Neujahrsempfang des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg in der Salvatorkirche (Foto: Rolf Schotsch)
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Duisburg. Wie soll ich dich empfangen und wie begegn´ ich dir? Mit diesen Worten begrüßte Dr. Christoph Urban, der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Duisburg die geladenen Gäste zum Neujahrsempfang in der alten Stadtkirche. In Paul Gerhardts altem Adventslied ist die bange Frage direkt an den ankommenden Christus gerichtet. Aber sie beschäftigte auf der zwischenmenschlichen Ebene auch den Vorbereitungskreis des diesjährigen Empfangs zum Beginn des Kirchenjahres. Absagen oder durchziehen? G2 oder G3? Fingerfood vor Ort oder Spezialitätenpäckchen zum Mitnehmen und Glühwein im Freien hinter der Salvatorkirche?

Mit viel organisatorischen Aufwand wurde eine sichere G2-Veranstaltung mit peniblen Impfnachweis-Kontrollen und Maskenpflicht organisiert. „Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben. Und Veranstaltungen wie heute Abend einüben“, sagte Urban, der weiter von schwierigen Zeiten für EntscheidungsträgerInnen ausgeht. „Vielleicht müssen wir doch noch mal komplett runterfahren“, räumte er ein.

Eine größere Gruppe von Entscheidungsträgern aus Politik, Wirtschaft und Religion, darunter die neue Präsidentin des Bundestags und ausgewiesene Gesundheitsexpertin Bärbel Bas applaudierten ihm, als er Gott ungewohnt, aber eindrücklich verortete. „Wir brauchen Gott dieser Tage nicht suchen. Gott schiebt gerade Doppelschicht auf der Intensivstation“, sagte er an. Mit Blick auf die Ankunft Jesu mit dem Gott „gerade in sein Leiden, Sterben und Auferstehen eingeht.“ Er schloss mit der Bitte um Trost und Hilfe für alle Menschen.

Eine schöne Überraschung für die 200 geladenen Gäste waren drei Alphörner, die zum neuen Kirchenjahr ihre mächtigen Töne durch das alte Kirchenschiff bliesen und es zum Vibrieren brachten. Plötzlich kam es so Manchem weniger unwahrscheinlich vor, dass allein der Ton der Hörner dereinst die Mauer von Jericho zum Einsturz gebracht haben sollen.

Die Vorstellung des Gastredners Kai Magnus Sting übernahm der Assessor des Kirchenkreises Pfarrer Stefan Blank. Er kam dieser Aufgabe so gründlich und kundig nach, dass Sting sich ob der Fülle der dargebotenen Informationen doch geschmeichelt fühlte. „Herr Bischof nebst Gattin, liebe Drogenbeauftragte, ich nehme den Preis für mein Lebenswerk an“, eröffnete der Kabarettist und Autor schalkhaft und hatte schon die Lacher auf seiner Seite. Sein wilder, kabarettistischer Ritt durch die von Tücken und Stolperfallen durchsetzte Vorweihnachtszeit ließ kein Auge trocken. „Kennen Sie das auch?“ fragte er ein ums andere Mal. Und natürlich haben alle schon eigene Erfahrungen mit dekorationssüchtigen Lebenspartnern, fiesen Weihnachtssüßigkeiten, vertüddelten Lichterketten und bockigen Bäckereifachverkäuferinnen. Den Duisburgern aufs Mundwerk schauen und ihre verbale Werktätigkeit dann liebevoll persiflieren, damit hat Sting die größten Lacherfolge.

Auch so kann Hilfe und Trost in schwieriger Zeit aussehen, dass man sich mal zwischendurch herzhaft alles Düstere von der Seele lacht. Wenn auch die Masken die Lacher etwas dämpften. Die Gäste hatten denn auch trotz Regenwetter noch Lust, den Abend mit einem Glühwein oder Punsch am überdachten Stand hinter der Kirche ausklingen zu lassen.

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