(Foto: Thomas Rünker | Bistum Essen)
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Gladbeck. Neubau, neue Förderangebote und ein besonderes Jubiläum: Die Jordan-Mai-Schule in Gladbeck wird 50 Jahre alt. Dabei blickt die Förderschule nicht nur auf ihre Geschichte zurück, sondern vor allem auf die Herausforderungen der Zukunft.

Hier surrt ein Akkuschrauber, dort klopft, da klappert etwas. In den Sommerferien erlebt man geschäftiges Treiben an der Jordan-Mai-Schule vor allem auf dem Hof. Aus den „fliegenden Klassenzimmern“, die seit dem letzten Schultag hier als fertige Module angeliefert wurden, ist inzwischen ein zweistöckiger Rohbau für die Erweiterung der Gladbecker Förderschule geworden. Zufrieden schaut das Schulleitungs-Trio Cornelia Heinbach, Andreas Busch und Judith Schröder zur Ferienhalbzeit auf die Arbeiten: Im Herbst sollen hier die Kinder Leben in den Holzbau bringen. Ein passendes Zeichen zum 50-jährigen Bestehen der weit über Gladbeck hinaus bekannten Einrichtung: Stillstand ist an der Jordan-Mai-Schule ein Fremdwort.

In den vergangenen rund 30 Jahren hat sich die Schülerzahl hier fast verdreifacht, auf heute knapp 200 – darunter mittlerweile viele Kinder mit Autismus-Diagnosen. Mehr ist nicht mehr möglich, sagt die Schulleitung. Wenn im Herbst der Neubau eingeweiht wird, ist die bauliche Erweiterung ausgereizt. Alle Gladbecker Kinder mit dem entsprechenden Förderbedarf und einige weitere christliche Kinder aus Nachbarkommunen können die Jordan-Mai-Schule besuchen. Für das neue Schuljahr musste das Leitungsteam jedoch erstmals zehn Kinder ablehnen. So groß ist der Bedarf – und wohl auch die Beliebtheit der Schule. Mit mehr als schwerem Herzen haben sie die Absagen verschickt.

Die Jordan-Mai-Schule fängt viel auf

Die Jordan-Mai-Schule fängt viel auf – und wenn sie nicht mehr kann, haben die betroffenen Familien oft ein großes Problem. „Nach uns kommt niemand mehr“, sagt Heinbach. In der Kette aus Diagnosen, Hilfen und Therapien für Kinder mit Einschränkungen, sind sie oft die letzte Instanz, die sich wirklich kümmern kann. „Wir haben eine unglaublich engagierte Belegschaft, nicht nur die Lehrkräfte, sondern auch Hausmeister, Sekretärinnen, Krankenschwestern, Schulbegleitungen, Küchenkräfte und FSJler – alle sorgen dafür, dass dies hier nicht nur ein Lern- und Bildungsort, sondern ein echter Lebensort ist“, sagt Schröder. „Deshalb können wir den Bogen manchmal noch ein bisschen länger spannen als anderswo, noch eine Extra-Meile gehen, um einem Kind hier doch noch eine Chance zu geben.“ Aber es sei eben auch ihre Verantwortung als Schulleitungsteam, diesen Bogen nicht zu überspannen, betont Busch.

Auch deshalb haben sie fürs nächste Schuljahr streng darauf geachtet, nur jeweils zehn Kinder in den drei Eingangsklassen aufzunehmen. „Im vergangenen Jahr wollten wir allen gerecht werden und niemanden wegschicken.“ Doch unter den zu großen Klassen hätten am Ende Kinder, Lehrer und Eltern gemeinsam gelitten. Aus dieser Erfahrung haben sie für das neue Schuljahr gelernt. Die Schulleitung ist überzeugt, dass die Kinder, die nun wohl zwangsläufig an Regelschulen unterrichtet werden, an der Jordan-Mai-Schule besser aufgehoben wären. „Aber wir können hier weder die Systemfehler im Bildungssektor heilen noch die Versorgungslücken bei Autismus schließen“, sagt Schröder. Zumindest haben sie der Stadt Gladbeck angeboten, sie in den konkreten Fällen beratend zu unterstützen.

Neue „Ankerklassen“ bieten individuelle Förderungsmöglichkeiten

Vor allem die wachsende Zahl der autistischen Kinder in ihrer Schule hat das Leitungsteam bei den neuen „Ankerklassen“ im Blick. In diese speziellen Förderklassen werden künftig Kinder aufgenommen, die einen besonders individuellen Förderbedarf haben. „Wir stellen fest, dass immer mehr Kinder zu uns kommen, die zuvor keinerlei Gruppenerfahrung hatten – vor allem, weil sie nicht im Kindergarten waren“, sagt Heinbach. „Und dann haben wir Kinder, die sind auf dem Papier sechs Jahre alt, aber auf der Entwicklungsstufe eines Einjährigen“, ergänzt Schröder. „Da müssen wir mit Ruhig-im-Stuhlkreis-sitzen gar nicht erst anfangen.“

Leitungsteam mit Erfahrung aus der Pfadfinderzeit

Als Leitungsteam haben Heinbach, Busch und Schröder vor zwei Jahren das Erbe des langjährigen Schulleiters Michael Brieler angetreten. Dass sie die Schule nun als gleichberechtigtes Trio führen und nicht als Chef oder Chefin mit Stellvertretenden, sorge hier und da immer noch für Erstaunen und habe vor allem in der Vorbereitung viel Überzeugungsarbeit, zahlreiche Gespräche und letztlich auch Kompromisse beim Gehalt erfordert. Doch sie haben sich eingespielt: Egal ob Stundenplangestaltung, Personalplanung oder Neubau – immer zwei aus dem Trio kümmern sich gemeinsam um ein Thema. So bleibt die Leitung auch bei Ausfällen handlungsfähig. Auch die Freiheit, dass Schröder sich bei Bedarf um ihre Kinder kümmern kann, bringt dieses Modell mit sich. Es gebe unglaublich viel Arbeit in der Leitung einer Schule, sagt Busch, „aber zu dritt bekommen wir sie wenigstens halbwegs erledigt“.

Ein Vorteil des Trios: „Wir sind alle Pfadfinder und dort mit dreiköpfigen Leitungsteams groß geworden“, sagt Schröder, ehemalige Vorsitzende der DPSG im Bistum Essen. Wenn sie sich meistens freitags für ein paar Minuten zu dritt hinter verschlossener Tür zusammensetzen, sei das ihr „Lagerfeuer-Moment“: Zeit für offene Gespräche und eine Vertraulichkeit, ohne die ihre Arbeit nicht möglich wäre. Wichtig sei aber auch das gemeinsame Lachen, betont Busch: „Es gibt hier keinen Tag, an dem wir nicht mindestens einmal gemeinsam lachen.“

Neben einem Coach und viel Unterstützung durch die Schulabteilung des Bistums Essen sei gerade auch das Miteinander mit den anderen Schulleitungen der Bistumsschulen in den vergangenen zwei Jahren für sie sehr wichtig geworden, betont das Gladbecker Leitungsteam. Gerade die Unterschiedlichkeit der Schulformen – Gymnasien, Sekundarschule, Förderschule und Weiterbildungskolleg – sei inspirierend. Eine besonders enge Kooperation ist daraus mit dem Essener Gymnasium am Stoppenberg entstanden: Regelmäßige gegenseitige Klassenbesuche, Sozialpraktika von Stoppenbergern in Gladbeck oder der gemeinsame Auftritt der Schulbands beim WDR2-Weihnachtswunder im Dezember haben sich daraus entwickelt. Solche Begegnungen schaffen nach Ansicht des Leitungsteams mehr Gemeinsamkeit als eine verkorkste Schuldebatte über Gemeinsames Lernen, das aus Sicht der Jordan-Mai-Schulleitung „so, wie es derzeit läuft, gescheitert ist“.

„Wir wollen das Beste aus den Menschen herausholen“

Kinder, Jugendliche und ihre Eltern dürfen sich freuen, wenn sie Anfang September zurück an die Jordan-Mai-Schule kommen: Auf Lehrerinnen und Lehrer, die die Schule weiter voranbringen möchten, auf neue moderne Räume – und auf ein abwechslungsreiches Jubiläumsjahr, das am Freitag, 11. September, mit einer großen Kindergeburtstagsparty beginnt. „Wir lieben, was wir tun“, zitiert Schröder das Motto der Schule und betont, dass dies nicht nur für das Personal, sondern auch für Schülerinnen, Schüler und ihre Eltern gilt: „Dieser Ort holt aus uns allen das Beste hervor.“


Die Jordan-Mai-Schule
Benannt nach dem 1866 im benachbarten Gelsenkirchen-Buer geborenen Franziskanerbruder ist die Jordan-Mai-Schule in Gladbeck-Zweckel seit 50 Jahren eine weit über die Stadtgrenzen hinaus anerkannte und beliebte Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung. Getragen vom Bistum Essen steht sie Kindern und Jugendlichen mit sehr unterschiedlichen Handicaps offen, die in diesem Bereich einen Förderbedarf haben.


Das Jubiläumsjahr
Das Bistum Essen hat mit der Gründung der Jordan-Mai-Schule auf die 1976 in NRW eingeführte Schulpflicht für Kinder und Jugendliche mit geistigen Behinderungen gegründet. Am 30. August 1976 besuchten die ersten Schülerinnen und Schüler die Jordan-Mai-Schule – damals noch in einem viel kleineren Gebäude in der Gladbecker Grabenstraße. 1980 erfolgte dann der Umzug an den heutigen Standort in der Söllerstraße. Mit mehreren Veranstaltungen erinnert die Schule im neuen Schuljahr an ihre Gründung vor 50 Jahren: Am Freitag, 11. September, gibt es eine große Geburtstagsfeier auf dem Schulhof. Am Freitag, 27. November, weiht Bischof Franz-Josef Overbeck den neuen Erweiterungsbau ein – und im Juni 2027 widmet sich die Schule mit einer ganzen Projektwoche ihrer 50-jährigen Geschichte.


Die Jordan-Mai-Schule und „Christlich Leben. Mittendrin.“
„Unsere Schule ist auch Kirche“, betonen die drei Leitenden der Jordan-Mai-Schule. Deshalb gibt es nicht nur regelmäßige Schulgottesdienste oder eine eigene Firmung, die Bischof Franz-Josef Overbeck kurz vor den Sommerferien sechs Schülerinnen und Schülern der Schule gespendet hat. An ihrer Schule gebe es „ein starkes christliches Leben, bei einem gleichzeitig sehr gemischten Publikum“, sagt Judith Schröder, die sich mit ihrem Leitungsteam auch in Gladbeck für das Bistums-Programm „Christlich leben. Mittendrin.“ engagiert. Das ist „genau das, was wir als Kirche jetzt brauchen, um auch in Zukunft da zu sein für die Menschen.“

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