Krefeld. Wind zieht durch die Ritzen der Fenster des alten Turnsaals im zweiten Obergeschoss der Feuerwache an der Florastraße. Hier haben sich die Feuerwehrleute jahrelang an Sportgeräten fit gehalten. „Bei aller Vorfreude auf den Neubau hat dieser Raum einen gewissen Kultstatus, den wir vermissen werden, wenn es dann rüber geht“, sagt Kai Günther. Der stellvertretende Leiter der Krefelder Berufsfeuerwehr hat ereignisreiche Wochen vor sich. Schließlich steht bis zum März der Umzug in die neue Hauptfeuerwache an der Neuen Ritterstraße an.

Entstanden ist die Krefelder Berufsfeuerwehr 1890, bis dahin gab es in der Stadt lediglich eine freiwillige Feuerwehr. Der Einsturz eines Hauses mit 26 Toten änderte aber die Situation. Die Wehr hatte ab 1874 ein Spritzenhaus an der Geldernschen Straße, 1891 wurde die neue Feuerwache am Westwall 118 bezogen und im Juni 1909 schließlich die neue Hauptfeuerwache an der Florastraße. Das Gebäude war unter der Leitung des Stadtbaumeisters Bollert nach Plänen des Architekten Scholze im Jugendstil gebaut worden und galt als eine der besten Feuerwachen in ganz Preußen. Dazu trug auch die, einst in der hintersten Hofecke in einem separaten Gebäude untergebrachte, „Desinfektionsanstalt“ mit bei. Krefeld war dadurch in der Lage, Seuchen schnell zu begegnen. „Seit Jahren ist diese Wache aber nicht mehr auf Höhe der Zeit“, hatte der ehemalige Feuerwehrchef Josef Dohmen deutlich gemacht und auf die baulichen Hindernisse hingewiesen. Immer wieder mussten sich die Mitarbeiter neuen Herausforderungen stellen und diese meistern. Dass die neuen und größeren Lösch-Fahrzeuge schon lange die Außenspiegel einklappen müssen, wenn sie zum Einsatz aus der einst hochmodernen Wagenhalle durch die vier spitzbogigen, und damit neugotischen, Torbögen hinaus auf die Florastraße fahren, ist ein Handicap. Schließlich wurden die Ein- und Ausfahrten damals für Pferdefuhrwerke gebaut. Wer konnte 1909 schon ahnen, dass die Wache noch mehr als hundert Jahre nach ihrem Bau im ursprünglichen Gewand funktionieren soll? Neben der großen Wagenhalle sind mittlerweile auch das ehemalige Gerätehaus, in dem der Pferdestall, eine Schmiede und eine Schreinerwerkstatt untergebracht waren, und der 20 Meter hohe Turm in die Denkmalliste aufgenommen.

Die Pläne einer neuen Wache weiter vorangetrieben hat auch ein Starkregen 2009. Aus einem Loch in der Kellerwand drang damals das Regenwasser in das Gebäude ein und hätte beinahe die „Unterbrechungsfreie Stromversorgung“ zerstört, damit den Betrieb der Wache und daraus resultierend auch das Feuerwehr- und Rettungssystem in Krefeld behindert. „Dieser Umstand hat wohl zu der Erkenntnis geführt, dass es hier nicht mehr weitergehen kann“, so Günther.

Der Turnsaal mit seinen holzvertäfelten Wänden, dem Parkett, den zwei Rutschschächten und der meterhohen Decke ist ein Zeugnis der damaligen Bauart. Viele verschachtelte Gänge und Flure durchziehen das Gebäude und seine Anbauten und erinnern an frühere Zeiten, in denen der Chef der Feuerwehr noch vor Ort, im rechten Flügel, wohnte und die Dienstränge noch darüber entschieden, wer sich in welchem Aufenthaltsraum aufzuhalten hatte.

Konkrete Pläne, wie es mit der alten Wache nach dem Umzug weitergehen soll, gibt es noch nicht. „Wir werden für die 6025 Quadratmeter große Fläche einen städtebaulichen Wettbewerb ausschreiben und wollen im Anschluss auch einen neuen Bebauungsplan“, sagt Planungsdezernent Martin Linne. Er kann sich eine Misch-Nutzung aus Wohnen und Büros vorstellen.

 

Ein Bild der Wache aus 1912 (Foto: Stadt Krefeld, Stadtarchiv)
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