
Viersen. Im Zwei-Jahres-Rhythmus lädt der Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie, Prof. Dr. Nicolas von Beckerath, zum Viersener Kardiologie Symposium ein, nun zum zehnten Mal. Die Fachkolleginnen und -kollegen erwartete in der Cafeteria des AKH ein kompaktes Programm mit neun Vorträgen in zwei Sitzungen: Im Fokus standen neue interventionelle Methoden zur Behandlung der koronaren Herzerkrankung und der arteriellen Verschlusskrankheit sowie im zweiten Block neueste Schrittmachersysteme und ein Verfahren zum Verschluss des linken Vorhofohrs (LAA).
„Die Herzkreislaufmedizin entwickelt sich kontinuierlich weiter“, sagt Prof. von Beckerath. So sei es Ziel des Symposiums, regelmäßig über den aktuellen Stand der Entwicklung zu informieren. Hochrangige, regional und überregional bekannte Experten konnten als Referenten gewonnen werden. Nach einer kurzen Einführung durch Prof. von Beckerath wechselten im 20-Minuten-Takt die Themen und Sprecher, das Fachpublikum nutzte rege nach jedem Vortrag die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Dr. Caspar Burkhard-Meier von der Kardiologischen Gemeinschaftspraxis Viersen, Mitveranstalter des Symposiums, war einer der Moderatoren des Programms.
Dr. Thomas Schmitz vom Elisabeth-Krankenhaus Essen sprach über interventionelle Therapieverfahren für verkalkte Koronararterienstenosen, krankhafte Verengungen der Herzkranzgefäße. „Je nach Diagnose wählen wir das Werkzeug aus“, sagte der Experte. Um einen Stent setzen zu können, muss der Kalk zunächst entfernt oder zertrümmert werden, entweder mittels der Rotablation – verkalkte Engstellen werden mithilfe eines ultraschnellen, diamantbeschichteten Mikrobohrers aufgefräst – oder mit der sogenannten intravaskulären Lithotripsie (IVL). Bei der IVL wird ein spezieller Ballonkatheter an die betreffende Stelle vorgeschoben, dieser wird mit Flüssigkeit gefüllt und aktiviert, sodass er kontrolliert hochenergetische Schall- bzw. Stoßwellen abgibt und den Kalk schonend zertrümmert. Studien hätten gezeigt, dass beide Verfahren effektiv sind. In manchen Fällen könnten beide Therapieansätze auch kombiniert werden. Auch in weiteren Vorträgen betonten die Referenten, dass verschiedene Verfahren nicht miteinander konkurrieren, sondern ergänzend eingesetzt werden. Ein entscheidender Faktor, um der Verkalkung von Gefäßen vorzubeugen, bleibt die Lipidsenkertherapie, das heißt das Absenken der Blutfettwerte. Je höher das Risiko sei, an einem kardiovaskulären Ereignis zu erkranken, desto niedriger müssten die Werte sein. Eine medikamentöse Therapie sei hier der Goldstandard, erklärte Lea Weiland vom MVZ DaVita Viersen.
Oberarzt Rostom Gortamashvili aus dem AKH stellte ein Therapieverfahren vor, das seit einigen Monaten erfolgreich bei Patienten mit Vorhofflimmern im AKH angewendet wird: den sogenannten LAA-Okkluder. Im linken Vorhofohr (LAA) setzen sich bei Vorhofflimmern 90 Prozent aller Blutgerinnsel ab, die einen Schlaganfall auslösen können. Der LAA-Okkluder verhindert die Verschleppung von Thromben aus dem linken Vorhofohr und reduziert das Risiko sehr effektiv. Standardmäßig erfolgt bei fast allen Patienten mit Vorhofflimmern die Vorsorge mit blutverdünnenden Medikamenten. Aber nicht alle Patienten könnten diese dauerhaft einnehmen, z.B. wenn bereits Blutungen unter einer Therapie zur Blutverdünnung (Antikoagulationstherapie) bei Vorhofflimmern aufgetreten sind. „Der LAA-Okkluder bietet hier eine effektive Alternative. Der Eingriff erfolgt schonend, minimal-invasiv, und wird unter bildgebender Kontrolle durchgeführt“, so Gortamashvili.
Eine Industrieausstellung ergänzte das Vortagsangebot und zeigte die medizinischen Produkte, die in den Vorträgen vorgestellt wurden. Prof. von Beckerath zeigte sich nach der Veranstaltung sehr zufrieden: „Das Niveau der Vorträge und der anschließenden Diskussionen war hervorragend.“


















