Seit 2017 arbeitet der Krefelder Bernd Diener ehrenamtlich als Senior Experte für das Tönisvorster Medikamenten-Hilfswerk action medeor. Besonders begeistert ihn die Medizintechnik (Foto: action medeor)
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Tönisvorst/Krefeld. Vor drei Jahren ging Bernd Diener in den Vorruhestand. Der Evonik-Standortleiter hatte genug von der 60-Stunden-Arbeitswoche. Seine Fähigkeiten aber wollte der Krefelder gerne weiter einbringen. Also bewarb er sich als Senior Experte bei action medeor.

Wenn die Gesundheits-NGO action medeor nach neuen Medizingeräten sucht, die in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen sollen, ist Bernd Diener gefragt. Der 61-Jährige ist ehrenamtlich als Senior Experte für das Tönisvorster Hilfswerk tätig. Als promovierter Biologe und Toxikologe hat er mehr als 20 Jahre lang in verschiedenen Managementpositionen in der chemischen Industrie gearbeitet, zuletzt als Leiter der beiden Evonik-Standorte Krefeld und Essen. „Für uns sind das Fachwissen und die Erfahrung unseres Senior Experten ein großer Gewinn“, sagt Christoph Bonsmann vom Vorstand. „Wir freuen uns immer, wenn Menschen mit einer solchen Erfahrung wie Bernd sich bei uns einbringen.“

2017 ging Bernd Diener in den Vorruhestand. „Endlich mehr Zeit für die Familie, Sport, Motorradfahren und den Garten zu haben, war prima“, erinnert sich der 61-Jährige, „aber es musste noch etwas Forderndes und Neues dazu kommen.“ Schon als Evonik-Standortleiter habe er das Medikamenten-Hilfswerk kennengelernt. „Was action medeor leistet, sowohl in der Soforthilfe bei Katastrophen, als auch durch nachhaltige Projekte zur Gesundheitsförderung in den ärmsten Ländern der Welt, hat mich sehr beeindruckt“, sagt der Krefelder. Und so bewarb er sich als ehrenamtlicher Senior Experte.

2018 reiste Bernd Diener für action medeor nach Tansania, wo das Medikamenten-Hilfswerk eine Zweitniederlassung aufgebaut hat. „Bei der Reise ging es um die Fragestellung, wie Reste von Krebsmedikamenten entsorgt werden können, ohne Schäden anzurichten“, schildert der 61-Jährige. Am Beispielland Tansania habe er das durchgespielt und Empfehlungen für action medeor aufgestellt.

Die Reise sei nicht nur fachlich interessant gewesen. „Es hat mich fasziniert zu sehen, wie die Menschen in Tansania sich zu helfen wissen. Gleichzeitig war ich erschrocken über die Gesundheitsversorgung und habe mich gefragt, wie Menschen in diesem Gesundheitssystem durchkommen“, erinnert sich Bernd Diener. Seine Entscheidung, ehrenamtlich für action medeor zu arbeiten, habe diese Reise noch bestärkt. „Die Notwendigkeit etwas zu tun, ist extrem groß, die Menschen in Tansania brauchen die Hilfe aus Deutschland“, sagt der 61-Jährige, der seit 2016 auch als ehrenamtlicher Schiedsmann in Krefeld-Fischeln arbeitet.

Als kurz nach der Tansania-Reise die Anfrage kam, ob er bereit sei, nach China zu reisen und dort einen Hersteller von mobilen Dentaleinheiten zu besuchen, sagte der Krefelder zu. „Es ging darum, die Qualität der Geräte und die Verlässlichkeit des Herstellers zu prüfen“, erzählt Bernd Diener. Er las sich in die Fachliteratur ein und vertiefte sich in die Thematik. Die mobile Dentaleinheit, die der Ehrenamtler seinerzeit auf ihre Einsatzfähigkeit prüfte, ist ein Erfolgsmodell geworden. Mehr als 70 Stück wurden seit 2018 von action medeor vertrieben.

„In vielen Teilen Afrikas ist so gut wie keine zahnärztliche Versorgung vorhanden“, weiß Bernd Diener. Viele Menschen litten deshalb über Wochen und Monate unter Zahnschmerzen. Die mobile Dentaleinheit ermögliche eine kostengünstige Behandlung an verschiedenen Orten. „Mit einem Gewicht von 28 Kilo kann die Dentaleinheit in einem Rollkoffer transportiert werden. Sie braucht Strom, ist aber sonst weitestgehend autark einsetzbar“, erklärt der Senior Experte. Ein integrierter Öl-freier Kompressor stelle die notwendige Druckluft zur Verfügung, um die Instrumente zu betreiben. Eine Flasche für Absaugrückstände und eine Flasche zur Wasserversorgung seien im Gerät eingebaut.

Die Medizintechnik ist zu Bernd Dieners Steckenpferd geworden. Der 61-Jährige kennt sich aus mit den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Funktionsweise und der Qualität der Geräte. „Zu einer erfolgreichen medizinischen Behandlung mit Medikamenten oder einer Operation gehört im ersten Schritt eine genaue Diagnose“, sagt der Senior Experte, „dazu sind medizinische Geräte wie zum Beispiel zur Blutanalyse oder Ultraschallgeräte notwendig.“

Dass das Tönisvorster Medikamenten-Hilfswerk nicht nur Medizintechnik in Entwicklungsländer liefert, sondern auch dafür sorgt, dass Menschen vor Ort ausgebildet werden, die mit den Geräten umgehen und sie warten können, überzeugt den Senior Experten. „Diese Nachhaltigkeit macht mich bei der Arbeit sehr zufrieden und das bei nur zwei Arbeitstagen pro Woche“, sagt der 61-Jährige, der seine Fähigkeiten gerne noch ein paar Jahre lang ehrenamtlich für action medeor einsetzen möchte.

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