(Foto: 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA)
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Köln. Der 1. FC Köln hat im Zusammenhang mit dem CAS-Verfahren bereits kurz nach dem Mitte September vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) erfolgten Hearing eine Strafanzeige wegen versuchten Betrugs gegen drei Vertreter des slowenischen Fußballclubs NK Olimpija Ljubljana gestellt. Die Staatsanwaltschaft Köln hat den Anfangsverdacht zwischenzeitlich bejaht und ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die drei Vertreter eingeleitet.

Zur Einordnung
Der slowenische, seinerzeit minderjährige Spieler Jaka Potocnik hat im Januar 2022 seinen Spielervertrag mit dem slowenischen Fußballclub NK Olimpija Ljubljana aus wichtigem Grund fristlos gekündigt und wurde sodann vom 1. FC Köln für seine U19 unter Vertrag genommen.

Das Verbandsschiedsgericht der FIFA (sog. Dispute Resolution Chamber) hat in seiner Entscheidung vom 01.02.2023, die den beteiligten Parteien am 29.03.2023 zugestellt wurde, eine abweichende Sachverhaltsbewertung getroffen. Wegen Vertragsbruchs wurde gegenüber Jaka Potocnik eine viermonatige Spielsperre ausgesprochen und ein Schadensersatzanspruch von NK Olimpija Ljubljana gegenüber dem Spieler von rund EUR 52.000 festgestellt. Der 1. FC Köln haftet aufgrund der Verbandsregularien für den Schadensersatzanspruch mit. Zudem hat die FIFA eine Transfersperre gegen den 1. FC Köln für zwei Transferperioden, d.h. ein Verbot zur Registrierung neuer Spieler, ausgesprochen, weil es dem FC aus Sicht der FIFA nicht gelungen sei, die in den zugrunde liegenden Regularien vorgesehene Vermutung der Anstiftung zum Vertragsbruch durch einen Gegenbeweis zu widerlegen. Die FIFA hat also nicht positiv festgestellt, dass der FC Jaka Potocnik zum angeblichen Vertragsbruch angestiftet hat. Das weitergehende Verlangen von NK Olimpija Ljubljana auf Zahlung eines Schadensersatzes in Höhe von EUR 2,5 Millionen hat die FIFA abgelehnt. Alle Entscheidungen ergingen auf Basis eines schriftlichen Verfahrens, eine mündliche Verhandlung oder die Vernehmung von Zeugen erfolgten nicht.

Das CAS-Verfahren
Gegen die Entscheidung der FIFA haben alle drei Parteien, also NK Olimpija Ljubljana, der 1. FC Köln und Jaka Potocnik Rechtsmittel vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne eingelegt.

In einer ersten Entscheidung hat der CAS am 26.05.2023 dem Antrag des 1. FC Köln und von Jaka Potocnik auf aufschiebende Wirkung stattgegeben und die Transfersperre sowie die Spielsperre bis zu einer endgültigen Entscheidung ausgesetzt. Der 1. FC Köln war daher in der Lage, in der abgelaufenen Transferperiode neue Spieler zu registrieren, Jaka Potocnik darf Pflichtspiele für die U19 des 1. FC Köln absolvieren.

Mündliche Verhandlung (Hearing) beim CAS
Am 19. und 20.09.2023 fand die mündliche Verhandlung (sog. Hearing) beim CAS in Lausanne statt. Für den 1. FC Köln nahmen der Vizepräsident Dr. Carsten Wettich sowie die beiden Geschäftsführer Dr. Christian Keller und Philipp Türoff als Vertreter des 1. FC Köln e.V. bzw. der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA an dem Hearing teil.

In einem vom CAS-Panel substantiiert vorbereiteten und umsichtig geführten Hearing wurden die zahlreichen von den Parteien benannten Zeugen vernommen sowie zwei Experten zum Schweizer bzw. slowenischen Recht gehört. Im Ergebnis sind – wie erwartet – alle Parteien sowie die FIFA bei ihren Anträgen geblieben.

Die vom 1. FC Köln und von Jaka Potocnik benannten Zeugen, darunter der ehemalige Präsident und ehemalige leitende Mitarbeiter von NK Olimpija Ljubljana, haben den Sachverhalt bestätigt, wie er vom 1. FC Köln zuvor schriftsätzlich vorgetragen wurde. Gemäß den Zeugenaussagen hat NK Olimpija Ljubljana gegenüber Jaka Potocnik bei Vertragsschluss im Juni 2021 schriftlich und mündlich gegebene Zusagen trotz mehrfacher entsprechender Aufforderungen durch den Spieler und seine Vertreter nicht eingehalten, so dass Jaka Potocnik seinen Vertrag mit NK Olimpija Ljubljana nach Überzeugung des 1. FC Köln und seiner Anwälte nicht gebrochen, sondern im Januar 2022 rechtswirksam gekündigt hat. Genauso wurde von den Zeugen vorgetragen, dass der 1. FC Köln den Spieler nicht zur Vertragskündigung angestiftet hat, wobei dieser Sachverhalt im Falle einer rechtswirksamen Kündigung obsolet ist.

Zwei namhafte Professoren der Universitäten in Zürich bzw. Ljubljana haben als Experten zum Schweizer bzw. slowenischen Recht ausgeführt, dass die mündlichen Zusagen, die dem Spieler bei Vertragsschluss gegeben wurden, bindend sind.

Strafanzeige gegen Vertreter von NK Olimpija Ljubljana
Die von NK Olimpija Ljubljana benannten Zeugen und beim CAS aussagenden Clubvertreter haben sich hingegen in Widersprüche verwickelt und in Teilen den von NK Olimpija Ljubljana schriftsätzlich vorgebrachten Tatsachenvortrag selbst widerlegt. Hierdurch sowie durch weitere Aussagen von FC-Seite benannter Zeugen konnte nach Überzeugung des 1. FC Köln belegt werden, dass NK Olimpija Ljubljana auf Grundlage falschen Tatsachenvortrags versucht, eine ungerechtfertigte Schadenersatzhöhe zugesprochen zu bekommen.

Der 1. FC Köln hat diesen Sachverhalt strafrechtlich überprüfen lassen und daher gegen drei Vertreter von NK Olimpija Ljubljana Strafanzeige wegen eines möglichen versuchten Betrugs zum Nachteil des 1. FC Köln gestellt. Die Staatsanwaltschaft Köln hat den 1. FC Köln darüber informiert, dass sie bereits den Anfangsverdacht bejaht und ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren gegen die drei Vertreter eingeleitet hat.

Fortgang des CAS-Verfahrens
Der CAS wird nunmehr seine Entscheidung treffen. Ein genauer Zeitpunkt hierfür kann nicht genannt werden. Auf Grundlage der obigen Ausführungen ist der 1. FC Köln zuversichtlich, dass seine Argumentation auf positives Gehör stoßen, der CAS die Kündigung von Jaka Potocnik als rechtswirksam feststellen und damit einhergehend die Spielsperre gegen den Spieler sowie die Transfersperre gegen den 1. FC Köln endgültig aufheben wird.

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