Der Ausflug in die Landesgartenschau nach Kamp-Lintfort war eine schöne Abwechslung für den Naturfreund Ulrich Ernenputsch – mit Maske und begleitet von Schwester Astrid Mühlenhaus. Schwester Tanja Fehmer hat fotografiert (Foto: Hospiz am Blumenplatz / Tanja Fehmer)
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Krefeld/Kamp-Lintfort. Die Arbeit im Garten und der Aufenthalt in der Natur waren für ihn immer der Ausgleich für seinen anstrengenden Beruf als Redakteur für eine große regionale Tageszeitung und auch jetzt hält sich Ulrich Ernenputsch am liebsten draußen auf – in dem neu gestalteten Garten des Hospiz am Blumenplatz.

Im Hospiz verbringt der 69-Jährige seinen letzten Lebensabschnitt – und diese Situation hat sich unerwartet ergeben: Seine fortschreitende Krebserkrankung hatte selbst eine zeitweilige Rückkehr von der Palliativ-Station des Helios Klinikum Krefeld in die eigenen vier Wände unmöglich gemacht: Der schlanke Mann mit den aufmerksamen Augen bleibt auf einen Rollstuhl angewiesen. „Die Entscheidung ins Hospiz zu gehen und die Tatsache, dass ich einen Platz bekommen konnte, war ein riesengroßer Glücksfall. Ich bin ja nicht der einzige Patient in einer ausweglosen Lage, der einen Platz sucht“, meint Ulrich Ernenputsch, der jetzt etwas über zwei Wochen dort Gast ist. Sein Zimmer hat er sich behaglich eingerichtet – mit Laptop und Internet-Zugang, Büchern und Keramikobjekten. Der begeisterte Fotograf hat aus seinen Bildern mehrere Foto-Bücher erstellt, er hört gerne Musik und schaut Naturfilme. Außerdem ist die tägliche Zeitungslektüre eine wichtige Informationsquelle. Wichtig sind ihm die Besuche seines Bruders – auch wenn diese in den vergangenen Tagen wegen der Corona-Schutzmaßnahmen immer zeitlich beschränkt sein mussten.

Vor einigen Tagen gab es für ihn noch eine ganz andere Abwechslung: Der Naturfreund unternahm mit den Schwestern Tanja Fehmer und Astrid Mühlenhaus einen ganztägigen Ausflug zur Landesgartenschau nach Kamp-Lintfort. „Die Anregung kam von der Hospiz-Psychologin Petra Evertz. Sie wusste, dass ich gerne in der Natur bin und hatte das vorgeschlagen“, berichtet Ernenputsch. Die Umsetzung war in Corona-Zeiten schwierig, aber Hospizleiter Alexander Henes und Florian Hahn (Sozialdienst) kümmerten sich um die notwendigen Genehmigungen und organisierten die notwendige Begleitung durch die Pflege. Das Unternehmen Rhein Ruhr Impuls stellte kostenlos einen Rollstuhl-geeigneten Caddy zur Verfügung und dann fuhr das Trio los. Den Niederrhein rund um Kamp-Lintfort und Moers kennt der Journalist noch aus mehr als 30 Jahren beruflicher Tätigkeit – und dabei auch den Rückgang der Kohleförderung. „Besonders interessiert hat mich die Umwandlung des alten Zechengeländes. Früher habe ich den Abbruch verfolgt, aber den Aufbau konnte man nicht genau sehen“, erzählt er. Das Ergebnis jetzt mit eigenen Augen sehen zu können, sei sehr schön gewesen: „Die Landesgartenschau liefert viele Anregungen mit den unterschiedlichen Gartenformen – Wassergärten, Schreber- oder Wildgärten.“ Besonders fasziniert hat den aufmerksamen Beobachter der Themengarten „auf den 2. Blick“, der unter anderem mit Drehfenstern aus einer alten Ziegelei gestaltet wurde, um zu zeigen, wie ein nachhaltiger Umgang mit Materialien in der Gartengestaltung möglich ist. „Wir hatten zusammen einen tollen Tag, der mit einem sehr leckeren Essen am Kamper Berg ausklang, und waren bis 17 Uhr unterwegs“, berichten Ulrich Ernenputsch und Tanja Fehmer.

Hospizleiter Alexander Henes ist froh, dass sein Gast einen so schönen Tag erleben konnte. „Wir bemühen uns immer festzustellen, wie wir unseren Gästen schöne Momente schenken können – sei es ein Ausflug, ein letzter Besuch im eigenen Schrebergarten oder auch vor Corona in einer Musical-Show. Um das umsetzen zu können, sind wir auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen“, sagt er. Auch ergänzende pflegende und psychologische Angebote werden aus Spenden finanziert. Denn es gehe darum jedem einzelnen Gast unabhängig von dessen finanziellen Möglichkeiten die letzten Tage so gut wie möglich zu gestalten.

Ulrich Ernenputsch ist noch etwas wichtig: Er wolle ausdrücklich sagen, dass der Gedanke, ins Hospiz zu gehen, nicht mit Ängsten oder Sorgen verbunden sein sollte: „Man merkt das Miteinander und die Harmonie unter den Pflegekräften. Es ist schön, wenn man auf der Schlussgeraden des Lebens gut aufgehoben ist.“

InfoKlick: www.hospiz-krefeld.de

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