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Duisburg. Schifffahrt und Industrieproduktion sind in Nordrhein-Westfalen traditionell eng miteinander verflochten. Um die guten Kontakte zu pflegen, treffen sich Verlader und Schiffer einmal im Jahr zum traditionellen Schiffermahl der Schifferbörse Duisburg-Ruhrort. In diesem Jahr standen die Herausforderungen und Chancen für moderne Industriestandorte an den Flüssen und Kanälen im Mittelpunkt der Gespräche. Welche Rolle die Binnenschifffahrt als Standortfaktor für die Stahlindustrie spielt, erläuterte der diesjährige Ehrengast Andreas J. Goss, Vorstandsvorsitzender der Thyssenkrupp Steel Europe AG, vor über 100 Gästen. Im Vorfeld wurden bei der Börsenversammlung der Vorsitzende Frank Wittig und seine Stellvertreter in ihren Ämtern bestätigt.

Vor 125 Jahren, am 17. Dezember 1891, wurde im Stahlwerk Bruckhausen der erste Hochofen in Duisburg angeblasen. Wenige Wochen vor dem offiziellen Jahrestag kam der Chef der Thyssenkrupp-Stahlsparte am 3. November zum traditionellen Schiffermahl ins Gemeindehaus Ruhrort. Für Schifferbörsen-Vorstand Frank Wittig ist die Einladung des Spitzenmanagers der Thyssenkrupp AG ein klares Signal für das Zusammenwirken von Industrie und Logistik. „Ohne die Stahlproduktion hätte die Wasserstraße als Verkehrsträger nicht ihre Größe erreicht. Andererseits wäre auch die Stahlproduktion ohne die Schifffahrt nicht so wettbewerbsfähig, wie sie es hier bis heute ist“, sagte der Vorsitzende der Schifferbörse vor über 100 geladenen Gästen, darunter der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link und der stellvertretende Generalkonsul des Königreichs der Niederlande in Nordrhein-Westfalen, Konsul Hans van den Heuvel. In seiner Begrüßungsrede forderte Wittig aber auch, das Potenzial der Wasserstraße besser auszunutzen. Er würde sich von der Branche eine noch klarere Ausrichtung auf die Zukunft wünschen: „Im Zeitalter der Digitalisierung brauchen wir mehr Inspirationen und Begeisterung für das System Wasserstraße.“ Er forderte die Branchenexperten auf, positive und innovative Botschaften auszusenden, um das System Wasserstraße stärker auf die politische Agenda zu heben.

Ehrengast Andreas J. Goss betonte in seiner Rede die Bedeutung der Wasserstraße als Verkehrsträger für die Stahlindustrie: „Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt entscheidend von unserem Standort am Rhein und einer optimierten Logistik ab. Daher ziehen wir mit der Schifferbörse an einem Strang, um die Belange der Schifffahrt gemeinsam zu vertreten.“ Goss warnte nachdrücklich vor einer schleichenden Deindustrialisierung wie in Großbritannien. Falsche Weichenstellungen würden künftige Generationen belasten. Er warb für den Erhalt unserer industriellen Kerne. Eine Voraussetzung dafür sei, dass die Reform des EU-Emissionshandelssystems nicht zu für die Unternehmen untragbaren Lasten und so letztlich zu einem Export von Arbeitsplätzen führen dürfe.

Im Vorfeld des Schiffermahls hatte die jährliche Börsenversammlung der Schifferbörse, deren Geschäftsführung bei der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer Duisburg-Wesel-Kleve angesiedelt ist, im Haus Rhein stattgefunden. Die Versammlung bestätigte dabei IHK-Vizepräsident Frank Wittig (Wittig GmbH) im Amt des Vorsitzenden. Der 48-Jährige Unternehmer vertritt seit 2012 die Interessen der über 60 Mitglieder. Seine Stellvertreter bleiben Heiko Brückner (Haeger & Schmidt), Joachim Schürings (Thyssenkrupp Steel Europe) und Roberto Spranzi (DTG). Sie sind Teil des 13-köpfigen Gesamtvorstands, der ebenfalls im Amt bestätigt wurde. „Ich freue mich, dass uns die Börsenversammlung erneut das Vertrauen ausgesprochen hat. Damit können wir den eingeschlagene Weg fortsetzen und unseren Ideen eine langfristige Perspektive geben“, sagte Frank Wittig nach der Wahl und kündigte an, im kommenden Jahr das Schifferbörsen-Projekt „Quinwalo“ – die Abkürzung steht für Qualification Inland Waterway Logistics – auf eine breitere Basis zu stellen und über die Grenzen Duisburgs hinaus anzubieten.

 

 

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