vl. Nikol Engelhardt, Nora Kraatz und Franka Peters (Foto: Evangelischer Kirchenkreis Kleve und Diakonie im Kirchenkreis Kleve e.V.)
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Kalkar. Dazu gehört schon Mut: In der zweiten Osterferienwoche hatte die Ev. Kirchengemeinde Kalkar Kinder eingeladen, die Orgel als Instrument kennen zu lernen. 30 Kinder nahmen an der Woche teil, jeden Tag war von 9-16 Uhr im Gemeindehaus und an der Orgel Programm. Zehn von ihnen nehmen seitdem weiterhin Unterricht. Drei der Kinder, Nora Kraatz (9), Franka Peters (11) und Nikol Engelhardt (11) aus Kalkar hatten am Sonntag Premiere im Gottesdienst der Gemeinde.

In Gemeindegottesdiensten wird normalerweise seltener applaudiert. Am Sonntag hingegen klatschte die Gemeinde für Nora, Nikol und Franka. Die drei waren ordentlich nervös, überzeugten dann jedoch mit ihrem Können an schwarzen und weißen Tasten. Nikol kam mit Vorkenntnissen zur Orgelwoche und wagte sich deswegen am Sonntag schon an Eingangs- und Ausgangsstück. Die Koordination der Finger der linken Hand (Basslinie) und der rechten Hand (Melodielinie) bereitete ihr keine Probleme. Die Gemeinde, inklusive Pfarrer Thomas Hagen, lernte sogar Neues: „Den Choral 507 aus dem Gesangbuch `Himmels Au, licht und blau´ kannte ich so noch gar nicht, den hast du schön ausgesucht“, sagte Hagen hoch zu Nora auf der Orgelbank. Franka begleitete die Gemeinde bei EG 331, `Großer Gott wir loben dich´ und meisterte die Melodie mit Bravour. Auch untereinander klatschten die Mädchen sich ab, Erleichterung machte sich breit.

„Der Klang der Orgel ist total schön“, sagen die drei Nachwuchsorganistinnen. „Die Orgel hat mehrere Register, aus denen wir auswählen können“, erzählen sie bereitwillig. „Suchen wir doch nach dem, was Sinn und Befriedigung schenkt. Etwas, das uns nicht nur kurzfristig satt macht“, formulierte Pfarrer Hagen in der Predigt. „Vielleicht ist das Orgelspiel für euch auch so etwas.“

Anna-Maria Wüst, Musikerin und Organistin in Kerken kommt alle zwei Wochen nach Kalkar, um mit Tipps und Ratschlägen die Orgelkünste der „Orgelkinder“ voranzutreiben. An allen anderen Tagen können die Kinder an der Orgel üben, wenn die Kirche frei ist. Dafür bekamen die Eltern einen Schlüssel, einige dürfen auch schon ohne Eltern in die Kirche.

„Gut, dass wir im Presbyterium die Orgelwoche als Projekt beschlossen haben“, findet Hagen. Außer einer Verpflegungspauschale trug die Gemeinde die Kosten für die gesamte Woche im April. Johanna Wimmer (Diplom-Musiklehrerin für Orgel) und Carolin Kaiser (Kirchenmusikerin und Studentin für elementare Musikpädagogik) weckten das Interesse für das Orgelspiel und zeigten den Kindern, wie es geht. „Ich kann daran super anknüpfen und mit den Kindern weitermachen“, erzählt Anna-Maria Wüst.  Die Evangelische und auch die Katholische Kirchengemeinde Kalkar fördern den Unterricht finanziell, so dass die „Orgelkinder“ maximal 37 Euro im Monat zuzahlen. „Ihr habt den Gottesdienst mit eurer Musik mitgetragen“ bedankte sich Pfarrer Hagen bei den Nachwuchsorganistinnen. Aus der Gemeinde fertigte sogar jemand für das Pedal aus Holz zehn Erhöhungen zum Aufstecken. Denn bei aller Professionalität – die Beine sind nun mal so kurz wie sie sind. Aber auch das wächst.

Wer Interesse hat die Orgel ebenfalls kennen zu lernen, ein Einstieg (auch ohne Vorkenntnisse) ist jederzeit möglich – Kontakt: Anna Maria Wüst, Mobil: 0163 57 73 117, www.anna-maria-wuest.de

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