Dirk Howe, Geschäftsführer der Siempelkamp Giesserei in Krefeld (Foto: Steve Jacoby/pinkiwi GmbH & Co. KG)
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Krefeld/Berlin/Düsseldorf/Rhein-Ruhr. „Das Ende der energieintensiven Produktion in unserem Land wird so oder so kommen.“ Daher müsse man in Kauf nehmen, wenn energieintensive Produktionen und ganze Unternehmen wegen zu hoher Energiepreise aus Deutschland abwandern. Diese Prophezeiung stammt von Veronika Grimm, die als eine der sogenannten „Wirtschaftsweisen“ fungiert. Für eine andere Ökonomin, Monika Schnitzer, Vorsitzende des Sachverständigenrates, wäre ein Industriestrompreis für mittelständische Produktionsunternehmen nur ein Bremsklotz für einen „dringend notwendigen Strukturwandel“. Man merkt es: Klassische, wertschöpfende Industrie in und für Deutschland ist einigen Staatsökonomen eine unbequemes Element in ihren theoretischen Modellen. Sie wünschen sich, dass Stahl, Eisen und Chemie aus fernen Ländern mit billiger Energie, egal welchen Ursprungs, kommen. Die Konsequenzen bleiben unberücksichtigt! Lange und instabile Lieferketten? CO2-Fußabdruck? Klimaschutz? Technologietransfer für mehr Nachhaltigkeit ? Tausende wegfallende Arbeitsplätze? Gesellschaftlicher Zusammenhalt? Keine Energiewende ohne Industriebauteile?

Anscheinend alles in diesen Modellen nicht berücksichtigt. Auf Grundlage dieser eindimensional ökonomischen, oftmals zu kurz gesprungenen Argumentation, lehnen diese Experten auch einen Brückenstrompreis ab, mit dem energieintensive Betriebe die aktuell viel zu hohen Energiekosten abfedern und die Transformation zur CO2-neutralen Produktion bewältigen könnten. Die komplexen Zusammenhänge in den Wertschöpfungsketten werden in vereinfachenden Modellen ignoriert. Anstatt die in Berlin verursachte Angebotslücke bei Strom und grüner Energie zu füllen, oder ein episch ausgerufenes Osterpaket der Berliner Ampel zu erneuerbaren Energien unbürokratisch umzusetzen, ist es anscheinend bequemer, den energieintensiven Mittelstand zu vertreiben. Zusätzlich wird die Lage durch handwerkliche Fehler in der Energiepolitik verschärft, in der nun die Unternehmen allein zurückgelassen werden.

Derweil verschleppen die prominenten Politiker das Thema Woche um Woche. Zeit, in denen Unternehmen und am Ende die Verbraucher zigtausende Euro an Mehrkosten für viel zu teure Energie und deren Folgen zahlen. Dabei hatte doch der Bundeskanzler selbst im Wahlkampf einen Industriestrompreis von 4 ct/kWh versprochen. Jetzt will er davon nichts mehr wissen? Finanzminister Christian Lindner, der versprochen hatte, den Mittelstand auf dem Weg durch die Transformation zu unterstützen, möchte den Spitzensteuerausgleich der Stromsteuer streichen und somit für tausende Unternehmen die Steuern leise durch die Hintertür erhöhen. Warum hält sich die Politik in diesen herausfordernden Zeiten nicht an ihre Versprechen?

Wir erwarten, dass der Diskussion endlich Taten folgen; dass man mit uns, den betroffenen Unternehmen, endlich spricht; dass man Interesse an Unternehmertum zeigt, welches nicht jammert, sondern macht, und welches jeden Tag aus ganzem Herzen soziale und persönliche Verantwortung für viele Beschäftigte und deren Familien übernimmt. Wir wollen hier in Deutschland bleiben, unseren Beschäftigten, deren Angehörigen und Kindern sowie der nächsten Generation eine gute Zukunft bieten. Wir wollen so emissionsarm wie kein anderes Unternehmen unserer Branche unsere dringend benötigten Weltrekord-Bauteile produzieren und das hier in Deutschland. Wir wollen uns nicht durch handwerkliche Fehler der Politik vertreiben lassen: Weil wir an dieses Land und dessen Lösungskompetenz glauben!

Die Deindustrialisierung Deutschlands hat bereits begonnen. Sorgen wir gemeinsam dafür, dass sie sich nicht mehr fortsetzt. Denn der einzigartige deutsche Mittelstand mit seinem riesigen Wertschöpfungs- und Beschäftigungspotential ist das Powerhouse für die Weltwirtschaft und den Wohlstand dieses Landes. Ihn einfach gehen zu lassen, würde sich als gravierender Fehler erweisen. Wir treiben mit unseren Produkten die Energie- und Mobilitätswende aktiv voran, setzen auf Digitalisierung und sind Effizienz-Weltmeister. Wir wollen keine Almosen, sondern faire und verlässliche Rahmenbedingungen. Dafür haben wir konkrete Vorschläge für transparente und wirtschaftliche Strommodelle und Finanzierungsmöglichkeiten für den Industriestrompreis – ohne Subventionen – gemacht. Diese liegen auf den Tischen in Berlin oder Düsseldorf. Ich frage mich: Warum hört man uns Mittelständlern dort nicht zu?

 

Ein KlarKlick von Dirk Howe, Geschäftsführer der Siempelkamp Giesserei in Krefeld

Anmerkung der Redaktion: Unter KlarKlick versteht die LokalKlick-Redaktion Gastkommentare, die zur gesellschaftlichen Diskussion führen. Sie geben nur die Meinung des Gastkommentatoren wieder und sind nicht unbedingt die Meinung der Redaktion.

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