Ein strahlendes Lächeln zum 100. Geburtstag: Gertrud Reifgens mit Petra Möllecken, Leiterin des Paulus-Stifts in Viersen (Foto: Caritas)
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Viersen. Ihren 100. Geburtstag feierte am Sonntag, 7. Februar 2021, die Viersenerin Gertrud Reifgens – nach einer überstandenen Corona-Infektion. Keine 24 Stunden vor ihrem großen Tag war sie im Paulus-Stift geimpft worden.

Mit einer großen „100“ hatten die Mitarbeitenden des Paulus-Stifts den Wohnbereich geschmückt, auf dem Gertrud Reifgens lebt. Darüber freute sich die Seniorin ebenso wie über die vielen Blumen, Glückwünsche und das Ständchen der Pflegekräfte – auch wenn es wegen Corona keine große Feier geben konnte. Aber ein Gläschen Sekt gönnte sie sich. Seit viereinhalb Jahren lebt sie im Paulus-Stift des Caritasverbandes. „Wir gratulieren herzlich und sind sehr froh, dass sie bei uns ist“, sagen die Caritas-Vorstände Peter Babinetz und Christian Schrödter.

Gertrud Reifgens ist ein „Viersener Mädchen“, wie sie sich selbst nennt. Sie wuchs mit zwei älteren Schwestern auf, nachdem ihr Zwillingsbruder kurz nach der Geburt gestorben war. Der Arzt habe damals zu ihrer Mutter Karoline gesagt: „Machen Sie sich keine Hoffnung. Das Mädchen bekommen Sie nicht durch.“ Als Gertrud Reifgens die Geschichte erzählt, lacht sie ihr ansteckendes Lachen und fügt hinzu: „Und jetzt bin ich hundert!“

Die Freude über ihren Geburtstag kann auch Corona nicht schmälern. „Sicher ist diese Pandemie-Zeit schlimm für viele, die darunter leiden. Aber ich nehme es, wie es kommt. Ich kann mich gut mit allem abfinden, bin gerne für mich und kann mich wunderbar beschäftigen“, erklärt Gertrud Reifgens. Mit einer Mitbewohnerin spielt sie Karten oder Mensch-ärgere-dich-nicht, und am allerliebsten löst sie Rätsel. Vor kurzem überstand sie eine Infektion mit dem Coronavirus. Am Samstag ließ sie sich impfen – wie viele andere Bewohner und Mitarbeitende des Paulus-Stifts ebenfalls. Experten empfehlen seit neuestem die Impfung auch für Menschen, die bereits positiv auf Corona getestet waren.

Mit 14 schloss „Trudi“, wie sie alle nennen, die Volksschule ab und erhielt eine Stelle in der Schokoladenfabrik von Kaiser’s an der Goetersstraße. Und weil sie klug, fleißig und hilfsbereit war, wurde sie bald befördert und arbeitete mit dem Lochkartensystem des Amerikaners Herman Hollerith, einem Verfahren zur Datenerfassung. Nach Stationen im Statistischen Landesamt in Düsseldorf und bei Mannesmann leitete sie bei Kaisers’s später das Rechenzentrum mit zwölf Mitarbeiterinnen. „Leider litt ich sehr an Migräne, deshalb bin ich mit 58 Jahren in Rente gegangen“, sagt sie.

Mit ihren beiden Schwestern Christine und Therese lebte Gertrud Reifgens 40 Jahre lang in einem Haus an der Remigiusstraße. „Wir haben uns wunderbar verstanden. Keine von uns hat je geheiratet“, erzählt sie. Alle drei engagierten sich ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde, schon während des Krieges packten sie mit an, halfen anderen Menschen, räumten Trümmer weg. Christine starb 1994 mit 80 Jahren, Therese 2012 – sie wurde 101 Jahre alt.

Musik hat Trudi Reifgens immer sehr gemocht. Als Kind ging sie für Nachbarn einkaufen, sparte die fünf oder zehn Pfennig, die sie dafür bekam, und kaufte sich später von diesem Geld eine Mundharmonika. Im Ruhestand erfüllte sie sich einen Kindheitswunsch und lernte Klavier spielen – und zwar so gut, dass sie in ihrem Urlaubsort Roßhaupten im Allgäu die Organistin der Kirchengemeinde vertrat. Leider sitzt sie nach einem Eingriff am Rücken vor einigen Jahren im Rollstuhl und kann die Pedale am Klavier nicht mehr treten. Und die Mundharmonika? „Die habe ich vor einiger Zeit einem Mitbewohner hier im Paulus-Stift geschenkt“, erzählt sie.

Gertrud Reifgens ist gerne in der Stadt, natürlich kennt sie in Viersen „Gott und die Welt“. Sehr verbunden war sie mit dem Pfarrer Wilhelm Dahmen, der ebenfalls im Paulus-Stift lebte und im vergangenen Monat mit 68 Jahren verstarb. Sie trauert um ihn. Dennoch sagt sie: „Ich bin so zufrieden hier, die Mitarbeiter, die Pflege, das Essen – das ist alles prima!“ Und was wünscht sie sich zu ihrem Geburtstag? „Gesundheit, und dass ich noch ein paar Jährchen hier sein darf. Das ist mein Zuhause hier.“

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