Sumatra-Tiger Leopold verlässt den Krefelder Zoo. (Foto: Zoo Krefeld, Vera Gorissen)

Krefeld. Nach mehr als fünf Jahren heißt es im Zoo Krefeld Abschied nehmen von Sumatra-Tiger Leopold. Der siebenjährige Kater hat Krefeld verlassen und wird in den Zoo Brünn nach Tschechien ziehen. Der Wechsel erfolgt auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms und hat für die weitere Zucht der hochbedrohten Sumatra-Tiger eine besondere Bedeutung. Im Zoo Brünn wird die Zucht der Sumatra-Tiger derzeit neu aufgebaut. Eine besondere Rolle spielt dabei ein Austausch mit Indonesien. Ein Tigerpaar, ein Kater und eine Katze, wird aus einem indonesischen Zoo nach Brünn kommen. Während der Kater anschließend in einen anderen europäischen Zoo weiterziehen wird, bleibt die Katze in Brünn. Leopold wurde vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm als zukünftiger Zuchtpartner für sie ausgewählt.

Bei dieser Entscheidung spielt neben seiner Abstammung vor allem Leopold selbst eine wichtige Rolle. Der siebenjährige Kater passt vom Alter gut zu der neuen Katze, hat bereits erfolgreich für Nachwuchs gesorgt und Erfahrung im Umgang mit anderen Tigern. Leopold gilt als ausgesprochen entspannter und umgänglicher Kater und hat sich auch bei der Zusammenführung mit Mau im Krefelder Zoo als gut kompatibler Partner erwiesen. Damit bringt er sehr gute Voraussetzungen für den Aufbau des neuen Zuchtpaares in Brünn mit.

Artenschutz bedeutet auch Abschied nehmen

Gerade bei einer Tierart mit einer kleinen Population in Menschenhand ist die genetische Vielfalt von großer Bedeutung. Welche Tiger miteinander für Nachwuchs sorgen sollen, entscheiden deshalb nicht die einzelnen Zoos. Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm koordiniert die Population und berücksichtigt dabei neben der Abstammung und Verwandtschaft der Tiere auch weitere Faktoren für die Zusammenstellung geeigneter Zuchtpaare. Manchmal bedeutet Artenschutz deshalb auch Abschied nehmen und ein Tier an einen anderen Zoo abzugeben.

Leopold kam Anfang 2021 aus dem Naturzoo Rheine nach Krefeld. Der damals zweijährige Kater war vom Europäischen Erhaltungszuchtprogramm als Partner für Tigerkatze Mau ausgewählt worden. Bis aus den beiden tatsächlich ein erfolgreiches Zuchtpaar wurde, brauchten die Tierpfleger allerdings einen langen Atem. Mau zeigte sich bei den ersten Begegnungen eher abweisend und auch der junge Leopold musste zunächst lernen, wie man sich erfolgreich paart. Im November 2022 war es dann soweit: Mau brachte den ersten gemeinsamen Nachwuchs zur Welt. Zwei Jungtiere, Bari und Dao, wurden erfolgreich aufgezogen und haben Krefeld mittlerweile verlassen. Im Juni dieses Jahres folgte der zweite Wurf. Von drei geborenen Jungtieren entwickelt sich ein junger Kater gut und wird derzeit von Mau aufgezogen.

Der Sumatra-Tiger gilt als akut vom Aussterben bedroht

Nach zwei Würfen endet damit die gemeinsame Zeit von Mau und Leopold in Krefeld. Dass Leopold den Zoo verlässt, bedeutet allerdings nicht, dass seine Aufgabe als Zuchtkater erfüllt ist, ganz im Gegenteil. Auch in Brünn soll der bereits zweimal erfolgreiche Kater weiter zum Erhalt der Sumatra-Tiger beitragen. Seinen Tierpflegern wird Leopold dabei nicht nur als erfolgreicher Zuchtkater in Erinnerung bleiben. Über die intensive tägliche Arbeit ist eine besondere Beziehung zu ihm entstanden. Und er hat eine ungewöhnliche Vorliebe: Curry. Verstreuen seine Tierpfleger etwas von dem Gewürz auf der Anlage, wird es von Leopold ausgiebig abgeleckt oder er wälzt sich gleich darin.

Tiger sind in der Natur stark bedroht. Der Sumatra-Tiger gilt als akut vom Aussterben bedroht. Im Zoo Krefeld lebt mit ihm die kleinste Unterart der gestreiften Großkatze. Auf Sumatra ist ihre Anzahl durch Lebensraumverlust, beispielsweise durch Palmölplantagen, und Bejagung auf nur noch wenige hundert Tiere zusammengeschmolzen. Die Nachzucht der hoch bedrohten Sumatra-Tiger in Zoos im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms ist für die Schaffung einer Reservepopulation ein wichtiger Schritt zum Überleben der Tiger. Dabei geht es nicht nur darum, möglichst viele Jungtiere zu züchten. Entscheidend ist, eine genetisch vielfältige und langfristig stabile Population zu erhalten. Der Austausch von Tieren zwischen den Zoos und in diesem Fall sogar mit Indonesien ist dafür von besonderer Bedeutung.

Internationale Zusammenarbeit von Zoos und Artenschutzorganisationen

Zoos helfen dem Überleben dieser Art aber nicht nur durch den Aufbau einer Reservepopulation, sondern sind auch aktiv in den Artenschutz vor Ort involviert. Die „WildCats Conservation Alliance“ unterstützt und finanziert zahlreiche Schutzmaßnahmen für Tiger in ihren natürlichen Lebensräumen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Sumatra. Ein großer Teil der finanziellen Unterstützung für die Arbeit der Organisation stammt von Zoos. Auch der Zoo Krefeld unterstützte jahrelang ein Projekt zum Schutz der Sumatra-Tiger im Kerinci-Seblat-Nationalpark finanziell. Wie diese Beispiele zeigen, findet die Zusammenarbeit der Zoos untereinander und mit Artenschutzorganisationen längst international statt. Leopold ist dafür ein gutes Beispiel: von Rheine über Krefeld nach Brünn leistet er mit seiner genetischen Linie einen weiteren Beitrag zum Erhalt der Sumatra-Tiger.

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