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Andreas Pfeif hat beim Azubi-Speed-Dating bei drei Unternehmen seine Bewerbungsunterlagen abgegeben (Foto: IHK)

Krefeld. Andreas Pfeif ist 24 Jahre alt. Ein Studium zu Steuerrecht und Wirtschaftsprüfung sowie eine Ausbildung zum Handelsfachwirt hat er nicht beendet. Jetzt möchte sich der junge Mann neu orientieren. „Ich habe für mich festgestellt, dass das sehr spezifische Studium nicht meine Sache ist. Eine Ausbildung ist auf jeden Fall das Richtige für mich“, erklärt Andreas Pfeif. Deswegen ist er zum Azubi-Speed-Dating in die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein in Krefeld gekommen. Eingeladen hatten neben der IHK die Kreishandwerkerschaft Niederrhein und die Bundesagentur für Arbeit Krefeld.

Während Speed-Dating-Angebote an Wochenenden in Bars das Ziel haben, Menschen zu Liebespaaren zu machen, geht es beim „Schnellen Kennenlernen“ im Prüfungs- und Weiterbildungszentrum der IHK darum, potenzielle Auszubildende und Firmen zusammenzubringen. „Viele Ausbildungsplatzsuchende haben kaum Gelegenheit, direkt in Kontakt mit den Personalverantwortlichen und Ausbildern bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen zu kommen“, weiß Petra Pigerl-Radtke, Geschäftsführerin des IHK-Bereichs Aus- und Weiterbildung. Die üblichen Auswahlverfahren und Tests versperrten im Bewerbungsprozess oftmals den direkten Weg, um durch den persönlichen Eindruck die Verantwortlichen von sich zu überzeugen. Pigerl-Radtke: „Das ist bei einem Azubi-Speed-Dating anders. Mit dieser besonderen Form werden die Wege zwischen Jugendlichen und den Personalverantwortlichen verkürzt, um in den direkten Dialog zu treten.“

Das können Daniele Paterniti und Daniela Böhmer von der Bauhaus GmbH & Co.KG West bestätigen. „Wir machen regelmäßig bei solchen Speed-Datings mit und haben auch schon viele tolle Azubis auf diesem Weg gefunden. Und das teilweise mit Bewerbungen, die wir ohne den persönlichen Kontakt vor Ort nicht beachtet hätten.“

Und dieser persönliche Kontakt kam gleich reihenweise zustande. „96 Schüler jeder Schulform haben von dem Angebot Gebrauch gemacht und die Stände unserer 28 teilnehmenden Betriebe besucht“, sagt IHK-Referent Stephan Mundt. „Insgesamt können wir von rund 230 Bewerbungsgesprächen in vier Stunden ausgehen.“ Auch Sabine Lüer ist mit ihrer Tochter Lisa Marie (19) gekommen. „Ich unterstütze sie, wo es nur geht. Solche Veranstaltungen sind für sie Adrenalin pur – aber auch eine gute Gelegenheit, sich auszuprobieren, Bewerbungsgespräche zu üben und Kontakte zu knüpfen.“

Doch nicht nur das Kennenlernen stand auf dem Programm. Die Ausbildungsberater der IHK standen Eltern und Schülern parallel für alle Fragen zum Thema zur Verfügung. Claudia Loi und Ruth Zipfel informierten sich vor Ort für ihre jeweils 15-jährigen Töchter Lara und Carina. „Sie wissen beide überhaupt nicht, was sie machen wollen. Unsere Auffassungen gehen da ziemlich weit auseinander“, sagt Claudia Loi. Ein Problem, das IHK-Ausbildungsberater Thomas Anft gut kennt. „Wir nutzten diesen Tag auch, um über alternative Berufe zu informieren. Schüler, die zum Beispiel ein Bewerbungsgespräch zum Kaufmann für Büromanagement suchten, konnten wir Alternativen zum vermeintlichen Traumberuf vorstellen und ihn zu Bewerbungsgesprächen bei Unternehmen motivieren, die sie vorher nicht auf dem Schirm hatten“, erklärt Anft. Der Ausbildungsberater freut sich über die zahlreichen Eltern, die sich gemeinsam mit ihren Kindern vor Ort über die Ausbildungsmöglichkeiten informierten. „Schnell wurde auch den Eltern klar, dass nicht unbedingt ein Abiturabschluss notwendig ist, um den Weg in die Berufsausbildung mit den vielen anschließenden Weiterbildungsmöglichkeiten anzustreben.“

Am Ende waren alle zufrieden: Betriebe wie Teilnehmer gleichermaßen. „Die meisten unserer Bewerber waren aufgeschlossene, engagierte, junge Menschen“, sagt Jana Ahlborn von der Broich Premium Catering GmbH. Und auch Kristina Mertens und Christoph Brünner von der Herbrand Niederrhein GmbH sind voll des Lobes: „Wir haben gute Gespräche geführt, mit Leuten, die gut vorbereitet waren. In der Vergangenheit haben wir auf diesem Wege schon Azubis gewonnen, wir hoffen, dass auch dieses Mal der oder die Richtige dabei war.“

Darauf hofft auch Andreas Pfeif. Am Ende gibt er bei drei Unternehmen seine Bewerbungsunterlagen ab. Für ihn hat sich die Teilnahme am Azubi-Speed-Dating schon deshalb gelohnt.

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