Leo Freund (Bildmitte) gehörte im vergangenen Jahr zu den Patienten, denen mit der Transplantation einer Spenderniere am Universitätsklinikum Düsseldorf geholfen werden konnte. Beim Interview traf er Pflegekraft und Stationsleiterin Manuela Rau-Frank (links) und Prof. Dr. Katrin Ivens, zuständige Oberärztin der Nephrologie im Transplantationszentrum, wieder (Foto: UKD)
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Düsseldorf. 81 Patientinnen und Patienten konnten von der Arbeit des Nierentransplantationszentrums profitieren – Leo Freund war einer von ihnen

Das Leben des Pensionärs Leo Freund war bis zum August vergangenen Jahres an drei Vormittagen pro Woche unumstößlich verplant – reserviert für sein Überleben. Leo Freund war auf die Dialyse angewiesen, also auf ein Nierenersatzverfahren, weil seine Nieren zuvor ihre Funktion eingebüßt hatten. Sein Name war auf der Warteliste für ein Spenderorgan hinterlegt.

Über 7.000 Patientinnen und Patienten warten in Deutschland laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf eine Spenderniere. 81 von Ihnen konnte im vergangenen Jahr am Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) mit einer Nierentransplantation geholfen werden. Im Jahr 2019 waren es 78, bis Ende April dieses Jahres bereits 33. „Trotz Corona-Pandemie mussten wir keinen Einbruch im Vergleich zu früheren Jahren verzeichnen“, sagt Prof. Dr. Christian Rump, Direktor der Klinik für Nephrologie und Leiter des Nierentransplantationszentrums. Lediglich bei den Lebendnierenspenden habe es einen Rückgang gegeben. „Das liegt vor allem daran, dass wir während der ersten Coronawelle im vergangenen Jahr zwischen Mitte März und Mitte Mai gar keine Transplantation mit Lebendspendern vorgenommen haben“, erklärt Prof. Dr. Katrin Ivens, zuständige Oberärztin der Nephrologie im Transplantationszentrum.

Basis für die gute Patientenversorgung: fach- und berufsgruppenübergreifende Kooperation

Das Nierentransplantationsprogramm ist am UKD bereits seit über 40 Jahren etabliert. Um die Patientinnen und Patienten optimal zu versorgen, arbeiten die Klinik für Nephrologie, die Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie sowie die Klinik für Urologie eng unter dem Dach des Transplantationszentrums zusammen, das zu den zehn größten Einrichtungen dieser Art in Deutschland gehört. Darüber hinaus spielen die Pflegekräfte eine wichtige Rolle. „Wir können mit unserer Expertise sehr viele Fragen der Patientinnen und Patienten auffangen und dadurch Sicherheit geben“, so die Stationsleitung Manuela Rau-Frank. Hierbei helfe die enge Kooperation mit dem ärztlichen Dienst, die mit Hilfe verschiedener Projekte auch immer weiter verbessert werde. „Uns kommt es darauf an, dass die Patientinnen und Patienten einen guten Start mit ihrem Spenderorgan haben.“ Bestätigung erfährt das Team durch die zahlreichen über viele Jahre gepflegten Kontakte mit Transplantationspatientinnen und -patienten. „Wir sind manchmal wie eine große Familie“, so Manuela Rau-Frank.

Von der Expertise des Transplantationszentrums konnte auch Leo Freund profitieren, denn am 15. August 2020 erhielt er ein Spenderorgan. Er sagt: „Ich hatte volles Vertrauen zu der Institution hier – und es hat alles gut geklappt. Das Personal war kompetent und freundlich und ich und meine Frau  wurden jederzeit gut und verständlich informiert.“

Der Grund, warum bei Leo Freund und vielen anderen PatientInnen überhaupt eine Transplantation vorgenommen werden muss, ist ein Nierenversagen. Es tritt in vielen Fällen als Folgeerscheinung chronischer Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes auf – und zwar vor allem dann, wenn diese unentdeckt geblieben sind und deshalb nicht adäquat behandelt werden konnten. Auch chronische Erkrankungen des Organs selbst können zu einem Nierenversagen führen.

Eine fortschreitende Schädigung der Nieren macht sich selten bereits in der Frühphase bemerkbar. Betroffene Patientinnen und Patienten begeben sich deshalb in der Regel erst sehr spät in medizinische Behandlung. Oftmals ist dann eine Wiederherstellung der Nierenfunktion gar nicht mehr möglich.  „Mit Hilfe der Dialyse können wir viele Patientinnen und Patienten zwar über eine lange Zeit behandeln“, sagt Prof. Ivens. Allerdings bedeute dies eine große Einschränkung der Lebensqualität. Ein weitaus freieres Leben ist laut Prof. Katrin Ivens nach einer Nierentransplantation möglich. Auf der Spenderseite wird hier zwischen der Lebensnierenspende und der postmortalen Nierenspende unterschieden:

„Die Lebendnierenspenden sehen wir häufig unter Ehepartnern, manchmal bei Eltern, die sich als Spender für ihre Kinder zur Verfügung stellen, oder aber unter Geschwistern“, so Prof. Katrin Ivens. „In vielen Fällen kann damit die Dialyse für die Person, die das Spenderorgan empfängt, verhindert werden.“ Voraussetzung ist, dass die Nierenfunktion des Spenders oder der Spenderin gut genug ist und dass bestimmte Gewebemerkmale passend sind. Die Übereinstimmung der Blutgruppen ist hingegen bei Lebendnierenspenden keine Grundbedingung mehr, da es ein Verfahren gibt, das auch eine Transplantation gegen die Blutgruppe ermöglicht. Die Planung einer Lebendnierentransplantation ist im Vergleich mit einer Transplantation nach postmortaler Spende deutlich einfacher. Das Team des Transplantationszentrums kann die Operation mit langem Vorlauf vorbereiten und bereits eine Woche vor dem Eingriff die Unterdrückung des Immunsystem von Empfängerin oder Empfänger beginnen, damit das Spenderorgan nicht abgestoßen wird. Zudem muss die Spenderniere nicht lange transportiert werden, die Durchblutung des Organs ist also nur kurz unterbrochen.

Bei Nierenerkrankten, die auf das Spenderorgan einer verstorbenen Person (postmortale Spende) angewiesen sind, beträgt die Wartezeit im Mittel etwa sieben Jahre. Die Entnahme erfolgt in dem Krankenhaus, in dem eine Organspenderin oder ein Organspender verstorben ist. 24 Stunden bleiben dann, um die Spenderniere zu transplantieren. Im Fall der postmortalen Organspende ist neben anderen Merkmalen – anders als bei der Lebendnierenspende – auch die Blutgruppenübereinstimmung entscheidend. Das führt dazu, dass die Wartezeit in großem Maße auch von der Blutgruppe des Empfängers bestimmt wird. Für bestimmte Blutgruppen gibt es nur eine sehr begrenzte Anzahl an Spendern oder aber eine große Anzahl möglicher Empfänger.

Patient Leo Freund: „Ich habe die Nierenwerte von einem fast Gesunden.“

Für Leo Freund betrug die Wartezeit nur gut drei Jahre. Er profitierte von dem sogenannten Seniorprogramm, bei dem sowohl der Organspender als auch der Empfänger über 65 Jahre alt sind. „Ich habe heute die Nierenwerte von einem fast Gesunden“, so Leo Freund. Er ist froh, dass er jetzt gemeinsam mit seiner Frau Monika wieder in den Urlaub fahren kann, ohne darauf zu achten, dass eine Dialyse-Praxis in der Nähe sein muss. Er kann unbeschwert wandern und auch wieder Radtouren machen.

Um auch anderen PatientInnen diese Möglichkeiten zu eröffnen, ist es wichtig, dass die Bereitschaft der Menschen, nach dem Ableben als Organspender zur Verfügung zu stehen, weiter steigt. Zwar gab es im vergangenen Jahr mit 913 Organspenderinnen und Organspendern einen leichten Rückgang im Vergleich zu 2019 (932 Organspenden). Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung verzeichnet aber in den vergangenen Jahren eine höhere Zahl der Personen, die einen Organspendeausweis besitzen. Einen positiven Effekt hatte laut Prof. Katrin Ivens die Änderung des Transplantationsgesetzes vor zwei Jahren: „Die Arbeit der Transplantationsbeauftragten wurde aufgewertet und die Vergütung von Krankenhäusern, die Spenderorgane entnehmen, neu geregelt. Damit sind bessere Strukturen geschaffen worden, die dazu beitragen können, dass die Zahl der Organspender steigt.“

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