Historische Aufnahme von einem Hochwasser der Düssel: Dammdurchbruch nahe Eller am 3. Januar 1925 (Foto: © Landeshauptstadt Düsseldorf, Stadtarchiv, Julius Söhne)

Düsseldorf. Düssel-Hochwasser überspült in der Nacht Sandsackwall an der Zweibrückenstraße – Rettungskräfte stadtweit im Dauereinsatz – Über 1.000 Einsätze bereits abgearbeitet

Düssel-Hochwasser überflutet Ostpark-Siedlung: Hilfsprogramm der Stadt läuft auf Hochtouren

Das Düssel-Hochwasser hat in der Nacht zum Donnerstag, 15. Juli, einen Sandsackwall an der Zweibrückenstraße überspült und die Ostpark-Siedlung in Gerresheim geflutet. Das historische Düssel-Hochwasser ist zwischenzeitlich auf 3 Meter angestiegen. Einsatzkräfte hatten zuvor noch versucht, mit 25.000 zusätzlichen Sandsäcken die kritischen Stellen des Deichs zu stabilisieren. Betroffen vom Hochwasser sind rund 350 Gebäude. Die dort lebenden Menschen sind am Mittwoch, 14. Juli, vom Krisenstab aufgefordert worden, ihre Wohnungen freiwillig zu verlassen.

Dort, wo möglich, wird die Deichsicherung im Stadtgebiet fortgesetzt. Das gilt auch für die Ostpark-Siedlung. Dort ist die Feuerwehr mit Einsatzkräften vor Ort und steht den Anwohnerinnen und Anwohnern auch als Ansprechpartner, gerade bei Notfällen, zur Verfügung. In räumlicher Nähe ist zudem eine mobile Feuerwache errichtet worden, in der auch wattfähige Fahrzeuge und Boote zur Verfügung stehen. Wegen des Starkregenereignisses ist die Düsseldorfer Feuerwehr seit den frühen Morgenstunden des 14. Juli im Großeinsatz. Aktuell sind mehr als 1030 Einsätze stadtweit abgearbeitet worden, rund 470 Einsätze (Stand 13 Uhr) werden aktuell bearbeitet. Aktuell kämpfen 450 Einsatzkräfte gegen die Hochwasserschäden.

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller: “Der Krisenstab der Landeshauptstadt Düsseldorf hat ein Bündel an Sofortmaßnahmen zur Hilfe der Menschen in den Hochwasser-Gebieten umgehend auf den Weg gebracht. Wir werden alles daran setzen, dass die Anwohnerinnen und Anwohnern, die von Hochwasserschäden betroffen sind wie beispielsweise in der Ostpark-Siedlung, die nötige Unterstützung zur Rückkehr ins normale Alltagsleben erhalten.”

Krisenstabsleiter Beigeordneter Christian Zaum: “Wir haben die Pegelstände aller Flüsse und Bäche im Stadtgebiet im Blick, um eine konkrete Gefahrenabschätzung vornehmen zu können. Wir werden alles daran setzen, die Schäden in Grenzen zu halten. Die Rettungskräfte befinden sich weiter im Großeinsatz, parallel dazu ist das Rückkehr-Management aktiviert.”

Stromversorgung
Aufgrund des Starkregens hat die Netzgesellschaft in enger Abstimmung mit der Stadt seit Mittwoch, 14. Juli, nach und nach einige Straßenzüge vom Stromnetz genommen. Der größte Bereich ist rund um die Ostpark-Siedlung in Gerresheim. Dieser Bereich wurde gestern um 15.30 Uhr stromlos gelegt. Heute folgten weitere Abschaltungen in Vennhausen.

Zum weiteren Vorgehen der Netzgesellschaft: Solange das Hochwasser besteht ist eine Zuschaltung des Stroms aus Sicherheitsgründen nicht möglich. Die Entwicklung der Lage wird fortwährend in enger Abstimmung mit dem Krisenstab der Stadt beobachtet. Für eine Zuschaltung des Stroms ist auch die Mithilfe der Anwohnerinnen und Anwohner in den betroffenen Gebieten notwendig. Die Netzgesellschaft bittet darum, dass sich die Betroffenen bei ihr melden, um Auskunft darüber zu geben, ob der Keller trocken oder geflutet ist. Diese Information ist für eine Zuschaltung zwingend notwendig. Dabei ist zu beachten, dass die Netzgesellschaft nicht einzelne Häuser wiederversorgen kann, sondern die Lage im gesamten Viertel berücksichtigen muss. Zurzeit werden in den von einer Abschaltung betroffenen Gebieten dazu Informationsschreiben verteilt. Infos gibt die Netzgesellschaft auch telefonisch unter 0211-8212626.

Ostpark-Siedlung: Stadt richtet Info-Point ein
Die Stadt hat am heutigen Donnerstag, 15. Juli, in der Katholischen Gemeinschaftsgrundschule Unter den Eichen 26 einen Info-Point speziell für die von Hochwasserschäden betroffenen Menschen eingerichtet und um 18.30 Uhr geöffnet. Der Info-Point ist mit Mitarbeitenden von städtischen Fachämtern wie Umweltamt und Sozialamt, Bezirksvertretung, OSD sowie auch von Netzgesellschaft und Polizei besetzt. Die Mitarbeitenden des Info-Points werden in den kommenden Tagen Fragen unter anderem zur Rückkehr in die eigene Wohnung direkt vor Ort beantworten. Zudem können auch Kontakte hergestellt werden, bei denen Fragen umgehend geklärt werden können. Der Info-Point ist täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet.

Versorgungs-Hotline Amt für Soziales geschaltet
Die Versorgungs-Hotline 0211-8998999 des Amtes für Soziales unterstützt Bürgerinnen und Bürger in der Hochwasser-Situation. Das Versorgungstelefon ist montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr besetzt und koordiniert Hilfsangebote und -gesuche. Hilfen können die direkte Versorgung betreffen, aber auch Schlafgelegenheiten und Unterkünfte sein, etwa für Düsseldorferinnen und Düsseldorfer, deren Häuser evakuiert werden mussten.

AWISTA: Servicetelefon für zusätzliche Abfuhr
Die AWISTA nimmt für die durch den Starkregen betroffenen Haushalte über das Servicecenter (Telefon 83099099) Sperrmüllaufträge entgegen. In einer ersten Aktion erfolgt die Abfuhr am Samstag, 17. Juli, ab 8 Uhr. Mitgenommen wird nur Sperrmüll und Elektrogeräte. Nicht mitgenommen werden Farbeimer, andere Schadstoffe und Bauabfälle. Nach weiterem Fortschritt der Aufräumaktionen wird die AWISTA weitere Touren im Stadtgebiet in den kommenden Tagen gegen Auftrag durchführen. Eine Anmeldung erfolgt auch hier telefonisch über das Servicecenter. Bei den weiteren Dienstleistungen in der Abfallentsorgung gibt es keine Einschränkungen.

Rhein-Hochwasser: Aktuelle Vorkehrungen
In den kommenden Tagen wird damit gerechnet, dass der Rhein-Pegel ansteigt und bis zum Sonntag 8,50 Meter erreicht. Der Stadtentwässerungsbetrieb muss entsprechende Sicherungsmaßnahmen für die Altstadt vornehmen. So werden die Parkplätze am Tonhallenufer und am Robert-Lehr-Ufer unterhalb der Rheinterrasse ab einem Pegel von 7,50 Meter gesperrt. Dieser wird voraussichtlich heute um Mitternacht erreicht, so dass die Parkplätze morgen früh spätestens gesperrt werden. Zudem werden die Tore am Unteren Rheinwerft zum Alten Hafen sowie an der Fährstraße Düsseldorf-Hamm ab Freitagmittag, 16. Juli, verschlossen. Die Pächter der Kasematten, die Stadtstrandbetreiber und D.LIVE als Betreiber des Open-Air-Kinos sind informiert. Auch das WC am Unteren Rheinwerft an der Freitreppe wird abgebaut.

Bürgerinnen und Bürger können sich durch die Pegeluhr an der Rheinuferpromenade oder über die Internetseite www.duesseldorf.de/rheinpegel sowie bei der Wasserschifffahrtsverwaltung unter www.elwis.de über die Pegelstände des Rheins informieren. Die Pegeluhr lässt sich wie folgt ablesen: Der kleine Zeiger zeigt den Meterstand des Rheins an und der große Zeiger die Zentimeter.

Rheinbahn fährt zuverlässig
Nach den heftigen und lang anhaltenden Niederschlägen am Mittwoch ist die Rheinbahn in den meisten Teilen ihres Netzes zuverlässig in den Donnerstag gestartet. Lediglich in den Randbezirken, im Süden Düsseldorfs und in einigen Teilen der benachbarten Kommunen, kommt es auf Grund von Straßensperrungen und Überschwemmungen weiterhin zu vereinzelten Umleitungen und Ausfällen. Den gesamten Donnerstag über kann es zudem im gesamten Bedienungsgebiet zu Verspätungen auf den Buslinien kommen. Aufgrund der weiterhin dynamischen Hochwasserlage mit vielen Straßensperrungen in einzelnen Stadtteilen sind derzeit keine verlässlichen Zeitangaben möglich, daher sind die Fahrplanauskünfte über die elektronischen Fahrgastinformationen, die Rheinbahn-App und die Website aktuell nicht für alle Linien verlässlich. Darüber hinaus unterstützt die Rheinbahn die Rettungskräfte seit Mittwoch mit ihren Bussen unter anderem bei der Evakuierung von Wohnhäusern.

Pressekonferenz im Rathaus: Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller (3.v.r) informierte mit Krisenstabsleiter Christian Zaum (4.v.r.) zur aktuellen Hochwasserlage im Düsseldorfer Stadtgebiet (Foto: © Landeshauptstadt Düsseldorf/Wilfried Meyer)

Feuerwehr findet tote Person auf
Die Feuerwehr hat derweil beim Auspumpen einer komplett überfluteten Souterrain-Wohnung in Vennhausen eine männliche Person tot aufgefunden. Der Mann ist zwischenzeitlich als vermisst gemeldet worden.

Historisches Düsselhochwasser: Größere Schäden gab es zuletzt vor fast 100 Jahren

Hoch- und Niedrigwasser wird schon seit dem 18. Jahrhundert reguliert

Fast 100 Jahre ohne Überflutungsschäden: Bevor das Düsselhochwasser in der vergangenen Nacht auf 3 Meter gestiegen ist, kam es zuletzt 1925 zu größeren Zerstörungen.

Überflutungen an der Düssel sind ein historisch belegtes Phänomen. So wurden schon ab dem späten 18. Jahrhundert Spaltwerke gebaut, um die Hoch- und Niedrigwassersituation zu regulieren. Nach einer geringfügigen Verlagerung werden die Spaltwerke bis heute genutzt: In Gerresheim an der nördlichen und südlichen Düssel, an der Heinrichstraße am Abzweig Kittelbach und am Werstener Kreuz am Abzweig Brückerbach erfüllen sie immer noch dieselben Funktionen wir ihre Vorgänger aus dem 18. Jahrhundert. Die Spaltwerke wurden damals gezielt positioniert: Düssel, Brückerbach und Kittelbach waren Mühlenstandorte, weshalb neben der Hochwasserprävention auch eine kontinuierliche Wasserversorgung wichtig war.

Das Düsselhochwasser vom 3. Januar 1925 war das letzte, das größere Schäden anrichtete. Betroffen waren damals vor allem Höfe, Felder, Kleingartenanlagen und Wohnhäuser in Eller. Die Abpump- und Aufräumarbeiten der rund 70 beschädigten Haushalte dauerten fünf Tage. Auch 1892 kam es zu Hochwasserschäden – um die Innenstadt zu schützen war zu viel Wasser aus der nördlichen Düssel in den Kittelbach umgeleitet worden und führte zu Zerstörungen in Golzheim. Letzte Berichte von Überflutungen der Düssel stammen aus den 1960er Jahren, diese wurden allerdings ohne Vermerk auf größere Schäden dokumentiert.

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