„Auf eine schräge Art sind wir auch froh, dass wir diese Geschichte erleben durften, so wissen wir das unglaubliche Glück, das wir mit Sofia haben, noch besser zu schätzen.“ Sofia, die kleine Tochter von Ana Santias Diaz und ihrem Mann Stefan Schäfer, kommt als Frühchen an der Uniklinik Düsseldorf zur Welt. Auch nach der Entlassung wird die Familie durch das Team der UKD-Kinderklinik betreut (Foto: privat)
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Düsseldorf. Uniklinik Düsseldorf ist Perinatalzentrum Level 1: Das bedeutet die höchste Qualitätsstufe in der Versorgung von Mutter und Kind/ UKD-Geburtshilfe und Kinderklinik sind auf die Versorgung von Frühchen spezialisiert

Die Nachricht kam für Ana Santias Diaz und ihren Mann Stefan Schäfer aus dem Nichts: Ihr Kind muss mehr als zwei Monate vor dem ursprünglich errechneten Geburtstermin auf die Welt geholt werden. Tochter Sofia wird ein Frühchen. „Das war für mich ein absoluter Schock!“ erinnert sich Ana. „Meine Schwangerschaft war bis zu diesem Zeitpunkt absolut unspektakulär. Wir hatten im Familien- und Freundeskreis zuvor auch gar keine Berührung mit dem Thema ‚Frühchen‘. Da waren wir absolut nicht drauf vorbereitet.“

Ihrem Frauenarzt war bei einem Routinetermin aufgefallen, dass etwas nicht stimmt. Vorsichtshalber schickte er Ana zu einer Spezialistin. Nachdem diese das Ergebnis einer Blutwertuntersuchung vorliegen hatte, war ihr Rat: „Sofort in die Uniklinik Düsseldorf!“

Ana litt unter einer schweren Erkrankung, die nur während einer Schwangerschaft vorkommt. Im Volksmund fasst man diese Krankheiten häufig unter dem Überbegriff „Schwangerschaftsvergiftung“ zusammen. Aufgrund der schlechten Blutwerte handeln die Teams der UKD-Geburtshilfe und der Kinderklinik in enger Zusammenarbeit, das Leben von Mutter und Kind stand auf dem Spiel.

Mehr als zwei Monate zu früh: Um das Leben von Mutter und Kind zu retten, holt die UKD-Geburtshilfe Sofia per Kaiserschnitt auf die Welt

Sofia wird per Kaiserschnitt auf die Welt geholt. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt war sie mehr als zwei Monate vor ihrem ursprünglich errechneten Geburtstermin und wog ungefähr 1.200 Gramm. Nach der Erstversorgung im Kreißsaal wurde sie zur weiteren Behandlung auf die Kinderintensivstation der UKD-Kinderklinik verlegt.

Da bei Frühchen das Immunsystem noch nicht vollständig ausgeprägt ist, kann jeder Infekt sehr gefährlich werden. Um die neugeborene Sofia vor einer möglichen Corona-Infektion zu schützen, können Ana oder ihr Mann daher ihre Tochter unmittelbar nach der Geburt nicht berühren, bevor Sofia auf die Kinderintensivstation verlegt wird. „Das war ein komisches Gefühl: Im einen Moment ist man schwanger, im nächsten nicht mehr. Aber es ist kein Baby da, das man im Arm halten kann. Wir sind absolut froh, dass so sehr auf die Sicherheit unserer kleinen Maus geachtet wurde und wissen, dass die Maßnahmen notwendig sind. Aber natürlich hatte man sich das im Vorfeld alles anders vorgestellt.“

Unterstützung und Begleitung: Sofia und ihre Mutter Ana bleiben noch vier Wochen nach der Geburt auf der UKD-Frühchenstation

Am nächsten Tag besuchen sie ihre Tochter das erste Mal. „Das ist ein Gefühl, dass man nicht beschreiben kann. Sofia war so klein und zierlich, sie hätte in meine Hand gepasst.“ Drei Tage bleibt Sofia nach ihrer Geburt auf der Kinderintensivstation, danach darf sie auf die Frühchenstation. Insgesamt bleibt die Familie noch vier Wochen in der Klinik.

Ana Santias Diaz zieht in dieser Zeit ins angrenzende Elternhaus. Für Sie eine aufreibende und mitunter auch einsame Zeit: „Wegen Corona und zum Schutz unserer Tochter hatten wir so gut wie keinen persönlichen Kontakt zu anderen Menschen, auch nicht zu ihren Großeltern – sogar noch lange nach der Entlassung nur via Handy. Aber die Pflegekräfte und die Ärztinnen und Ärzte auf der Frühchenstation waren so nett und freundlich, dass ich mich immer unterstützt gefühlt habe.“

Im langen Klinikaufenthalt sieht sie daher auch viele Vorteile: „So konnte das Klinikteam mir alles Wichtige rund um das Baby zeigen. Sofia ist unser erstes Kind und in aller Ruhe habe ich zum Beispiel gezeigt bekommen, wie man die Kleine richtig wäscht oder wickelt. Bei Frühchen ist das ja noch einmal ganz anders als bei normal großen Neugeborenen. Ich habe so viel gelernt und mir stand immer jemand von der Klinik zur Seite – das fand ich unglaublich beruhigend.“

Nach Hause darf Sofia einen Tag vor Weihnachten: „Das war unser schönstes Weihnachtsgeschenk im Leben“, schmunzeln Ana und Stefan. Sofia ist zu diesem Zeitpunkt immer noch sehr zierlich, hat sich aber super entwickelt. Trotzdem sind ihre Eltern auch nervös, als die Entlassung aus der Klinik ansteht: „So sehr man sich freut, dass man endlich nach Hause darf, man macht sich auch Gedanken. Im Krankenhaus ist ja immer jemand da, der einem im Zweifelsfall helfen kann. Zu Hause ist man erst einmal alleine. Die ersten Nächte haben wir auch kein Auge zugemacht, aber auch da wächst man dann hinein. Umso glücklicher sind wir, dass wir auch nach der Entlassung weiter begleitet wurden.“

Unterstützung für Frühchen nach der Klinik-Entlassung: Das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) der UKD-Kinderklinik

An der Uniklinik Düsseldorf gibt für diese Nachversorgung der ehemaligen Frühgeborenen und von Kindern, die vor, während oder kurz nach ihrer Geburt einem erhöhten Risiko ausgesetzt waren – zum Beispiel durch eine Infektion – das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) der Klinik für Allgemeine Pädiatrie, Neonatologie und Kinderkardiologie. „In unserem interdisziplinären Team arbeiten Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Medizin, Psychologie, Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie, Sozialarbeit oder Ernährungsberatung. Neben der Nachversorgung der ehemaligen Frühchen kümmern wir uns auch um Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen oder Funktions- und Verhaltensstörungen“, erklärt Dr. Michael Karenfort, Oberarzt an der UKD-Kinderklinik und Ärztlicher Leiter des SPZs.

Ana besucht mit Sofia unter anderem die Sehschule und Ergotherapie des Zentrums. Hier wird gecheckt, ob die motorische und kognitive Entwicklung des kleinen Mädchens richtig verlaufen. Das Ergebnis: Sofia entwickelt sich genau richtig und ist eine richtige Kämpfernatur.

„Es ist ein schönes Gefühl, dass man auch weiterhin durch die Expertinnen und Experten der Kinderklinik betreut wird und weiß, dass man hier im Zweifelsfall jemanden zum Nachfragen hat, wenn einem etwas auf der Seele brennt“, freuen sich Ana und Stefan. „Es klingt komisch, aber wir sind auf eine schräge Art auch froh, dass wir diese Geschichte erleben durften. Natürlich hätte das alles nicht sein müssen, aber wir haben das Beste draus gemacht und wissen das unglaubliche Glück, das wir mit Sofia haben, noch besser zu schätzen. Unser Dank geht an die Teams der UKD-Frauenklinik und der Kinderklinik für die große Unterstützung.“

 

Hintergrund:

Eines von zehn Kindern weltweit ist ein Frühchen und kommt vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche auf die Welt – Tendenz weltweit steigend. Alleine an der Uniklinik Düsseldorf werden jährlich mehr als 200 Frühgeborene geboren. Rund ein Drittel davon kommen vor der 32. Schwangerschaftswoche auf die Welt und wiegen weniger als 1.500 Gramm.

Auf der UKD-Kinderintensivstation bekommen die kleinen Kämpfer die individuell richtige Behandlung. Die Expertinnen und Experten der UKD-Kinderklinik sind auf die Behandlung von Frühchen spezialisiert und gemeinsam mit der Geburtshilfe der UKD-Frauenklinik durch die Ärztekammer Nordrhein als Perinatalzentrum Level 1 zertifiziert. Das bedeutet die höchste Qualitätsstufe in der Versorgung von Mutter und Kind.

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