Neuss. Für viele Menschen in Neuss ist das Schützenfest ein fester Bestandteil der Stadt und ihrer Geschichte. Für Kinder und Jugendliche, die mit dem Neusser Schützenwesen bisher wenig Berührung hatten, ist vieles davon jedoch nicht selbstverständlich. Genau hier setzt ein besonderes Kunst- und Bildungsprojekt der Interkulturellen Projekthelden e. V. und des Jugendzentrums InKult an.
Gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen wurde das Neusser Schützenbrauchtum über mehrere Wochen kreativ entdeckt. Dabei ging es nicht nur ums Basteln und Gestalten. Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer setzten sich mit der Geschichte, den Symbolen und den Besonderheiten des Neusser Schützenwesens auseinander, stellten Fragen und entwickelten daraus eigene künstlerische Arbeiten.
Ein besonderer Blickfang ist ein aufwendig nachgebautes rosenrotes Kleid der Neusser Schützenkönigin Claudia Odendahl. Das Original wurde von Gerry’s Braut- und Festmoden in Neuss für ihren ersten großen Auftritt als Schützenkönigin 2026 beschrieben. Das Kleid ist mit zahlreichen filigranen Blüten gestaltet, verfügt über eine Corsage und eine prachtvolle Schleppe.
Die Kinder und Jugendlichen haben dieses besondere Kleid mit viel Geduld und handwerklichem Geschick aus Holz nachgebaut. Die zahlreichen Blüten und Blumen wurden aus Krepppapier gefertigt und anschließend von Hand auf dem Kleid angebracht. Über viele einzelne Arbeitsschritte entstand so eine aufwendige eigene künstlerische Interpretation eines Kleidungsstücks, das für viele Menschen mit einem besonderen Moment des Neusser Schützenwesens verbunden ist.
Geleitet wurde das Projekt maßgeblich von Emine Avci, Mitarbeiterin des Jugendzentrums InKult. Auch für sie eröffnete das Projekt eine neue und informative Perspektive auf das Neusser Schützenfest. Sie konnte dabei selbst viel über das Brauchtum, seine Geschichte und seine Bedeutung lernen und dieses Wissen anschließend an die Kinder und Jugendlichen weitergeben.
„Für mich war das Projekt selbst eine ganz neue Seite des Schützenfestes. Ich habe dabei viel über die Traditionen und ihre Bedeutung gelernt. Genau dieses Wissen möchte ich auch an die Kinder und Jugendlichen weitergeben. Besonders schön ist, dass wir dabei voneinander lernen können. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen bringen ihre eigenen Erfahrungen mit und entdecken gleichzeitig gemeinsam etwas über die Stadt, in der sie leben“, erklärt Emine Avci, Mitarbeiterin des Jugendzentrums InKult.
Darüber hinaus entstanden Blumenarrangements, Bilder, selbst gestaltete Orden und Medaillen sowie weitere Arbeiten rund um das Schützenwesen. Die Ergebnisse sind Teil einer kleinen Schützen-Kunstausstellung auf der Landesgartenschau Neuss 2026. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem GRÜNEN HERZ NEUSS – Dein Mitmachverein umgesetzt, der die Ausstellung auf der Landesgartenschau ermöglicht und unterstützt. Die Ausstellung ist noch bis zum 6. September zu sehen.
Tatkräftig unterstützt wurde das Projekt außerdem vom Rheinischen Schützenmuseum Neuss. Die Zusammenarbeit verbindet die kreative Arbeit der Kinder und Jugendlichen mit dem historischen Wissen und den Erfahrungen rund um das Neusser Schützenwesen. Gemeinsam entstand dadurch ein besonderer Zugang zu einem Brauchtum, das für viele Menschen in Neuss seit Generationen eine wichtige Bedeutung hat.
„Uns war wichtig, dass die Kinder und Jugendlichen das Schützenfest nicht nur sehen, sondern verstehen. Gerade wenn man selbst nicht mit dem Schützenwesen aufgewachsen ist, können viele Traditionen zunächst fremd wirken. Durch Gespräche, kreative Angebote und gemeinsame Erfahrungen entsteht ein ganz anderer Zugang. Die Kinder konnten Fragen stellen, selbst gestalten und dadurch einen Teil der Neusser Stadtgeschichte kennenlernen“, erklärt Marianne Bouguettaya, Mitarbeiterin des Jugendzentrums InKult.
Für die Interkulturellen Projekthelden ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie kulturelle Bildung und Integrationsarbeit miteinander verbunden werden können. Unterschiedliche Herkunft soll dabei kein Grund sein, sich von lokalen Traditionen fernzuhalten. Im Gegenteil: Begegnung entsteht gerade dann, wenn Menschen bereit sind, die Geschichte und Kultur ihres Umfelds kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei lernen nicht nur Kinder und Jugendliche etwas über das Neusser Schützenwesen. Auch innerhalb des Projekts konnten Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen voneinander lernen und neue Perspektiven kennenlernen.
„Wir möchten Räume schaffen, in denen Menschen miteinander in Kontakt kommen. Das funktioniert besonders gut, wenn man nicht nur über Zusammenhalt spricht, sondern gemeinsam etwas macht. Kinder und Jugendliche lernen dabei nicht nur eine Tradition kennen, sondern begegnen auch anderen Menschen, stellen Fragen und entwickeln gemeinsam etwas Eigenes. Genau solche Begegnungen brauchen wir in einer vielfältigen Stadtgesellschaft“, sagt Umut Ali Öksüz, Vorstandsvorsitzender der Interkulturellen Projekthelden e. V.
Auch über das Ende der Ausstellung hinaus soll das Projekt weiterwirken. Gemeinsam mit dem Rheinischen Schützenmuseum wird derzeit überlegt, wie die entstandenen Arbeiten und die besonderen Exponate anschließend dauerhaft oder bei weiteren Gelegenheiten gezeigt und für Besucherinnen und Besucher zugänglich gemacht werden können.
Das Projekt zeigt damit, wie aus einem traditionellen Thema ein moderner Zugang für junge Menschen entstehen kann. Schützenbrauchtum wird nicht einfach erklärt, sondern gemeinsam entdeckt, kreativ verarbeitet und für eine neue Generation erlebbar gemacht. Gleichzeitig entsteht ein Raum für Begegnung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen.
Das passt auch zum Konzept der Landesgartenschau Neuss 2026, die ausdrücklich Räume für Kultur, Sport, Begegnung und gemeinsames Mitmachen schafft. Das Neusser Bürger-Schützenfest ist dabei selbst ein wichtiger Bestandteil des Programms rund um Tradition und Brauchtum.



















