(Grafik: LokalKlick)

Rhein-Ruhr. Die Serie LokalTop & LokalFlop der Woche geht in die dritte Runde. Auch diesmal geht es um Geschichten aus Nordrhein-Westfalen, die über den eigentlichen Nachrichtenwert hinaus etwas über unser Zusammenleben, Engagement und den Umgang mit bekannten Problemen erzählen.

Diese Woche verbindet beide Geschichten ein bemerkenswerter Punkt: In beiden Fällen war das Problem längst bekannt. Doch während in Bornheim nach einem öffentlichen Hinweis plötzlich schnell gehandelt wurde, ist in Lohberg eine bereits geplante Sanierung an einem ausgelaufenen Förderzeitraum gescheitert.

🟢 LokalTop: Ein Video bewegt einen Zaun

Eine etwa einen Meter breite Lücke zwischen einer Lärmschutzwand und einer Parkhausmauer in Bornheim führte direkt zu den Bahngleisen. Kinder konnten dort ungehindert auf das Gleis gelangen – eine erhebliche Gefahr angesichts herannahender Züge.

Anfang September machte der in Bornheim aufgewachsene Influencer Sidar Simsik alias „2Siddy“ die Stelle mit einem Video öffentlich. Während er die Gefahr erklärte, rauschte im Hintergrund ein schneller Güterzug vorbei. Das Video wurde tausendfach angesehen.

Auch Bürgermeister Christian Mandt sah das Video und ließ die Lücke unmittelbar durch einen Zaun schließen. Dabei war die Gefahrenstelle der Stadt bereits seit mehreren Jahren bekannt. Eine Anwohnerin, Melissa, berichtete dem WDR, ihr Vater habe sich als Hausmeister mehr als zehn Jahre lang bei der Stadt für einen Schutzzaun eingesetzt. „Warum es liegen geblieben ist, kann ich heute nicht sagen“, erklärte Mandt gegenüber dem WDR.

Aus der Gefahrenstelle wurde anschließend ein kleines Internetphänomen. Rund 30, vor allem junge Fans warteten bei einem Besuch auf 2Siddy, wollten Fotos und Autogramme. Das erfolgreichste Video zur Zaungeschichte erreichte mehr als drei Millionen Aufrufe. Der Bonner Rapper SSIO und weitere Prominente unterstützten den Hype, Menschen hängen Schlösser an den Zaun und zeitweise war „2Siddys Zaun“ sogar bei Google Maps als Sehenswürdigkeit zu finden.

Für die Anwohner ist der Kult um den Zaun allerdings nur Nebensache. Entscheidend ist: Die gefährliche Lücke an den Bahngleisen ist geschlossen.

Damit ist die Geschichte unser LokalTop: Ein Problem, das jahrelang bekannt war, wurde nach einem öffentlichen Hinweis innerhalb kürzester Zeit gelöst.

 

🔴 LokalFlop: Fünf Millionen Euro für Lohberg scheitern an einer Frist

Die Zechenwerkstatt Lohberg in Dinslaken ist ein denkmalgeschütztes Gebäude mit mehr als 100 Jahren Geschichte. Seit 2016 wird die ehemalige Industriehalle von der Freilicht AG ehrenamtlich als Kultur- und Veranstaltungsort genutzt. Mehr als 50 Veranstaltungen finden dort jährlich statt. Für Menschen wie Thomas Goyke, der seine berufliche Laufbahn auf der Zeche Lohberg begann, ist die Werkstatt eng mit der eigenen Geschichte und der Bergbaukultur verbunden.

Jetzt fehlen fünf Millionen Euro für die dringend notwendige Sanierung von Dach und Fassade. 3,5 Millionen Euro sollten vom Land, 1,5 Millionen Euro von der Stadt Dinslaken kommen. Der entsprechende Städtebauförderantrag wurde 2020 gestellt und 2021 bewilligt. Die Maßnahmen mussten jedoch bis Ende 2025 umgesetzt werden beziehungsweise der Förderzeitraum hätte verlängert werden müssen.

Dazu kam es nicht. Steffi Barnscheidt, stellvertretende Geschäftsleiterin der Freilicht AG, erklärte dem WDR, dass weder die Landesmittel weitergeleitet noch die städtischen 30 Prozent wegen des Dinslakener Haushaltsdefizits bewilligt worden seien. Eine Verlängerung des Förderzeitraums wurde 2025 abgelehnt. Damit verfiel die gesamte Förderung mit Ablauf des 31. Dezember 2025.

Während die Finanzierung damit weggefallen ist, engagieren sich die Ehrenamtlichen weiter. Rund zehn Helfer bereiten derzeit alte Ziegelsteine einer Dinslakener Grundschule auf, die für die Sanierung des historischen Mauerwerks verwendet werden sollen. Volker Mercamp gehört zu ihnen. Die Zechenwerkstatt selbst beschreibt sich als künftigen Begegnungs- und Identifikationsort für Lohberg, Dinslaken und die Region.

Bürgermeister Simon Panke, der seit rund einem Jahr im Amt ist, war am 25. September im WDR-Studiogespräch zur Zukunft der Zechenwerkstatt zu Gast. Fest steht: Auf die bisher vorgesehene Förderung kann nicht mehr zurückgegriffen werden. Für die notwendige Sanierung müssen deshalb unter den veränderten finanziellen Rahmenbedingungen neue Lösungen gefunden werden.

Damit ist die Geschichte unser LokalFlop: Nicht weil sich niemand kümmert – im Gegenteil. Sondern weil trotz vorhandener Planung und bewilligter Fördermittel die notwendige Sanierung nicht innerhalb des Förderzeitraums umgesetzt wurde und nun fünf Millionen Euro nicht mehr zur Verfügung stehen.

 

Das Fazit der Woche: Bekanntes Problem – zwei völlig unterschiedliche Ergebnisse

Bornheim und Lohberg haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt. Beide Probleme waren bekannt.

In Bornheim führte ein öffentlichkeitswirksames Video dazu, dass eine gefährliche Lücke an Bahngleisen innerhalb kürzester Zeit geschlossen wurde. In Lohberg verfiel dagegen eine bereits bewilligte Förderung, weil der Förderzeitraum nicht eingehalten beziehungsweise nicht verlängert wurde.

Der Vergleich ist natürlich nicht eins zu eins möglich: Ein Zaun lässt sich nicht mit einer millionenschweren Denkmalsanierung vergleichen. Aber beide Geschichten zeigen, worauf es bei bekannten Problemen ankommt: Erkennen, entscheiden und handeln – und zwar rechtzeitig.

In Bornheim steht heute ein Zaun, der inzwischen Kultstatus besitzt. In Lohberg stehen Ehrenamtliche weiterhin vor der historischen Zechenwerkstatt und versuchen, mit eigenen Händen einen Teil der Bergbaugeschichte und des kulturellen Lebens zu erhalten.

Ein Video hat in Bornheim etwas bewegt. Eine verstrichene Frist bewegt in Lohberg dagegen derzeit vor allem die Frage: Wie geht es jetzt weiter?

von Christian Voigt, Herausgeber von LokalKlick

27. September 2026
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