Köln. Große Freude im Kölner Zoo: Bei den Sulawesi-Hirschebern (Babyrousa celebensis) gibt es zum ersten Mal Nachwuchs. Das weibliche Ferkel kam Ende Mai zur Welt. Es heißt „Peri“, was auf Indonesisch so viel wie „Fee“ oder „Himmlisches Wesen“ bedeutet. Vater ist der fast fünfjährige „Kopa“, Mutter die vierjährige „Dua Hati“. Beide leben seit 2024 in Köln – nun hat sich zum ersten Mal bei ihnen Nachwuchs eingestellt.
„Peri“ ist für die Zoo-Gäste bereits oft und gut zu sehen. Die Hirscheber-Familie lebt auf der Bantenganlage im Norden des Zoos zusammen mit Asiatischen Wildrindern (Bos javanicus) – auch Bantengs genannt – und Prinz-Alfred-Hirschen (Rusa alfredi). Biologen nennen das Prinzip, unterschiedliche und untereinander verträgliche Arten aus demselben Lebensraum zusammenzuführen „Vergesellschaftung“. Den Tieren bietet das Abwechslung und Beschäftigung. Zoo-Gäste freuen sich über spannende Interaktion und Beobachtungen.
Wie ihre Mitbewohner sind leider auch die Hirscheber in ihrem natürlichen Lebensraum bedroht. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) gibt ihren Status als „bedroht“ an – wahrscheinlich wird er aber bald noch weiter angehoben. Denn die durch Lebensraumzerstörung und Bejagung ohnehin schon schwer dezimierten Wildbestände der Hirscheber erleiden durch das Einschleppen der Afrikanischen Schweinepest auf Sulawesi einen zusätzlichen dramatischen Rückgang. Jüngste Erhebungen haben ergeben, dass auf den indonesischen Inseln kaum wilde Schweine die Seuche überlebt haben. Fehlen die Schweine, die z.B. bei der Suche nach Futter mit ihrer Schnauze den Boden auflockern, Samen verteilen oder als Beute für Raubtiere dienen, leidet das gesamte Ökosystem. Alles hängt mit allem zusammen.
One Plan Approach: Artenschutz, der alle mitnimmt
Der Kölner Zoo engagiert sich auf vielfältige für wildlebende Schweinearten, für die er in den vergangenen Jahrzehnten breite biologische Expertise angesammelt hat:
- Erhaltungszucht im Zoo: „Peri“ soll später einmal selbst für Nachwuchs sorgen und das Erhaltungsnetzwerk, das europäische Zoos für diese Art gegründet haben, stärken. Ziel sind Rückführungen in die Heimatgebiete, wenn die Schweinepest eingedämmt ist.
- Support vor Ort: Dabei unterstützt der Kölner Zoo zwei indonesische Initiativen, die sich für den Schutz gefährdeter indonesischer Tierarten stark machen – zum einen Action Indonesia, zum anderen Expertise Action Indonesia.
- Wissen bündeln: Seit 2024 unterhält der Kölner Zoo zusammen mit der „Species Survival Commission“ der IUCN ein Artenschutzzentrum, das sich u.a. speziell auf wilde Schweinearten konzentriert. Das von Zoo-Biologe Dr. Matthias Markolf koordinierte Zentrum ermittelt u.a. den Bedrohungsstatus von asiatischen Wildschweinarten, um herauszufinden, bei welchen Arten am dringendsten Handlungsbedarf besteht. Hierzu gehört auch, Beteiligte von Zoos und Aquarien, Botanischen Gärten, Naturkundemuseen sowie NGOs im Bereich Naturschutz zusammenzubringen, um gemeinsam im Sinne des One Plan Approach Pläne zum Arterhalt auszuarbeiten.
- Tieren eine Lobby geben: Das Kölner Artenschutzzentrum profitiert dabei auch vom Fachwissen der Kölner Zoo-Kuratorin Dr. Johanna Rode-White. Sie ist Vorsitzende der IUCN SSC Wild Pig Specialist Group und leitet in dieser Rolle internationale Konferenzen, Fachtagungen und Expertennetzwerke, stößt Kommunikationskampagnen an und leistet Lobbyarbeit für wilde Schweine bei Behörden und Regierungen.
Sulawesi-Hirscheber haben einzigartige Hauer
Sulawesi-Hirscheber sind auf der gleichnamigen indonesischen Insel beheimatet. Es gibt sie nur dort. Sie leben in tropischen Regenwäldern in Rudeln von bis zu 13 Tieren zusammen. Die tagaktiven Hirscheber sind Allesfresser, die neben Wurzeln, Nüssen und Früchten auch Fleisch verzehren können.
Ausgewachsene Männchen werden bis zu 1 m lang und erreichen ein Gewicht von bis zu 100 kg. Besonders bemerkenswert sind die einzigartigen Hauer des Hirschebers: Die oberen Hauer wachsen nicht wie bei anderen Schweinen aus dem Maul heraus, sondern durchbrechen den Rüssel und biegen sich dann bogenförmig nach oben. Sie können eine Länge von bis zu 30 cm erreichen und in manchen Fällen sogar wieder in den Rüssel einwachsen. Die unteren Hauer wachsen seitlich am Rüssel vorbei nach oben. In der Wildnis brechen diese Hauer oft bei Kämpfen ab.
Ein weiteres faszinierendes Merkmal der Hirscheber ist, dass die Stellen, an denen die Hauer die Haut durchbrechen, niemals entzündliche Infektionen zeigen. Dies macht sie zu einem interessanten Forschungsobjekt für die Medizin.
Der Kölner Zoo: Begeistert für Tiere. Online bereits ab 22,50 Euro buchbar. www.koelnerzoo.de




















