängigste Weg, wie die meisten jungen Menschen dem Rettungsdienst beitreten”, erzählt sie.

Mittlerweile ist sie hauptamtlich als Rettungssanitäterin tätig und kann sagen, dass dieser Werdegang „superspannend, bereichernd und empfehlenswert, für die eigene persönliche Entwicklung ist” und sie viele neue Erfahrungen und Erkenntnisse für sich selbst dazu gewinnen konnte. Darunter auch die Erkenntnis, dass ein Medizinstudium für sie nicht der richtige Weg ist und Ärztin nicht der richtige Beruf. Mit der dreijährigen Vollzeit-Ausbildung zur Notfallsanitäterin legt sie den Grundstein für die Arbeit und eine eventuelle Weiterentwicklung im Rettungsdienst. Als Rettungssanitäterin mit C1 Führerschein besetzt Michelle die RTWs (Rettungswagen) und KTWs (Krankentransportwagen). Als Fahrerin dieser Einsatzfahrzeuge ergibt sich die zusätzliche Verantwortung, in Einsätzen die Besatzung und die Patienten mit Blaulicht und Martinshorn durch den Straßenverkehr zu navigieren.

Am Einsatzort sei sie als Helferin eine Fremde, und es sei oft unumgänglich, die Wohnung oder das Haus der betroffenen Person zu betreten. „Somit ist es von hoher Wichtigkeit, die Privatsphäre des Patienten zu beachten, zu respektieren und zu schützen”, betont sie. In der notfallmedizinischen Versorgung steht das Team untereinander im ständigen Austausch, ebenso mit den Patienten und Angehörigen, um über die Anamnese und den erhobenen Vitalparameter eine Verdachtsdiagnose stellen zu können. Dies erfordere strukturiertes Arbeiten und eine zielorientierte Kommunikationsführung, so Dohmen: „Wir haben es mit kranken, aufgebrachten und auch verängstigten Menschen zu tun. Da muss man ruhig bleiben, Geduld und Empathie einbringen, um Betroffene in hilflosen Situationen aufzufangen.” Dennoch ist ihr das Thema Aggression gegenüber Rettungskräften nicht unvertraut. Dann versuche das Team, deeskalierend zu handeln und vieles nicht persönlich zu nehmen, oftmals mit Erfolg.

Angehörige können das Rettungsdienstpersonal in Einsätzen unterstützen, so Michelle Dohmen. Sie empfiehlt: Haustiere, die frei herumlaufen, für den Zeitraum in einem abgetrennten Raum zu sichern. „Wir tragen Signalfarben, auf die Tiere unterschiedlich und unvorhersehbar reagieren können, auch wenn sie sonst friedlich sind.” Das Vorbereiten und Herauslegen der Krankenkassenkarte, des Medikamentenplans und der aktuellen Arztbriefe vereinfachten das zügige Arbeiten in zeitkritischen Situationen, rät sie. Zudem ergeben sich immer wieder Herausforderungen an Treppen. „Es ist für unser Team wichtig, dass Treppen und Zugangswege zum Patienten freigeräumt sind und Dekorationen weitestgehend weggestellt werden, um so viel Platz wie möglich zu schaffen. Bettlägerige Patienten oder immobile Betroffene sollten möglichst in einem Gebäude unten leben, sodass schwierige Treppen kein Hindernis darstellen und der Transport in ein Krankenhaus nicht verzögert wird.“ Mit diesen Maßnahmen helfen Angehörige aktiv mit, bei kritischen lebensbedrohlichen Zuständen das Leben ihrer Liebsten zu retten!

Im DRK Krefeld werden regelmäßig neue FSJler eingearbeitet. Sie lernen, warum die Funktionen des jeweiligen Wagens (KTW / RTW) grundlegend anders sind. Nicole Römer, Schulkoordinatorin der DRK-Bildungsakademie und zuständig für die FSJler, sieht diese Zeit als eine Entwicklungsphase für die jungen Menschen: „Sie lernen Verantwortung zu übernehmen und wachsen daran.” Das Krefelder DRK bildet jährlich drei Notfallsanitäter aus, derzeit sind Elf Azubis beschäftigt. Grundsätzlich brauche das Thema Rettungsdienst Aufmerksamkeit und müsse erklärt werden, da jeder irgendwann mit dem Rettungsdienst in Kontakt komme, so Michelle Dohmen.

Für sie ist der kommende Ausbildungsstart der nächste Schritt auf dem Weg in ihr Berufsleben. „Der Notfallsanitäter ist ja nicht das Ende. Ich kann mich im DRK weiterentwickeln – zum Beispiel in den Katastrophenschutz gehen oder Dozentin werden, um mein erlerntes Wissen weiterzugeben.” Wichtig ist ihr, ihr Arbeitsleben nach den Werten des Roten Kreuzes im Sinne der Menschlichkeit und des Respekts auszurichten. „Das sind Werte, die ich in meinem Leben kennengelernt habe und die ich vertreten möchte.” Und nicht zuletzt hat sie erfahren: „Man erlebt viel Dankbarkeit – manchmal auch erst etwas später.”

Mehr Infos zu den Berufen und Schulungen im Rettungsdienst gibt es auf www.drk-krefeld.de/angebote/drk-bildungsakademie-krefeld.

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