Compagnie les Goulus (Foto: Lokomotiv Fotografie © MST)
Anzeigen

Mülheim. International, integrativ, kunstvoll: Dass der Künstler Joseph Beuys mit seiner Aussage „Kunst kennt keine Behinderung“ völlig richtig lag, haben die Künstlerinnen und Künstler der 11. Broicher Schlossnacht am Samstag einmal mehr bewiesen: 12 künstlerische Ensembles mit und ohne Handicap aus den verschiedensten Ländern kamen zusammen und sorgten für einen Abend, den die rund 900 Gäste nicht so schnell vergessen werden. Dieses Jahr wurde die Broicher Schlossnacht aufgrund der Schloss-Sanierung einmalig rund um die Drehscheibe im MüGa-Park veranstaltet – von der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH (MST) in Kooperation mit Art Obscura e.V.

Nachdem für Samstag ursprünglich Regen angesagt war, überzeugte die Broicher Schlossnacht mit ihrem Charme neben den Gästen auch das Wetter: Es blieb den ganzen Abend über mild und trocken. So konnte die Atmosphäre der in Szene gesetzten Drehscheibe am Ringlokschuppen mit den bunten Lichtinstallationen wirken – dem Abend der fantasievollen Kleinkunst, kunstreichen Poesie und integrativen Kunst stand nichts mehr im Weg. „Wir kommen jedes Jahr zur Schlossnacht“, erzählen Heike und Norbert Röger aus Speldorf, „und dieses Jahr war die Stimmung wieder großartig, es war eine ganz friedliche Atmosphäre. Die Umgebung hier war auch toll, aber wir freuen uns wieder auf nächstes Jahr im Schlosshof.“

Als Petite Noblesse begleiten Silke Eumann und Wolfgang Ockenfels die Gäste traditionell – rund um die Drehscheibe statt im Schlosshof – charmant durch den Abend. „Wir sind froh, dass wir mit dem MüGa-Park und der Drehscheibe dieses Jahr trotz der Schloss-Sanierung einen adäquaten Veranstaltungsort gefunden haben“, erklärt Jens Weber, Leiter des MST-Eventmanagements, „Wir freuen uns aber natürlich, wenn wir nächstes Jahr mit dem frisch sanierten Schlosshof wieder in die Heimat der Broicher Schlossnacht zurückkehren können.“

Bei ihrer besonderen Form der Jonglage spielten Ariane Oechsner und Roxana Küwen mit ihren Füßen scheinbar mühelos mit durch die Luft sausenden Bällen – absolut präzise Körperlichkeit war die Voraussetzung für das Programm „play nice“ der Jongleurinnen. Gold-schimmernde Posaunen und Trompeten, donnernde Pauken und eine MASKAPELLE mit fantasievollen Kostümierungen: Das Blaumeier-Atelier unterhielt sein Publikum mal gemeinsam, mal einzeln, aber immer entzückend tongewaltig. Äußerst elegant kamen „The Horsemen“ von der Compagnie Les Goulus daher: Nicht ohne Grund sorgen sie in der europäischen Straßentheaterszene für Aufsehen: Mit ihrer ausgeprägten „French attitude“ hatten die drei Herren als französische Reiter alle Lacher auf ihrer Seite.

Als Urgestein des inklusiven Tanztheaters begeisterte zum zweiten Mal ein Tanzduo von Danza Mobile aus Spanien bei der Broicher Schlossnacht – sehr körperbetont, witzig und eindrucksvoll. Lolo Lovina, eine energiegeladene Band aus Australien, sorgte mit ihrem Mix aus Balkan Gypsy Beats, Unza, Cabaret, Heavy Metal, Swing und Tango für eine berauschende Tanzparty. Der Franzose Ivan Chary von der Compagnie du Petit Monsieur präsentierte brillant komisch die „Kunst des Scheiterns“: Wer hätte damit gerechnet, dass eine Telefonzelle heutzutage noch Kulisse eines solchen Auftritts sein könnte oder sich ein gewöhnliches Zelt als so widerspenstig erweist. Einige Werke der Kunstgruppe Art Obscura konnten in einer kleinen Ausstellung unter freiem Himmel am Rande des Geschehens betrachtet werden.

Zum gelungenen Abend trugen auch die „Klassiker“ bei: Beim Orakel warteten die Antwortsuchenden geduldig, da zahlreiche Gäste an den Weisheiten und inspirierenden Antworten der beiden Wahrsagerinnen interessiert waren. Die Spezialisten sorgten dafür, dass auch zwischen den Auftritten keine Langeweile aufkam. „Zeichen!“ setzten die Künstler und Künstlerinnen von Theater im Dorf: Kinder und Erwachsene fanden sich auf Wunsch als kleines Kunstwerk wieder. Der Traum vom Fliegen erfüllte sich mit The Flying Wheelchair in einer geheimnisvollen Performance – die mit episch angehauchter Musik den Abend traditionell ausklingen ließ.

„Die Broicher Schlossnacht ist eine so bezaubernde Veranstaltung“, fasst Inge Kammerichs, MST-Geschäftsführerin zusammen, „ohne sie wäre das Mülheimer Veranstaltungsjahr nicht vollständig. Ich bin begeistert von der Vielfalt und Kreativität der Kunstschaffenden.“ „Auch die Gäste der Schlossnacht haben sich am diesjährigen Ort wohl gefühlt“, weiß Gert Rudolph von Art Obscura e.V., „aber die meisten bevorzugen dennoch den Schlosshof. Viele haben den MüGa-Park für die Schlossnacht als etwas zu weitläufig empfunden.“

Da die Broicher Schlossnacht ohne die Unterstützung der MülheimPartner nicht möglich wäre, gilt ihnen ein besonderer Dank: Sparkasse Mülheim an der Ruhr, medl GmbH, Mülheimer Entsorgungsgesellschaft mbH (MEG), Mülheimer Wohnungsbau eG (MWB), Fahrzeug-Werke LUEG AG, Privatbrauerei Jacob Stauder GmbH & Co. KG und Radio Mülheim.

Beitrag drucken
Anzeige