Ein Fundzetteldepot von Lichtzeichnerin Nikola Dicke und Brandstifter hängt unter anderem an der Feldküche an der Klappertorstraße 35a (Foto: Yvonne Klasen)

Monheim am Rhein. Nikola Dicke und Brandstifter hängen Kästen für gefundene Zettel auf

Monheim am Rhein. Das Künstlerduo „Nikola Dicke und Brandstifter“ sucht Zettel, die Monheimerinnen und Monheimer gefunden haben. Im Rahmen des Projekts „Monheims aufgelesene Zeichen. Lost & Found & Light“ wollen Lichtzeichnerin Nikola Dicke und ihr Partner, der selbsternannte Asphaltbibliothekar Brandstifter, gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern eine Sammlung mit gefundenen Zetteln anlegen und Monheimer Geschichten zeichnerisch umsetzen. Das Projekt ist Teil der interaktiven Reihe Kunst-Camp der Kunstwerkstatt Turmstraße, Monheims neuer Dependance der Kunstschule.

Für die „Asphaltbibliotheque Monheim am Rhein“ können Monheimerinnen und Monheimer nun an neun Orten gefundene Zettel in kleine Kästen, sogenannte Fundzetteldepots, werfen: vor dem Rathaus, an der Kunst- und Musikschule, an der Kunstwerkstatt Turmstraße, am Ernst-Reuter-Platz, an der Tourist-Information im Landschaftspark Rheinbogen, bei der Leda von Markus Lüpertz am Rhein, am Bienenhotel am Baumberger Rheinuferweg in Baumberg, auf dem Baumberger Dorfplatz an der Hauptstraße und an der Feldküche an der Klappertorstraße 35a. So funktioniert das Projekt auch in der Corona-Pandemie. Dabei freuen sich die Künstler über jedes Stück Papier, das gefunden wurde – egal, ob Foto, Liebesbrief oder Einkaufszettel: „Nichts Selbstverfasstes, nur Fundstücke bitte“, sagt Brandstifter. „Wir benutzen Sachen, die schon da sind und machen sie sichtbar.“ Nikola Dicke ergänzt: „Weniger suchen, mehr finden.“

Die „Asphaltbibliotheque“ wirft ein neues Licht auf die Fundstücke: Reifenabdrücke, Frottagen, Knicke, Faltungen oder Einrisse hinterlassen ihre Spuren auf den Texten oder Bildern. So entfalten sich die Fundzettel zu besonderen Papierdokumenten der jüngsten Geschichte, vermeintlicher Müll entpuppt sich als Kunst. Die Monheimer Fundzettel werden schließlich Teil des Fundzettelarchivs, seit 1998 mit Sammlungen aus Berlin, Chicago, New York, Paris, Rajasthan oder Wien. Niina Valavuo, Programmleiterin der Kunstwerkstatt Turmstraße, gefällt der nachhaltige Ansatz: „Was für eine inspirierende Idee: Temporäre Kunst, die zugleich nachhaltig ist. Nikola Dicke und Brandstifter schaffen es, diesen scheinbaren Gegensatz aufzulösen.“

Nicht nur über Zettel, auch über erzählte Geschichten freuen sich die Künstler unter Telefon +49 157 50735716. Die Geschichten setzt die Lichtzeichnerin Nikola Dicke in Zeichentrickfilme um. Mit ein paar Linien und Strichen entstehen Bilder, die als Projektion über Fensterscheiben und Fassaden wandern können. Auch zu den Fundzetteln sollen im Laufe des Projekts mit Hilfe der Monheimerinnen und Monheimer neue Geschichten entstehen, die Nikola Dicke zeichnerisch umsetzt.

Beitrag drucken
Anzeigen