(Grafik: LokalKlick)

Rhein-Ruhr. Was war in der vergangenen Woche im Westen von NRW besonders bemerkenswert – im positiven wie im negativen Sinne? Mit der neuen Serie „LokalTop & LokalFlop der Woche“ will LokalKlick künftig regelmäßig genau dort hinschauen. Wir stellen Menschen, Initiativen, Vereine, Verbände und politische Akteure vor, die aus unserer Sicht etwas besonders gut gemacht haben – aber ebenso diejenigen, bei denen es Anlass für Kritik gibt. Dabei geht es nicht um Sympathien, sondern um konkrete Leistungen, Fehlentwicklungen und die Frage: Was verdient Anerkennung – und was verdient einen kritischen Blick?

🟢 LokalTop der Woche: Viel Engagement beim RhineCleanUp

Es braucht nicht immer große politische Programme, um etwas sichtbar zu verändern. Manchmal reichen Handschuhe, Müllsäcke, Greifer – und viele Menschen, die bereit sind, selbst anzupacken.

Beim diesjährigen RhineCleanUp gingen am Samstag, 12. September, wieder zehntausende Freiwillige an den Flussufern ans Werk. Nach vorläufiger Bilanz wurden entlang des Rheins und weiteren 30 Flüssen rund 250 Tonnen Müll eingesammelt, allein in Düsseldorf kamen etwa 30 Tonnen zusammen. Rund 40.000 Menschen beteiligten sich an den Flüssen. Gesammelt wurde vor allem Plastik und Glas, aber auch schwerere und teilweise ungewöhnliche Fundstücke kamen ans Tageslicht. Einige Initiativen beginnen ihre Aktivitäten in dieser neuen Woche – der Veranstalter rechnet mit einem Endergebnis von deutlich über 300 Tonnen Müll.

Das verdient einen LokalTop. Nicht allein wegen der Menge des eingesammelten Mülls, sondern weil hier Bürgerinnen und Bürger Verantwortung übernehmen, statt darauf zu warten, dass „die Stadt“ oder „die Politik“ etwas tut. Schulen, Vereine, Organisationen, Unternehmen und Privatpersonen machen gemeinsam deutlich, dass Umweltschutz nicht nur eine politische Forderung sein muss, sondern auch ganz praktisch vor der eigenen Haustür beginnen kann.

Und dennoch steckt in diesem Top auch eine unbequeme Botschaft: Rund 300 Tonnen Müll, die an einem einzigen Aktionstag aus der Umwelt geholt werden, sind nicht nur ein Erfolg der Sammler, sondern zugleich ein Armutszeugnis für diejenigen, die ihren Abfall achtlos in der Landschaft zurücklassen. Die freiwilligen Helfer können das Problem beseitigen – verhindern können sie es allein nicht.

Deshalb: LokalTop für alle, die angepackt haben. Und ein kleiner LokalFlop für eine Wegwerfmentalität, die solche Aktionen überhaupt notwendig macht.

 

🔴 LokalFlop der Woche: 2.000 Euro Ordnungsgeld für Cansin Köktürk

Politischer Protest gehört in ein Parlament. Zwischenrufe gehören ebenfalls zum parlamentarischen Alltag. Aber auch für Abgeordnete gelten Regeln.

Die Bochumer Linken-Bundestagsabgeordnete Cansin Köktürk muss als erste Abgeordnete aufgrund der verschärften Geschäftsordnung des Bundestages ein Ordnungsgeld von 2.000 Euro zahlen. Hintergrund sind wiederholte Zwischenrufe und Ordnungsrufe innerhalb von drei Sitzungswochen. Während einer Haushaltsdebatte unterbrach Köktürk unter anderem eine Rede des AfD-Abgeordneten René Springer mit dem Zwischenruf „Das ist rassistische Scheiße“. Auch gegenüber Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz kam es zu einem Wortwechsel.

Man muss Springers politische Aussagen nicht gutheißen, um Köktürks Verhalten kritisch zu sehen. Gerade im Bundestag muss gelten: Politische Auseinandersetzung darf hart, leidenschaftlich und kontrovers sein – sie darf aber nicht in persönliche Beschimpfungen und die Missachtung parlamentarischer Regeln abrutschen.

Das Ordnungsgeld ist deshalb nicht automatisch eine Bewertung der politischen Position Köktürks. Es ist eine Sanktion für das Verhalten im Parlament. Und genau diese Unterscheidung ist wichtig. Wer für sich selbst in Anspruch nimmt, demokratische Werte zu verteidigen, muss auch die Regeln des demokratischen Parlaments akzeptieren – gerade dann, wenn einem die Position des politischen Gegners nicht gefällt.

Die verschärfte Geschäftsordnung sieht bei drei Ordnungsrufen innerhalb von drei Sitzungswochen ein Ordnungsgeld von 2.000 Euro vor; bei weiteren Verstößen kann es sogar 4.000 Euro betragen.

Deshalb geht der erste LokalFlop der Woche nach Bochum: Nicht weil eine Politikerin laut widerspricht, sondern weil politische Leidenschaft offenbar die Grenze zur parlamentarischen Disziplin überschritten hat.

Das Fazit der Woche

LokalTop: Rund 40.000 Menschen zeigen beim RhineCleanUp, dass gesellschaftliches Engagement ganz praktisch funktionieren kann.

LokalFlop: Eine Bundestagsabgeordnete muss lernen, dass auch engagierter politischer Protest Regeln braucht.

Zwei völlig unterschiedliche Geschichten – aber beide zeigen: Demokratie und Gesellschaft leben davon, dass Menschen sich einmischen. Entscheidend ist allerdings, wie sie es tun.

von Christian Voigt, Herausgeber von LokalKlick

14. September 2026
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