Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute (Foto: HELIOS)
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Duisburg. Zur besseren Versorgung von wiederbelebten Patienten arbeiten im neuen Cardiac Arrest Center am Helios Standort St. Johannes verschiedene Spezialisten eng zusammen.

Bei einem Herzstillstand zählt jede Minute, auch nachdem sich ein Patient schon in der Klinik befindet. Denn selbst wenn die Ärzte das Herz wieder zum Leben erwecken können, verursacht der vorher entstandene Sauerstoffmangel auch nachträglich meist noch schwere Schäden im Gehirn. Experten schätzen sogar, dass von den etwa 75 000 Patienten, die insgesamt jährlich wiederbelebt werden, nur rund 5000 den Herzstillstand überhaupt überleben. Um diese Quote deutlich zu erhöhen, fordern die Berufsverbände und Fachgesellschaften der Anästhesisten und Intensivmediziner schon länger eine zunehmende Spezialisierung von Kliniken in sogenannten Cardiac Arrest Centern (CAC). Voraussetzung dafür sind bestimmte Fachabteilungen und Verfahren, wie etwa die Möglichkeit zur professionellen Kühlung der Körpertemperatur, um die Folgen für das Gehirn zu minimieren.

Auch die Helios St. Johannes Klinik in Duisburg Alt-Hamborn hält diese Bedingung vor, dazu ein rund um die Uhr einsatzbereites Herzkatheterlabor und seit kurzem – mit der Etablierung eines neurologischen Schwerpunktes – auch alle für das Cardiac Arrest Center notwendigen Fachabteilungen. Neben der Kardi- und Neurologie arbeiten die Teams der Notfallambulanz, der Intensivmedizin, der Radiologie sowie der Anästhesie zusammen und bilden so bei jedem Reanimationspatienten eine eng abgestimmte Rettungskette. Einmal im Monat werden die dazugehörenden Ärzte und Pfleger zudem speziell geschult, auch realitätsnahe Schockraumübungen sind ein Teil der Fortbildungen. Denn wenn ein Rettungswagen das Krankenhaus erreicht, beginnt der Wettlauf gegen die Zeit von neuem und jeder Handgriff muss sitzen. „Nur wer regelmäßig übt, ist darauf optimal und mit der notwendigen Routine vorbereitet“, erklärt Peter Schilling, Koordinator des Schockraums und Schulungsleiter am Helios Klinikum Duisburg.

Verlief die Reanimation in der Notaufnahme erfolgreich, wird der Patient auf die Intensivstation verlegt. „Dort haben wir die Möglichkeit, den Patienten herunter zu kühlen, um das Hirn vor weiteren Schädigungen zu bewahren“, so Schilling. Denn bei der sogenannten Hypothermie wird die Körperkerntemperatur für 24 Stunden deutlich auf 32 bis 34 Grad gesenkt. Dadurch verlangsamen sich etwa Herzfrequenz und Stoffwechsel, Nervenzellen sterben weniger schnell ab und der Sauerstoffbedarf des Gehirns sinkt. Die Chancen, dass der Patient ohne gravierende Hirnschäden aus dem Koma erwacht, erhöhen sich um ein Vielfaches.

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