In der Kita Prinzenbergstraße gewöhnen die Mitarbeitenden, hier Kristina Drewell (re.) und Michaela Thomas (Mitte), die Kinder mit regelmäßigen Aktionen an den altersgerechten Umgang mit Wasser (Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation)
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Krefeld. Mika, Lia, Jakob, Loveness und Nala sind pitschnass. Aber das ist ihnen aus zweierlei Gründen gänzlich egal. Die Sonne, die an diesem Vormittag schon 25 Grad warm scheint, trocknet die Kleidung ohnehin wieder schnell. Und: Dass sie voller Wasser sind, ist das Ergebnis einer halben Stunde mit viel Enthusiasmus. Die fünf Kinder kennen und lieben diese Einheiten. An der städtischen Kindertageseinrichtung (Kita) Prinzenbergstraße ist das Wassertraining schon seit rund einem Jahr etabliert. Doch hinter dem aufregenden Spektakel steht ein ernster pädagogischer Hintergrund: Sehr früh, noch weit vor der Schulzeit, sollen Krefelds Kinder im Kita-Alltag kontinuierlich in Berührung mit Wasser kommen. Ängste und Hemmnisse abbauen. Freude und Vorsicht entwickeln. Das Konzept: Wassergewöhnung ohne Schwimmbecken.

Die Stadt hat dieses Projekt seit 2025 bereits in 26 ihrer 46 Kitas verankert. Ziel ist es, dies mittelfristig auf alle Einrichtungen auszuweiten. Dabei geht es zunächst um ganz grundlegende Fähigkeiten. Kinder sollen sich zum Beispiel an Wasser in den  Augen gewöhnen, an die physikalischen Eigenschaften herantasten und die Atmung unter Wasser regulieren. Verknüpft wird das Konzept mit spielerischen Übungen – und vor allem mit Spaß an der Sache. Wasser soll die kindliche Neugier wecken und als etwas Positives verstanden werden. Zugleich reagiert die zuständige Abteilung Kinder mit dem Konzept auch auf eine grundsätzliche Entwicklung: Denn die Schwimmkompetenzen vieler Kinder haben sich bundesweit in den vergangenen Jahren verschlechtert, bedingt etwa durch fehlende Schwimmkurse, die Corona-Pandemie oder sozial-ökonomische Faktoren. Bei dem Krefelder Kita-Projekt üben die Kinder deshalb wichtige Vorläuferfähigkeiten für ihre anstehende Schwimmausbildung.

Waschraum als Abenteuerspielplatz

„Wasser ist bei uns allgegenwärtig. Durch den frühen Kontakt und den Alltagsbezug lernen die Kinder, dass Wasser per se nichts Gefährliches, aber eben auch nicht zu unterschätzen ist“, sagt Kristina Drewell, stellvertretende Leiterin an der Prinzenbergstraße. Hier füllen sie das Thema nun seit Monaten sehr konkret mit zahlreichen kreativen Angeboten und Spielen aus – das ganze Jahr über und in allen Aggregatzuständen, so umfassend wie möglich. Im Winter wird der Waschraum beispielsweise besonders häufig zum Abenteuerspielplatz. In voll befüllten Waschbecken testen die Kinder dann, welche Spielmaterialien schwimmen und welche nicht.

Manchmal planschen sie auch einfach nur oder erforschen Wasser mit allen Sinnesorganen. Wenn sie gefüllte Luftballons in den Gefrierschrank legen, staunen sie später über das tiefgekühlte Resultat. Beim Kochen erfahren die Kinder wiederum, dass Wasser sich auch zu Dampf umwandeln kann und darüber hinaus wesentlich für die Ernährung ist. Und in der Turnhalle simulieren sie manchmal gar ein Schwimmbad im Trockenformat, erlernen dabei grundlegende Bewegungen, Schwimmregeln und in welchen Gewässern Gefahren lauern.

Kristina Drewell erklärt: „Es gibt Kinder, die anfänglich Stress und Angst haben, wenn sie viel Wasser im Gesicht haben oder für die es zu Beginn undenkbar ist, kurz mit dem Kopf unter Wasser zu tauchen. Wir merken durch die regelmäßige Wassergewöhnung, dass die Kinder eine tolle Entwicklung durchlaufen und viel selbstbewusster und entspannter im Umgang mit dem Element Wasser werden.“ Das Konzept schließt zudem Elternarbeit mit ein. Die Erziehungsberechtigten werden über Schwimmangebote in der Umgebung und simple Übungen für zu Hause informiert. Die tägliche Dusche lässt sich etwa mit kleinen Spielideen zur ritualisierten Wassergewöhnung nutzen. In einer Schüssel können die Kinder blubbern, einen Tischtennisball vor sich her pusten oder auch einmal das Gesicht hineintunken. Als Erweiterungsstufe kann auch die heimische Badewanne zum provisorischen Trainingstauchbecken umfunktioniert werden.

Wasserwannen, Matschanlagen und Eisblöcke

Die favorisierte Zeit fürs Wassertraining ist bei den Kindern eindeutig der hochtemperierte Sommer. Im weitläufigen Außengelände der Kita Prinzenbergstraße wird dann schon mal der Rasensprenger angestellt. Zudem gibt es Wasserwannen und Matschanlagen. Meistens in Kleingruppen greifen die Erziehenden die Thematik dann noch deutlich spezifischer auf. So wie an diesem warmen Morgen mit den fünf Kita-Kindern in der Prinzenbergstraße. Zunächst sollen sie Putzschwämme mit Wasser aufsaugen und über einen zehn Meter entfernten Behälter auswringen. Sofort legen die Kinder aufgeregt los und pendeln emsig hin und her. Schon nach einer Minute haben sie es geschafft, also machen sie es gleich nochmal.

Weitaus schwieriger wird es bei der nächsten Aufgabe: Diesmal müssen sie kleine Gummitiere befreien, die in einen riesigen Eisblock eingefroren wurden. Zunächst versuchen sie es mit Kratzen, dann mit warmem Wasser. Es dauert etwas, aber schließlich werden die Fünf für ihre Teamleistung belohnt. Zum Abschluss planschen sie mit den Händen in einer großen Wanne. Zwischen all dem Trubel trauen sich die Kinder plötzlich auch, ihr Gesicht etwas länger unter Wasser zu halten. Mika, Lia, Jakob, Loveness und Nala sind pitschnass. Aber auch einen kleinen, wichtigen Schritt weiter.

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