(Foto: privat)

Mülheim. Die Theodor Fliedner Stiftung zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung am 3. Dezember

Der Versuch, das Normale zu beschreiben, ohne, dass es besonders wirkt, ist oft ein schweres Unterfangen. Doch Alina Ferenci und Marco Fuhrmann sind seit 100 Tagen Auszubildende der Theodor Fliedner Stiftung und waren zuvor in den Fliedner Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Mülheim beschäftigt. Seit dem 1. August absolvieren sie eine Ausbildung im Büromanagement der Hauptverwaltung – sie sind angekommen auf dem sogenannten 1. Arbeitsmarkt.

„Du hast die Ausbildung.“ An diese Worte im Sommer erinnert sich Marco Fuhrmann noch sehr gut. Eine Delegation rund um Ramona Witkowski, die sich den beiden Auszubildenden mit als Ansprechpartnerin angenommen hat, überbrachte die frohe Botschaft. Alina Ferenci haben sie aus der Gesprächsrunde in ihrem Urlaub angerufen. Beide sagen jetzt noch unisono: „Wir konnten es erst in den Tagen danach wirklich realisieren.“ Sie haben, gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Fliedner Werkstätten, auf das Ziel hingearbeitet. „Wir sind angekommen auf dem 1. Arbeitsmarkt.“ Den Weg ebnete beiden die Abteilung des Büroservice in den Fliedner Werkstätten. „Seit Einführung 2018 brummt die Abteilung und wir erhalten viel Zuspruch“, berichtet Werkstattleiter Daniel Möller und betont damit den Auftrag der Werkstätten nach beruflicher Rehabilitation.

Im Büroservice arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Handicaps. An etwaigen Schwächen werde gearbeitet, Stärken gefördert. Mit einem individuellen Blick und stets unter Berücksichtigung der eigenen Wünsche wird dann geprüft, welche persönlichen Ziele und Wege infrage kommen. Im Bewerbungsverfahren konnten sich Alina Ferenci und Marco Fuhrmann auch bei Personalleiter Lars Borchert unter Beweis stellen, mit Erfolg: „Spätestens nach dem gelungenen Praktikum war klar: Wer, wenn nicht wir als Theodor Fliedner Stiftung, sollten da vorangehen.“ In diese Aussage reiht sich auch der Vorstand der Stiftung, Carsten Bräumer, Sabine Halfen und Claudia Ott, ein.

 

1. Arbeitsmarkt kann, aber muss nicht das Ziel sein

100 Tage sind Alina Ferenci und Marco Fuhrmann nun schon in ihrer Ausbildung und haben den Schritt nicht bereut. „Die Tätigkeiten und der Kontakt zu den Kollegen machen viel Spaß“, so Marco Fuhrmann. „Im Kontext des Auftrages der Fliedner Werkstätten gibt es viele mögliche Ausbildungs- und Beschäftigungsmodelle“, erklärt Daniel Möller. Eine Vermittlung auf den 1. Arbeitsmarkt kann dabei das Ziel sein, muss es aber nicht in jedem Fall.

Viele Menschen bevorzugen eine Beschäftigung im Rahmen der Werkstatt, oder aber auch auf sogenannten „Betriebsintegrierten Außenarbeitsplätzen“. Diese gibt es bei zahlreichen Firmen in Mülheim und Umgebung und in ganz unterschiedlichen Branchen. Sowohl für die Menschen, als auch für die Betriebe stellt diese Beschäftigungsform, bei der die Teilnehmer vertraglich in der Werkstatt beschäftigt bleiben, eine erfolgversprechende und damit nachhaltige Kooperationsmöglichkeit dar.“ Zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen geht die Theodor Fliedner Stiftung also voran. „So kann Förderung zur Teilhabe gelingen“, sagt Sabine Halfen. Und motiviert gleichzeitig andere Unternehmen, zu diesem Thema Kontakt aufzunehmen. Um Kooperationen und die persönlichen Ziele kümmert sich in der Werkstatt ein eingespieltes Team mit dem Namen „Plan I“. „Das ,I‘ steht für Inklusion – hier laufen die Fäden zusammen“, so Daniel Möller. Getreu dem Motto im 175. Jubiläumsjahr der Stiftung: „Gemeinsam Perspektiven gestalten.“

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