Oberhausen. Mehr als 80 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki stellt sich eine Frage mit neuer Dringlichkeit: Was braucht es für eine friedlichere Welt?
Für Akira Kawasaki, Mitglied des Executive Committee von Peace Boat sowie Mitglied des internationalen Leitungsgremiums der Friedensnobelpreis-Organisation ICAN (International Campaign to Abolish Nuclear Weapons), beginnt die Antwort nicht bei Staaten oder militärischen Strategien, sondern beim Menschen.
Im Gespräch mit Friedensdorf International sprach der langjährige Friedensaktivist über seinen persönlichen Weg in die Friedensbewegung, die besondere Verantwortung Japans als einziges Land, das Atombombenabwürfe erlebt hat, sowie über die Bedeutung humanitärer Hilfe und internationaler Begegnungen.
„Wenn wir über Frieden sprechen, denken viele zuerst an Staaten und Regierungen. Im Mittelpunkt sollten jedoch die Menschen stehen“, sagt Akira Kawasaki. „Jeder Mensch kann dazu beitragen, eine friedlichere Gesellschaft zu schaffen. Frieden beginnt nicht erst in der Politik – er beginnt bei jedem Einzelnen.“
Die Erfahrungen der Überlebenden von Hiroshima und Nagasaki zeigten bis heute eindringlich die humanitären Folgen von Krieg und Atomwaffen. Gerade deshalb sei es wichtig, diese Erinnerungen zu bewahren und an junge Generationen weiterzugeben.
Mit dieser Haltung verbindet Kawasaki die Arbeit von Peace Boat, ICAN und Friedensdorf International. Während ICAN weltweit für die Abschaffung von Atomwaffen eintritt und Peace Boat den internationalen Dialog fördert, begegnet Friedensdorf International seit Jahrzehnten Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten mit medizinischer Hilfe und neuen Lebensperspektiven.
Eine besondere Rolle misst Kawasaki dabei jungen Menschen zu. Friedensbildung, persönliche Begegnungen und der Austausch unterschiedlicher Erfahrungen seien entscheidend, damit Frieden nicht nur als politisches Ziel verstanden werde, sondern als gesellschaftliche Verantwortung.
Für die Zukunft wünscht sich Kawasaki einen noch engeren Austausch zwischen den Organisationen. Denkbar seien gemeinsame Begegnungen ehemaliger Friedensdorf-Kinder, Überlebender der Atombombenabwürfe sowie junger Menschen aus verschiedenen Ländern. Solche persönlichen Begegnungen könnten dazu beitragen, Empathie zu fördern und Verantwortung für den Frieden zu übernehmen.
Für Friedensdorf International bestätigt das Gespräch einen Grundgedanken, der die Arbeit der Organisation seit fast 60 Jahren prägt: Frieden beginnt beim Menschen. Humanitäre Hilfe, Friedensbildung und internationale Verständigung gehören untrennbar zusammen und schaffen die Grundlage für ein friedliches Miteinander.
Anlässlich des Jahrestages der Atombombenabwürfe laden Friedensdorf International und die Oberhausener Friedensinitiative am 6. August um 21 Uhr zu einer öffentlichen Gedenkveranstaltung auf dem Friedensplatz in Oberhausen ein. Mit Musik, Redebeiträgen und einer gemeinsamen Erinnerung an die Opfer von Hiroshima und Nagasaki soll ein Zeichen für Frieden, Menschlichkeit und nukleare Abrüstung gesetzt werden.
Hintergrund
Das Gespräch mit Akira Kawasaki führte Mara Peppmüller. Sie engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich für Friedensdorf International und unterstützt die Arbeit der Organisation während ihres Studiums auch in Japan. Japan zählt seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Partner- und Spenderländern von Friedensdorf International. Aus diesem langjährigen Engagement entstand der persönliche Austausch mit dem Friedensaktivisten.
Ausblick
Der Leitgedanke „Frieden beginnt beim Menschen“ wird Friedensdorf International auch im Jubiläumsjahr 2027 begleiten. Er bildet zugleich die inhaltliche Grundlage für das geplante Friedensforum, mit dem die Organisation im Rahmen ihres 60-jährigen Bestehens den Dialog über Frieden, Menschlichkeit und internationale Verantwortung weiter stärken möchte.



















