Netzmonteure von Westnetz gaben ihren Kolleginnen und Kollegen wertvolle Tipps für den Einbau der Retrofit-Lösungen (Foto: Westnetz / Julia Giesing)

Kreis Borken. Westnetz treibt die Digitalisierung des Verteilnetzes im Kreis Borken effizient und flächendeckend weiter voran. Neben digitalen Ortsnetzstationen spielen dafür sogenannte Retrofit-Lösungen eine immer zentralere Rolle. Dahinter verbirgt sich der Einbau neuer, digitaler Messtechnik in bereits bestehende Ortsnetzstationen. Bei einer Weiterbildung in der Westnetz-Betriebsstelle in Reken vertieften die Mitarbeitenden ihr Fachwissen für den Einbau der neuen Technik. Westnetz hat in Gescher, Heiden, Raesfeld, Velen und Reken bereits 90 Stationen digital neu installiert oder durch Retrofit-Lösungen digital nachgerüstet. Über 30 weitere Stationen sollen in diesem Jahr folgen.

Die unsichtbaren Möglichmacher

Während Windkraftanlagen, Biogasanlagen und Photovoltaik-Freiflächen sichtbar Strom erzeugen, erfolgt die Verteilung des Stroms auf Mittel- und Niederspannungsebene großenteils im Verborgenen über Kabel und Ortsnetzstationen. Zwar bleiben Verteilnetze für viele Menschen unsichtbar, dank digitaler Technik ist für Westnetz jedoch schon heute ein Großteil der Stromflüsse sichtbar. Minutengenaue Daten helfen dabei, die Stabilität des Netzes zu gewährleisten und den erzeugten Strom bedarfsgerecht dorthin zu lenken, wo er benötigt wird. Um die Digitalisierung des Verteilnetzes wirtschaftlich und flächendeckend voranzutreiben, setzt Westnetz neben digitalen Ortsnetzstationen verstärkt auf sogenannte Retrofit-Lösungen. „Wir machen Bestandsanlagen mit vergleichsweise geringem Aufwand fit für die Zukunft, sparen gleichzeitig Geld und Zeit“, so Netzmeister Alexander Wübbeling. Bestehende Ortsnetzstationen werden dabei mit moderner Mess- und Kommunikationstechnik nachgerüstet. Im Fokus steht nicht die Fernsteuerung der Anlage, sondern die Gewinnung zusätzlicher Netzdaten. Diese helfen, Belastungen im Netz auf bestimmten Strecken frühzeitig zu erkennen. Ergänzend kommen digitale Ortsnetzstationen zum Einsatz. Sie erfassen kontinuierlich Daten aus dem Netz und schaffen Transparenz über Stromflüsse, Spannungen und Auslastungen. Gleichzeitig sind digitale Ortsnetzstationen fernsteuerbar, was für die Netzstabilisierung und Störungsbehebung vorteilhaft ist. Laut dem Statistischen Bundesamt stammt mehr als die Hälfte des in Deutschland erzeugten Stroms mittlerweile aus erneuerbaren Energien. Damit steigen auch die Anforderungen an die Verteilnetze, die immer mehr dezentrale Erzeugungsanlagen integrieren müssen.

Digitalisierung stärkt die Versorgungssicherheit

Die durch die neue Technik gewonnenen Netzdaten helfen bei einem systematischen Netzausbau. Auch bei der Versorgungssicherheit bringt die Digitalisierung konkrete Vorteile für Bürgerinnen und Bürger sowie Gewerbetreibende. In den nachgerüsteten Stationen kommen sogenannte Kurzschlussrichtungsanzeiger zum Einsatz. Sie erkennen Fehler im Netz und melden diese Informationen direkt an die Netzleitstelle. „Früher mussten im Störungsfall häufig mehrere Stationen nacheinander angefahren und vor Ort überprüft werden. Das kostet Zeit. Heute können wir den Fehlerort präzise, teils auf eine Station genau, eingrenzen und deutlich schneller wiederversorgen“, sagte Alexander Wübbeling.

Da der Einbau der neuen Technik zusätzliche Fachkenntnisse erfordert, trafen sich die Westnetz-Kolleginnen und -Kollegen an der Betriebsstelle in Reken und vertieften ihr Wissen. „Neben dem Netzbereich Reken soll der flächendeckende Einbau der Retrofit-Lösungen auch in anderen Westnetz-Gebieten vorangetrieben werden“, so Wübbeling.

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