Brennende Synagoge (Foto: Stadtarchiv)
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Duisburg. Am 9. November 1938 brannte im Hinterhof des Hauses Landwehrstraße 21 die Ruhrorter Synagoge bis auf die Grundmauern nieder. Das Kreativquartier Ruhrort veranstaltet eine Schweigeminute am Dienstag, 9. November um 18 Uhr am neuen Standort der Gedenkplakette, links neben dem Haus 21. Dabei wird an die Menschen erinnert, die durch die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten ihr Leben verloren. Zahlreiche Stolpersteine erinnern im Ruhrorter Stadtbild zum Teil an ganze Familien, die in Lagern oder durch die Spätfolgen ihr Leben ließen. „Wir wollen die Erinnerung an die Ruhrorter Mitbürgerinnen und Mitbürger wachhalten. Es darf nicht in Vergessenheit geraten, was damals passierte, um Tendenzen in der Gegenwart mit Zivilcourage entgegen zu treten“, beschreibt Kreativquartiermoderator Heiner Heseding die Motivation für die jährliche Veranstaltung.

Im Anschluss wird ab 19 Uhr im Projektladen „Das PLUS am Neumarkt“ (Neumarkt 19) das Hörspiel „Die Unbeugsame – Olga Benario in ihren Briefen und den Akten der Gestapo“ aufgeführt. Ute Kaiser (Konzept und Regie) liest die Briefe von Olga Benario, Gabriela Börschmann liest die Akten der Gestapo, Martin Molitor liest die Briefe von Luiz Carlos Prestes.

Das Hörbuch “Die Unbeugsame” entstand aus einer szenischen Lesung mit dem Titel “Der Fall Olga Benario“, die 2017 im NS-Dokumentationszentrum München Premiere hatte und die unter anderem auch in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück stattfand. Der Lesung zugrunde lag das Konzept, aus zwei einander radikal entgegengesetzten Quellen eine Textfolge zu montieren:

  1. Die Unbeugsamen. Olga Benario – Luiz Carlos Prestes: Briefwechsel aus Gefängnis und KZ, hg. v. Robert Cohen, Göttingen: Wallstein 2013.

Der Briefwechsel ist erfüllt von Würde, Menschlichkeit und unbeugsamem Widerstand in einer Lebenssituation, die extremer nicht sein könnte.

 

  1. Robert Cohen: Der Vorgang Benario. Die Gestapo-Akte 1936-1942, Berlin: edition berolina 2016.

„Der von der Gestapo sogenannte ›Vorgang Benario‹ ist die vermutlich umfassendste Sammlung von Dokumenten zu einem einzelnen Opfer des Holocaust.“ (Robert Cohen)

Siebzig Jahre nach Kriegsende hat Robert Cohen das Gestapodossier über Olga Benario der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es gibt einen Eindruck von der bürokratischen Akribie und Energie, mit der im Nazistaat Menschen vernichtet wurden.

https://olgabenario.de

 


Das Video, das vom Kreativquartier für die virtuelle Schweigeminute im Vorjahr produziert wurde, wird in diesem Jahr auf dem Youtube-Kanal der Stadtteilinitiative veröffentlicht.

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