Stephanie Schöbel zeigt Weihbischof Lohmann unter Tage das Salz, das in mehreren hundert Metern Tiefe unter dem Niederrhein abgebaut wird (Foto: esco)
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Rheinberg. Auch wenn der kleine Transporter nur mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde fährt, werden die Insassen kräftig durchgeschaukelt. Immer wieder geht es steil bergauf und ebenso auch wieder bergab. Die Fahrt geht von Borth in Richtung Bislicher Insel. Weihbischof Rolf Lohmann guckt Stephanie Schöbel am Steuer des Fahrzeugs verwundert an: „Hier ist die Bislicher Insel? Die kenne ich von meinen Radtouren.“ Allerdings ist der Weihbischof sonst und 1000 Meter höher unterwegs, an diesem Vormittag aber steht er unter Tage, bei rund 38 Grad Umgebungstemperatur, in einer 20 Meter hohen Halle, umgeben von 250 Millionen Jahre altem Salz. Stephanie Schöbel kennt sich als Grubenbetriebsassistentin in jedem Winkel des Bergwerks aus und erweist sich als kundige Führerin.

Seit er Weihbischof für den Niederrhein und Recklinghausen geworden ist, besucht Lohmann immer wieder Betriebe, um dort mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, etwas über die Arbeitsbedingungen und auch den Umweltschutz zu erfahren. Der Besuch bei der „esco“ (european salt company) mit ihrem Salzbergwerk in Rheinberg-Borth gehört dabei sicherlich zu den außergewöhnlichsten Erlebnissen. Das geht schon vor der eigentlichen Grubenfahrt los, als der Weihbischof – in weiße Bergmannskluft gekleidet, mit Helm, Schutzbrille, Lampe und Sicherheitsschuhen ausgerüstet – und seine Begleiter einen tragbaren „Sauerstoffselbstretter“ bekommen. Im Falle eines Falles, so erklärt es Stephanie Schöbel, könnte man mit dem Gerät etwa 90 Minuten atmen und so einen sicheren Ort erreichen.

Dann geht es zu Schacht 2, über den dortigen Förderturm geht es im Korb mit rasender Geschwindigkeit in die Tiefe. Keine 90 Sekunden vergehen, dann sind 740 Meter erreicht. „Hier, an dieser Stelle, begann 1926 der Salzabbau in Borth“, erläutert Stephanie Schöbel. Direkt am Schacht steht schon der Minibus bereit, mit dem sie den Weihbischof durch das Bergwerk fährt. Rund 150 Menschen arbeiten unter Tage, etwa ebenso viele über Tage, erläutert sie. Gearbeitet wird in drei Schichten. „Hier sind nur wenige Menschen zu sehen“, bemerkt Weihbischof Lohmann während der rund 90-minütigen Tour. Stephanie Schöbel nickt. „Das System ist weit verzweigt, die meisten Mitarbeiter sind allein an ihrer Arbeitsstelle. Radioempfang gibt es nicht, ebenso wenig ein Mobilfunknetz, per Funk stehen die Bergleute untereinander in Kontakt, außerdem wird jede Arbeitsstelle zwei Mal pro Schicht angefahren, um abzusichern, dass es den Mitarbeitern gut geht. Wenn man sich in den dunklen Gängen dann doch begegnet, wird auch den Besuchern ein „Glück auf!“ zugerufen. „Das ist für mich neu, dass es im Salzabbau die gleiche Sprache gibt wie beim Kohlebergbau, da gibt es wirklich viele Parallelen“, sagt Weihbischof Lohmann.

Wieder über Tage, nach einer Dusche, die den feinen weißen Salzstaub abwäscht, beantwortet der „Leiter Produktion und Technik unter Tage“, Ralf Hegemann, dem Weihbischof weitere Fragen.  Neben der Sicherheit für die Mitarbeiter sei das wichtigste Ziel des Betriebs, durch den Abbau so wenige Schäden wie möglich zu verursachen. „Wenn es Meldungen über Bergschäden gibt, dann schicken wir sofort unsere Experten dort hin, um das zu begutachten und im Bedarfsfall auch zu handeln“, sagt Hegemann auf eine entsprechende Frage des Weihbischofs. Das Salz, das aus der Erde geholt wird, wird direkt vor Ort weiterverarbeitet und ausgeliefert, große Lagerflächen gibt es nicht. Die von anderen Bergwerksbetrieben bekannten Abraumhalden und damit verbundenen Probleme gibt es in Borth daher auch nicht.

Ob Bergleute aus den geschlossenen Zechen im Ruhrgebiet nach Borth gekommen sind, möchte Weihbischof Lohmann schließlich wissen. Hegemann schüttelt den Kopf. Zwar seien einige Kumpel gekommen, aber nur eine überschaubare Menge. „Auch wir haben Probleme, qualifizierte Fachkräfte zu bekommen“, sagt Hegemann. Der Betrieb zahlt nach Tarif, doch für den Arbeitsplatz gerade unter Tage ist nicht unbedingt jeder gemacht. Dabei ist der Betrieb des Bergwerks für die kommenden Jahre gesichert. „Hier ist der Bergbau noch lebendig“, betont Hegemann.

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