(Foto: Interkulturelle Projekthelden e.V.)

Neuss. Der 65. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei stand im Mittelpunkt einer Festveranstaltung am 18. September in Düsseldorf. Ministerpräsident Hendrik Wüst würdigte die Lebensleistung der Menschen, die als Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter nach Deutschland kamen und das Land mitprägten. Auf seine persönliche Einladung nahm auch Umut Ali Öksüz, Vorsitzender der Interkulturellen Projekthelden aus Neuss, an dem Festakt teil.

Für Öksüz war es ein Abend mit persönlichem Bezug. Musik, Gespräche und die Erinnerungen der Beteiligten ließen ihn an seine Großeltern und Eltern denken. An Menschen, die ihre Heimat verließen, sich ein neues Leben aufbauten und deren Erfahrungen bis heute in den Familien weiterwirken. Zugleich stellte sich für ihn die Frage, wie diese Geschichten an junge Menschen weitergegeben werden können.

Zu den Begegnungen des Abends gehörten der Journalist und Filmemacher Osman Okkan, die Schauspielerin und Autorin Renan Demirkan sowie Ayşe İrem, Gewinnerin der deutschsprachigen Meisterschaften im Poetry Slam 2025. Ihr Auftritt beeindruckte Öksüz besonders. Die unterschiedlichen persönlichen und künstlerischen Zugänge zu Herkunft, Heimat und Zugehörigkeit lieferten Anregungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Neuss.

„Für uns ist wichtig, nicht nur zurückzuschauen. Viele unserer Kinder und Jugendlichen sind heute die dritte oder vierte Generation. Ihre Großeltern haben Deutschland mit aufgebaut. Die jungen Menschen gestalten heute die Zukunft dieses Landes mit. Deshalb gehören Anerkennung, Teilhabe und gleiche Chancen für uns zusammen“, sagt Öksüz.

Die Interkulturellen Projekthelden wollen diese Gedanken nun in einem eigenen Vorhaben aufgreifen. Für 2027 plant der Verein ein Projekt, das Jugendliche mit Menschen der Gastarbeitergeneration aus Neuss zusammenbringt. Im Mittelpunkt sollen deren Erinnerungen stehen: die Ankunft in Deutschland, die erste Arbeitsstelle, das Familienleben, Erfahrungen mit Ausgrenzung und Freundschaften, die das Ankommen erleichtert haben. Eine erste Idee sind Interviews, die Jugendliche selbst vorbereiten und in persönlichen Porträts festhalten.

Das Vorhaben knüpft an die Bildungsarbeit und den internationalen Jugendaustausch der Projekthelden an. Dort setzt der Verein auf persönliche Begegnungen, um Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu stärken. Beim geplanten Projekt soll dieser Austausch zwischen den Generationen stattfinden. Jugendliche könnten dabei erfahren, welche Geschichten hinter vertrauten Menschen und Orten in ihrer eigenen Stadt stehen.

Die in Düsseldorf gewonnenen Kontakte möchte der Verein nutzen, um die Idee weiterzuentwickeln und mögliche Mitwirkende anzusprechen. Die konkrete Ausgestaltung befindet sich noch in der Planung. Entscheidend ist für Öksüz, dass die Menschen ihre Geschichte selbst erzählen können und junge Menschen Gelegenheit bekommen, zuzuhören und nachzufragen. „Unsere Geschichte verbindet uns. Unsere Zukunft gestalten wir gemeinsam“, sagt Umut Ali Öksüz.

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