Alexandra und Roland Nolte in Neukirchen-Vluyn (Foto: Noltanien)
Anzeige

Erkelenz/Neukirchen-Vluyn. Hunderte Menschen haben gestern in über 40 Städten Aktionen durchgeführt und gelbe “X” für Lützerath aufgestellt – das Symbol des Braunkohlewiderstands.

Die beteiligten Aktiven der Gruppen Fridays For Future, Lützerath Lebt!, Alle Dörfer Bleiben, Ende Gelände und Greenpeace erklärten damit symbolisch ihren Protest gegen eine potenzielle Zerstörung des Ortes und ihre Unterstützung des Widerstandes vor Ort. In Lützerath wurde ein sieben Meter großes gelbes X in einem Online-Livestream aufgestellt, der auch Beiträge aus den Städten zeigte. Zum Event im bedrohten Dorf kamen auch Luisa Neubauer und Vladimir Slivyak, russischer Umweltaktivist und Träger des alternativen Nobelpreises.

„In Lützerath zeigt sich, ob die 1,5 Grad Grenze ernst genommen wird oder ob weiterhin die Interessen eines Großkonzerns über unsere Existenzgrundlagen gestellt werden. Dass diese Entscheidung erneut durch ein Gericht getroffen werden muss und sich die neue Bundesregierung nicht bereits im Koalitionsvertrag zum Erhalt von Lützerath bekannt hat, zeigt uns mit welcher Verantwortungslosigkeit weiterhin in der deutschen Klimapolitik gehandelt wird“, so Christina Schliesky, eine Sprecherin von Fridays for Future.

Lakshmi Thevasagayam von der Inititative Lützerath Lebt! erklärte: „In Lützerath wollen wir nicht nur Kohle blockieren sondern uns aktiv mit Kämpfen im Globalen Süden für Klimagerechtigkeit solidarisieren. Das heißt auch, dass wir uns vor Augen halten müssen, was uns in diese Klimakatastrophe gebracht hat: Kapitalistische Ausbeutung, vor allem im Globalen Süden. Dort sind die Menschen, die am meisten unter dieser Katastrophe leiden, während der Globale Norden der Nutznießer und Hauptverursacher bleibt.“

„Der Erhalt von Lützerath ist in erster Linie eine politische Frage, für die sich die Landesregierung von NRW und die Bundesregierung verantworten müssen. Beide haben sich dazu verpflichtet, die Klimaziele einzuhalten. Das geht nur, wenn das Dorf erhalten bleibt. Die Entscheidung auf Gerichte abzuwälzen, ist einfach nur feige und verantwortungslos“, sagte Alexandra Brüne von Alle Dörfer bleiben.

„Die Klimakrise ist weit voran geschritten. Selbst wenn wir sofort aus der Kohle aussteigen, sind wir spät dran. Allein der Gedanke Lützerath noch abzubaggern, ist eine Beleidigung gegenüber allen, die schon jetzt mit den Folgen der Klimakrise zu kämpfen haben. Deswegen verteidigen wir Lützerath mit unseren Körpern“, erklärt Dina Hamid, Pressesprecherin von Ende Gelände.

Und Bastian Neuwirth, Greenpeace-Klimaexperte, forderte: „Die Ampel und die Landesregierung NRW dürfen sich nicht vor ihrer klimapolitischen Verantwortung wegducken und das Schicksal von Lützerath den Gerichten überlassen. Nur wenn die Millionen Tonnen Braunkohle unter Lützerath im Boden bleiben, lassen sich die Pariser Klimaziele für Deutschland erreichen. Die neue Bundesregierung muss jetzt Tempo machen, um Deutschlands Rückstand beim Klimaschutz aufzuholen.”

Sollte das Urteil des Oberverwaltungsgerichts gegen den Erhalt Lützeraths fallen, rufen Fridays For Future und Lützerath Lebt! zu einer Großdemonstration in Lützerath am darauf folgenden Samstag auf. Den dann drohenden Abriss des Dorfs wollen Aktivist:innen von Lützerath Lebt! und Ende Gelände blockieren.

Noltanien trägt gelb – Solidarität von Kiesabbau-Gegnern

Als Zeichen der Solidarität haben Alexandra und Roland Nolte sich gestern in Neukirchen-Vluyn an der Online-Protest Aktion für Lützerath beteiligt. Das gelbe Kreuz, Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle, wird auch weiterhin in Noltanien stehen und an den sonntäglichen Mahnwachen gegen den Kiesabbau deutlich sichtbar sein.

Genau wie Kohle ist Kies eine endliche Ressource deren Abbau nicht nur Natur, sondern die Heimat vieler Menschen zerstört und unwiederbringlich vernichtet. “In beiden Fällen muss ein Umdenken stattfinden, der Kreis Wesel hat genau wie die betroffenen Regionen um Lützerath ihren Teil bereits geleistet. Sollte der Abbau weiterhin in diesem Maße stattfinden wird der Niederrhein genau wie das Rheinland bald in seiner Ursprungsform nicht mehr existieren oder zu erkennen sein”, mahnen Alexandra und Roland Nolte. “Kohleabbau wie Kiesabbau müssen gestoppt werden, ansonsten wird man sich nicht an die 1,5 Grad- Grenze halten können. #xfürlützi #lützerathbleibt.”

Regelmäßige Mahnwachen in Noltanien

Ab heute, 15 Uhr startet wieder die Mahnwache auf Noltanien, denn am 24.1. beginnt die dreimonatige Einspruchsfrist gegen die Kiesabbaupläne. Bis zum 24.1 wird die Information, danach die Hilfe bei den Einsprüchen, im Mittelpunkt stehen. Um möglichst viele Einsprüche zu generieren, findet die Mahnwache ab heute wieder regelmäßig jeden Sonntag um 15 Uhr statt.

Beitrag drucken
Anzeige