Die KAB-Diözesanvorsitzende Gabriele Lehmann und Weihbischof Rolf Lohmann haben in Frankfurt über Reformen der Kirche gesprochen (Fotos: Lehmann/privat; Lohmann/Bischöfliche Pressestelle, Harald Oppitz)
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Xanten/Geldern/Frankfurt. Zwei Niederrheiner nehmen an dritter Synodalversammlung teil

Auf arbeitsreiche Tage mit intensiven Gesprächen und Diskussionen können Brigitte Lehmann aus Geldern-Walbeck, Vorsitzende der KAB im Bistum Münster, und Weihbischof Rolf Lohmann zurückblicken. Beide gehören zu den mehr als 200 Frauen und Männern, die beim sogenannten Synodalen Weg über die Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland reden. Vom 3. bis 5. Februar haben sie sich dazu in Frankfurt zur dritten Synodalversammlung getroffen.

In einem ersten Fazit sagt Lohmann, Regionalbischof für den Niederrhein und Recklinghausen, dass es bei vielen Themen, die in vier Schwerpunkte gegliedert sind, „natürlich unterschiedliche Auffassungen“ gebe. Das bestätigt Brigitte Lehmann, die jedoch wie der Weihbischof betont: „Die große Mehrheit sieht die Notwendigkeit von Veränderungen.“ Das ist für Weihbischof Lohmann essentiell: „Ohne Veränderung der Lehre wird es nicht gehen. Die Lehre, auch der Katechismus, kann doch verändert und muss in Teilen erneuert werden“, sagt er und nennt als Beispiele unter anderen die Bewertung der Sexualität und die Segnung Liebender. „Die Kirche braucht Veränderung, Erneuerung, Umkehr“, sagt er auch mit Blick auf „eine zum Teil hochproblematische Vergangenheit“.

Die KAB-Vorsitzende Brigitte Lehmann fordert zudem eine „Zusammenarbeit von Klerikern und Laien auf Augenhöhe auf allen Ebenen“, wenn es um Machtfragen in der Kirche geht. Eine Forderung, der Lohmann zustimmt: „Wir brauchen Frauen und Männer, die nicht geweiht sind, in wirklichen Leitungspositionen mit echten Befugnissen.“ Er macht darauf aufmerksam, dass stärker zwischen der sogenannten Weihe- und der Leitungsgewalt unterschieden werden müsse.Die Weihegewalt berechtigt vor allem zur Feier der Messe und zur Spendung der Sakramente. Die Leitungsgewalt umfasst gesetzgebende, richterliche und ausführende Gewalt“, erklärt er. Insbesondere bei letzterer müsse sich etwas ändern, es sei derzeit zu viel zugespitzt auf den Bischof oder vor Ort auf den Pfarrer. „Wir brauchen mehr Kontrolle durch und zugleich mehr Beteiligung von allen getauften und gefirmten Christinnen und Christen. Ganz konkret: Wir brauchen eine kirchliche Verwaltungsgerichtsbarkeit, wir brauchen das Ende eines priesterzentrierten Klerikalismus“, sagt der Weihbischof.

Anfangs war der Ende 2019 begonnene Synodale Weg auf zweijährige Beratungen ausgelegt, inzwischen wurden zwei weitere Versammlungen bis zum Frühjahr 2023 angekündigt. Für Brigitte Lehmann wäre er dann ein Erfolg, „wenn alle Beteiligten ihre Arbeit an den gefällten Entscheidungen messen und ausrichten würden“, erklärt sie und ergänzt: „Ich will an diesen Erfolg glauben.“ Für Weihbischof Lohmann steht fest: „Der Synodale Weg muss ein Erfolg werden, wenn wir auch weiterhin Menschen in Kontakt mit Jesus Christus bringen wollen. Dazu muss die katholische Kirche sich radikal verändern, ohne sich einfach nur dem Zeitgeist anzupassen.“ Die Kirche müsse, betont er, in verantwortlichen Positionen weiblicher und vielfältiger werden. „Entscheidungen in der Kirche müssen demokratischer und transparenter getroffen werden. Kirche muss Angebote machen und nicht Verbote aussprechen“, sagt der Weihbischof. Nur dann könne Kirche auch wieder in die Gesellschaft wirken, vor allem als Unterstützerin und in der Arbeit für die Schwächsten der Schwachen in unserer Gesellschaft. „Der Synodale Weg ist dann erfolgreich, wenn wir zeigen, dass unsere Kirche reformfähig ist und Reformen will und ich hoffe, dass der Weg zu mehr Glaubwürdigkeit und zur Zukunftsfähigkeit der Kirche führt“, resümiert er.

In Münster zeigte sich Bischof Dr. Felix Genn dankbar für den Verlauf der Synodalversammlung. Er wertete es als positiv, „dass es eine breite Zustimmung zu allen 14 Vorlagen gab“. Zugleich räumte er ein: „In manchen Fragen, die noch in zweiter Lesung beraten werden müssen, liegt noch viel Sprengstoff, weil hier fundamentale Fragen unseres Glaubens und der kirchlichen Lehre angesprochen werden.“ Weiter sagte Genn: „Die Zustimmung zu den Vorlagen zeigt für mich: Es gibt einen großen Willen der Synodalen für Veränderungen in der katholischen Kirche. Das betrifft insbesondere das Thema Macht und Gewaltenteilung. Ich bin zuversichtlich, dass der Synodale Weg gut weitergehen wird und dass wir auch mit der Weltkirche zusammenbleiben. Wir lernen gerade Synode und Synodalität. Das meint keine totale Harmonie. Ich hoffe, dass wir weiter zu Ergebnissen kommen, mit denen wir die Menschen erreichen und dem Evangelium Raum geben.“

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