
Xanten. Rund 1.100 Hüft- und Knieprothesenversorgungen erwartet das Sankt Josef-Hospital Xanten für das Jahr 2026, auch in Folge der in diesen Leistungsbereichen seit Jahresbeginn umgesetzten Krankenhausplanung, die mit entsprechenden Patientenbewegungen in diesem Jahr einhergeht. Die Entwicklung nimmt das Krankenhaus zum Anlass, auf eine Frage hinzuweisen, die viele Menschen mit fortgeschrittener Kniearthrose beschäftigt: Wie viel Gelenkersatz ist tatsächlich notwendig?
Nicht immer müssen beide Seiten des Kniegelenks mit einer Prothese versorgt werden. Ist der Verschleiß auf einen einzelnen Gelenkabschnitt begrenzt, kann eine Teilprothese eine geeignete Alternative sein. Dabei werden gesunde Strukturen weitgehend erhalten.
„Hinter jeder Operation steht ein Mensch, der im Alltag wieder besser zurechtkommen möchte“, sagt Dr. Olaf Nosseir, Chefarzt der Chirurgie, Orthopädie und Unfallchirurgie. „Die erwartete Jahresleistung ist für unser Haus eine wichtige Entwicklung. Für die einzelne Behandlungsentscheidung zählt aber nicht die Zahl der Eingriffe, sondern welche Versorgung zum Befund und zu den Bedürfnissen des Patienten passt.“
Gezielt ersetzen, gesunde Strukturen erhalten
Bei einer Arthrose wird die schützende Knorpelschicht im Gelenk zunehmend geschädigt. Schmerzen, Steifigkeit und Bewegungseinschränkungen können die Folge sein. Im Knie betrifft der Verschleiß jedoch nicht zwangsläufig alle Bereiche gleichermaßen. Das Gelenk besitzt einen inneren und einen äußeren Abschnitt zwischen Ober- und Unterschenkel sowie einen weiteren Gelenkabschnitt zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen.
Eine sogenannte Schlittenprothese ersetzt die geschädigten Gelenkoberflächen auf der Innen- oder Außenseite des Knies. Zwischen den Implantatkomponenten ermöglicht eine Kunststoffgleitfläche die Bewegung. Geeignete, nicht betroffene Gelenkabschnitte und wichtige natürliche Bandstrukturen bleiben erhalten.
Bei einer Knievollprothese werden dagegen die Gelenkoberflächen auf beiden Seiten zwischen Ober- und Unterschenkel ersetzt. Ob zusätzlich die Rückfläche der Kniescheibe versorgt wird, wird individuell entschieden.
Im EndoProthetikZentrum des Sankt Josef-Hospitals verfügen Chefarzt Dr. Olaf Nosseir und sein Ärzteteam über langjährige Erfahrung in der Knieendoprothetik, insbesondere auch bei der Versorgung mit Teilprothesen. Damit steht das Verfahren im Haus auf einer breiten operativen Basis.
„Die Schlittenprothese ist keine verkleinerte Vollprothese“, erläutert Nosseir. „Wir behandeln einen klar begrenzten Schaden und erhalten Strukturen, die noch gut funktionieren. Entscheidend ist deshalb, das gesamte Knie zu beurteilen – nicht nur die Stelle, an der es schmerzt.“
Unterschiede können in der frühen Erholung spürbar sein
Beim Teilersatz muss in der Regel weniger Knochen entfernt werden als bei einer Vollprothese. Die erhaltenen Bandstrukturen tragen weiterhin zur natürlichen Führung des Gelenks bei. Bei geeigneten Patientinnen und Patienten kann dies insbesondere in der frühen Phase nach der Operation Vorteile für die funktionelle Erholung haben. Manche Patienten beschreiben zudem ein natürlicheres Bewegungsgefühl.
Im Alltag können sich solche Unterschiede beispielsweise beim Aufstehen, Gehen oder Treppensteigen bemerkbar machen. Ziel beider Verfahren ist es, Schmerzen zu verringern und Beweglichkeit sowie Selbstständigkeit zu verbessern. Ein beschwerdefreies Knie oder eine bestimmte Geschwindigkeit der Genesung lassen sich jedoch mit keinem Verfahren garantieren.
„Ein kleineres Implantat bedeutet nicht automatisch eine einfachere Operation“, betont Nosseir. „Es muss präzise zur Anatomie passen und mit den erhaltenen Gelenkanteilen zusammenarbeiten. Deshalb sind die sorgfältige Auswahl der Patienten und die genaue Positionierung besonders wichtig.“
Die Nachbehandlung unterstützt den Weg zurück in den Alltag
Mit der Operation allein ist die Behandlung nicht abgeschlossen. Eine auf den individuellen Heilungsverlauf abgestimmte Physiotherapie unterstützt dabei, Beweglichkeit zurückzugewinnen, Muskulatur aufzubauen und wieder Sicherheit beim Gehen zu entwickeln. Das Sankt Josef-Hospital arbeitet hierbei mit seinem Kooperationspartner XanaVita zusammen.
„Aus therapeutischer Sicht erleben wir bei geeigneten Patientinnen und Patienten nach einer Teilprothese häufig, dass sie früh wieder mobil werden und vergleichsweise schnell Sicherheit beim Gehen gewinnen“, sagt Lea Sommerfeld, Physiotherapeutin im XanaVita-Therapieteam. „Das ist aber kein Automatismus. Entscheidend ist, die Belastung an den individuellen Heilungsverlauf anzupassen und Beweglichkeit, Kraft und Vertrauen Schritt für Schritt aufzubauen.“
Wie rasch Fortschritte möglich sind, hängt unter anderem vom allgemeinen Gesundheitszustand, der Muskelkraft vor der Operation und vom individuellen Heilungsverlauf ab. Auch nach einer Teilprothese benötigt die Genesung Zeit. Belastungssteigerungen und Übungen werden deshalb mit dem behandelnden Team abgestimmt.
Nicht das Röntgenbild allein entscheidet
Vor der Wahl des Implantats steht zunächst die Frage, ob eine Operation überhaupt erforderlich ist. Bewegungstherapie, Muskelkräftigung, eine angepasste Schmerzbehandlung und gegebenenfalls eine Gewichtsreduktion können Beschwerden lindern. Eine Prothese kommt insbesondere dann infrage, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend helfen und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigt ist.
Ob ein Teilersatz geeignet ist, wird anhand der Beschwerden, der körperlichen Untersuchung und bildgebender Befunde beurteilt. Berücksichtigt werden unter anderem die Verteilung des Gelenkverschleißes, die Stabilität der Bänder, die Beweglichkeit und die Beinachse. Ausgeprägte, nicht ausreichend korrigierbare Fehlstellungen, relevante Bandschäden oder bestimmte entzündliche Gelenkerkrankungen können gegen eine Schlittenprothese sprechen.
„Wir operieren kein Röntgenbild“, sagt Nosseir. „Uns interessiert, wie stark die Beschwerden den Menschen tatsächlich einschränken, was bisher geholfen hat und welche Erwartungen bestehen. Daraus ergibt sich gemeinsam mit den Untersuchungsbefunden eine tragfähige Entscheidung.“
Auch die langfristige Perspektive zählt
Eine Teilprothese schützt die erhaltenen Gelenkabschnitte nicht vor einem möglichen späteren Verschleiß. Schreitet die Arthrose dort fort oder lockert sich das Implantat, kann eine weitere Operation notwendig werden. Registerauswertungen zeigen für Teilprothesen insgesamt höhere Wechselraten als für Knievollprothesen. Zugleich weisen Daten darauf hin, dass die Erfahrung mit dem Verfahren Einfluss auf die Ergebnisse haben kann.
Auch allgemeine Operationsrisiken wie Infektionen, Thrombosen oder anhaltende Beschwerden gehören zur Aufklärung. Mögliche Vorteile in der frühen Erholungsphase sind deshalb nur ein Teil der individuellen Abwägung.
„Eine Teilprothese ist nicht für jedes Knie die bessere Lösung“, erklärt Nosseir. „Wenn der Befund dagegenspricht, empfehlen wir eine andere Versorgung. Zur ehrlichen Beratung gehört auch, über mögliche Grenzen des Verfahrens und spätere Eingriffe zu sprechen.“
Für das EndoProthetikZentrum in Xanten steht deshalb die nachvollziehbare, individuell begründete Entscheidung im Mittelpunkt.
„Patientinnen und Patienten sollen verstehen, warum wir ein bestimmtes Vorgehen empfehlen“, fasst Nosseir zusammen. „Unser Ziel ist eine Behandlung, die den medizinischen Befund und die persönliche Situation zusammenführt – mit realistischen Erwartungen an die Zeit nach der Operation.“
EndoFIT: Informationen zur Vorbereitung auf die Operation
Das Sankt Josef-Hospital bietet jeweils am ersten Donnerstag eines Monats um 17 Uhr eine EndoFIT-Informationsveranstaltung an. Sie findet in der Tagesklinik des Sankt Josef-Hospitals Xanten statt. Das Physiotherapie-Team informiert über die Vorbereitung auf eine geplante Hüft- oder Knieoperation, geeignete Übungen, Muskelaufbau, Ernährung und den Ablauf der Behandlung.
Bei jedem Termin ist zudem ein Arzt anwesend. Die Teilnehmenden können daher auch grundsätzliche medizinische Fragen stellen – beispielsweise zu den unterschiedlichen Formen des Gelenkersatzes oder dazu, unter welchen Voraussetzungen eine Schlittenprothese als Teilersatz des Kniegelenks infrage kommen kann.
Die Teilnahme ist kostenfrei; eine vorherige Anmeldung ist erforderlich. Angehörige können ebenfalls teilnehmen. Eine ärztliche Überweisung wird nicht benötigt.






















