(Grafik: LokalKlick)

Rhein-Ruhr. Was war in der vergangenen Woche im Westen von NRW besonders bemerkenswert – im positiven wie im negativen Sinne? Mit der Serie „LokalTop & LokalFlop der Woche“ schaut LokalKlick regelmäßig genau dort hin. Wir stellen Menschen, Initiativen, Vereine, Verbände und politische Akteure vor, die aus unserer Sicht etwas besonders gut gemacht haben – aber ebenso diejenigen, bei denen es Anlass für Kritik gibt.

Dabei geht es nicht um Sympathien, sondern um konkrete Leistungen, Fehlentwicklungen und die Frage: Was verdient Anerkennung – und was verdient einen kritischen Blick?

🟢 LokalTop der Woche: Xantener Schüler machen aus Klimasorgen eine konkrete Idee

Es braucht nicht immer große politische Programme, um etwas für die Zukunft zu bewegen. Manchmal beginnt es mit einer Frage im Unterricht – und mit Kindern und Jugendlichen, die sich nicht mit dem Gefühl zufriedengeben wollen, dass man gegen große Probleme ohnehin nichts tun könne.

In Xanten ist genau daraus eine bemerkenswerte Aktion entstanden. Der Biologie-Grundkurs des Stiftsgymnasiums beschäftigte sich mit den Folgen des Klimawandels. Eine Schülerin formulierte dabei ihre Sorge über die Entwicklung unseres Klimas so eindringlich, dass Lehrer Kai Zimmermann gemeinsam mit seinen Schülern nach einer Möglichkeit suchte, aus dieser Sorge etwas Positives entstehen zu lassen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Gemeinsam mit der Stadt Xanten und der Robin-Gut-Stiftung starteten die Xantener Schulen eine Spendensammlung für ein neues Wäldchen in Birten. Auf einer Fläche von rund 7.000 Quadratmetern sollen im Januar 2027 etwa 2.300 Bäume gepflanzt werden.

Rund 150 Schülerinnen und Schüler aus sechs Xantener Schulen waren bereits beim Auftakt dabei. Sie sollen in den kommenden Wochen selbst dafür werben, dass Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und andere Unterstützer Baumpatenschaften übernehmen. Ein Baum kostet 20 Euro. Auch die Sparkasse am Niederrhein hat bereits ein deutliches Zeichen gesetzt und die Kosten für 1.120 Bäume übernommen.

Besonders schön ist dabei der Gedanke, dass die Aktion nicht nur Bäume wachsen lässt, sondern gleichzeitig junge Menschen zum Mitmachen bringt. Sie werden nicht nur über Klimawandel und Umweltschutz sprechen, sondern selbst aktiv.

Für Xanten bekommt das Projekt zudem eine besondere Bedeutung: Die Bäume stehen auch im Zusammenhang mit dem bevorstehenden 800. Stadtjubiläum im Jahr 2028. Schon zuvor hatte LokalKlick die Idee „800 Bäume für 800 Jahre Xanten“ begleitet und anlässlich des zehnjährigen Bestehens von LokalKlick zehn Bäume für das Zukunftswäldchen gespendet.

Deshalb geht unser LokalTop der Woche diesmal nach Xanten: Nicht nur wegen 2.300 neuer Bäume, sondern vor allem wegen der Menschen dahinter – und weil hier aus Sorge über die Zukunft konkrete Verantwortung und gemeinsames Handeln entstanden sind.

InfoKlick: NRW pflanzt

 

🔴 LokalFlop der Woche: Fußball verbindet – Ausschreitungen in Aachen zeigen das Gegenteil

Fußball kann Menschen zusammenbringen wie kaum ein anderer Sport. Zehntausende Menschen fiebern gemeinsam mit ihrem Verein, feiern Siege, leiden bei Niederlagen und erleben im Stadion ein Gemeinschaftsgefühl, das weit über die 90 Minuten auf dem Rasen hinausgeht.

Beim Drittliga-Derby zwischen Alemannia Aachen und Fortuna Düsseldorf am Samstag wurde dieses Bild allerdings von einigen Anhängern erheblich beschädigt.

Vor dem Spiel zog eine größere Gruppe Aachener Fans in einem nicht angemeldeten Fanmarsch Richtung Tivoli. Nachdem die Polizei die Gruppe zunächst aufforderte, den Gehweg zu benutzen, wurde die Fahrbahn anschließend erneut gemeinsam genutzt. Auf Ersuchen der Stadt Aachen stoppte die Polizei den Fanmarsch schließlich und begleitete ihn weiter zum Stadion.

Aus der Menge heraus kam es anschließend zu Angriffen auf Einsatzkräfte. Ein Polizeibeamter wurde gegen den Kopf geschlagen, blieb dank seines Helms aber unverletzt. Eine Flasche wurde gezielt in Richtung der Einsatzkräfte geworfen, ein weiterer Beamter wurde bespuckt.

Auch rund um das Spiel kam es zu weiteren Verstößen. Auf beiden Seiten wurde wiederholt Pyrotechnik gezündet. Die Polizei nahm insgesamt sieben Strafanzeigen auf, unter anderem wegen Beleidigung, sexueller Belästigung, gefährlicher Körperverletzung, Körperverletzung und Raub. Hinzu kamen sechs Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen des Abbrennens von Pyrotechnik.

Das alles geschah vor der Kulisse von 30.100 Fußballfans, darunter rund 5.400 Anhänger aus Düsseldorf.

Natürlich darf Fußball emotional sein. Rivalität gehört zum Sport, lautstarke Unterstützung gehört dazu und auch kontroverse Auseinandersetzungen zwischen Fangruppen sind nichts Neues. Gewalt, Angriffe auf Einsatzkräfte, gezielte Würfe und gefährliche Pyrotechnik haben mit sportlicher Leidenschaft allerdings nichts mehr zu tun.

Deshalb geht unser LokalFlop der Woche nach Aachen.

Und der Zeitpunkt könnte kaum widersprüchlicher sein: Erst am Tag zuvor hatte LokalKlick im KlarKlick „Patriotismus? Ja, bitte, Kloppo!“ darüber geschrieben, dass Jürgen Klopp den Fußball als Plattform für eine wichtige gesellschaftliche Botschaft nutzen möchte. Seine Idee: Nationalstolz und die Freude am eigenen Land sollten nicht denjenigen überlassen werden, die am lautesten auftreten.

Gerade deshalb sollte Fußball auch zeigen können, was Gemeinschaft bedeutet: Respekt, Fairness, Zusammenhalt und Verantwortung.

Das Fazit der Woche

LokalTop: Xantener Schülerinnen und Schüler machen aus Sorgen über die Zukunft ein konkretes Projekt und helfen dabei, ein neues Wäldchen mit 2.300 Bäumen entstehen zu lassen.

LokalFlop: Einige Fußballfans in Aachen überschatten ein großes Derby mit Gewalt, Pyrotechnik und Angriffen auf Einsatzkräfte.

Zwei völlig unterschiedliche Geschichten – aber beide zeigen, dass Gemeinschaft immer auch Verantwortung bedeutet.

In Xanten übernehmen junge Menschen Verantwortung für ihre Umwelt und ihre Zukunft. In Aachen zeigen einige wenige, wie schnell Gemeinschaft beschädigt werden kann, wenn Rücksicht und Respekt verloren gehen.

Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Botschaften dieser Woche: Es kommt nicht nur darauf an, dass Menschen zusammenkommen. Entscheidend ist auch, was sie daraus machen.

von Christian Voigt, Herausgeber von LokalKlick

20. September 2026
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