Virtuelles Sprayen an der digitalen 3D-Graffitiwand in der Stadtbibliothek (Foto: IU Internationale Hochschule)
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Düsseldorf. Konzentrierte Blicke, zischende Sprühdosen, leuchtende Farben auf einer rund 100 Meter langen Wand: Am Dienstag, 25. August 2026, haben Architektur-Studierende der IU Internationalen Hochschule am Campus Düsseldorf ihr Modul „Darstellung und Gestaltung“ mit einem Graffiti-Termin an der legalen „Hall of Fame“ im Sonnenpark in Düsseldorf-Oberbilk abgeschlossen. Was mit Aquarell, Freihandzeichnen und Fotografie begann, endete unter realen Bedingungen an der Wand – mit selbst entworfenen Bildern und Schriftzügen.

Was auf den ersten Blick ungewöhnlich für ein Architekturmodul erscheint, folgt dabei einem klaren didaktischen Konzept. „Beim Graffiti geht es nicht einfach darum, eine Wand zu besprühen. Die Studierenden lernen, wie sie einen Entwurf planen, skalieren und schrittweise auf eine große Fläche übertragen“, erklärt Marcus Lumma, Professor für Architektur an der IU Internationalen Hochschule und Leiter des Moduls. „Dabei spielen Proportion, Komposition, Farbe, Kontrast und die Wirkung im Raum eine entscheidende Rolle.“

Vom ersten Entwurf zum großformatigen Bild

Über das Semester hinweg erarbeiteten die Studierenden in Vorlesungen, Übungen und Exkursionen ein breites Spektrum an Darstellungs- und Gestaltungstechniken: von Corporate Identity/Corporate Design mit eigenem Logo und Schrift über Drucktechniken, Linolschnitt, Fotografie bis hin zum Freihandzeichnen und Urban Sketching sowie Farbgestaltung mit Aquarell. Im Zentrum stand dabei das „Sehen lernen“: Komplexe räumliche Situationen wie Häuser und Fassaden werden analysiert, auf grundlegende Formen reduziert und anschließend gestalterisch weiterentwickelt.

Den Abschluss bildete das großformatige Zeichnen mit Graffiti-Technik. Nach einer Einführung in Graffitikunst, Streetart und deren Techniken entwickelten die Studierenden ihre eigenen Motive. Eine großformatige Zeichenübung mit geraden Linien, Schwünge und Kreise half ihnen, das Arbeiten auf großen Flächen zu erproben. Anschließend ging es in die Stadtbibliothek am Düsseldorfer Hauptbahnhof. An einer digitalen 3D-Graffitiwand konnten die Studierenden ihre Gestaltungsideen virtuell ausprobieren und erste Erfahrungen mit der Wirkung ihrer Entwürfe sammeln. Im Sonnenpark folgte schließlich der Praxistest.

„Architektur bedeutet nicht nur, Gebäude zu entwerfen. Architektinnen und Architekten müssen Räume sehen, analysieren, abstrahieren und ihre Ideen vermitteln können“, so Lumma. „Deshalb ist es wichtig, unterschiedliche Techniken kennenzulernen und selbst auszuprobieren. Gerade das Arbeiten mit Graffiti eröffnet einen unmittelbaren Zugang zu Maßstab, Fläche, Farbe, Dynamik, Architektur und Stadtraum.“

Lernen im Reallabor

Im Sonnenpark wurde aus dem Seminarraum ein Reallabor: Die Studierenden lernen Gestaltung nicht nur anhand von Beispielen kennen, sondern entwickeln eigene Arbeiten, reflektieren deren Wirkung und setzen sie unter realen Bedingungen um.

„Wir hatten eine Skizze von den Namen unserer Hunde gemacht. Auf dem Blatt Papier zu zeichnen ist tatsächlich was ganz anderes als auf eine große Wand zu sprühen. Das war erstmal super ungewohnt, aber es hat dann doch echt gut funktioniert“, erzählen die IU-Studentinnen Antonia Kock und Nele Lakes. „Das war eine sehr coole Erfahrung“, sind sie sich einig.

Studentin Milena Maas nutzte den Namen ihrer selbstprogrammierte Tierschutz-App als Inspiration und entwarf einen kreativen Schriftzug für „Pawesome Match“.

Auch für den späteren Berufsweg sind solche Erfahrungen aus Sicht der Studierenden relevant. Neben den fachlichen Gestaltungskompetenzen trainieren Übungen wie diese Selbstständigkeit, Entscheidungsfähigkeit, Flexibilität und den Umgang mit unerwarteten Situationen.

Wie lange die entstandenen Werke zu sehen sein werden, hängt davon ab, wann sich die nächsten Sprayer auf der „Hall of Fame“ verewigen kommen. Die Graffiti-Fläche im Sonnenpark wird seit 2019 vom Jugendkunstverein Verbunt e.V. in Kooperation mit dem Kulturamt Düsseldorf betreut und erlaubt das Besprühen der Fläche ausdrücklich.

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