Intendant und Regisseur Jan Bodinus, Geschäftsführerin Bärbel Blomen, Vorstandsvorsitzende des Vereins Sabine Mroch, Schauspieler Andreas Elsholz und stellvertretende Geschäftsführerin Jutta Saum (Foto: privat)

Willich. Die Vorstandsvorsitzende Sabine Mroch begrüßt die anwesenden Pressevertreter, die Sponsoren sowie das diesjährige Ensemble zur Auftaktpressekonferenz der diesjährigen Spielzeit, die mit Vorfreude aber auch Erwartungen versehen ist, „da wir uns bereits im dritten Jahr der Pandemie befinden und es sich noch nicht normal anfühlt, spielen zu dürfen. Wir sind froh und dankbar, dass wir unsere Stücke auf die Bühne bringen können und das genießen wir natürlich. Bezüglich der Auslastung unserer Stücke waren wir bis heute abwartet, ab Montag (02.05.) werden wir alle Karten in den Verkauf geben.“

Vor allem in Hinblick auf den Ukraine-Krieg wurde innerhalb des Vorstandes des Vereins die Sinnhaftigkeit der Schlossfestspiele betrachtet. “Wir haben darüber gesprochen und ein ganz klares Ja ohne Zweifel zu den Festspielen gesagt. Es kann nicht angehen, dass wir uns ängstlich verkriechen und uns einschüchtern lassen. Wir führen das weiter, was gut in unserem Leben ist und setzen auch ein Signal. Für unsere Zuschauer ist es sicherlich auch eine seelische Erholung ins Theater zu gehen und für ein paar Stunden zu vergessen, was sich nicht unweit von uns entfernt abspielt. Darum ein klares Ja zu den Festspielen, auch in diesem Jahr“.

Ein Novum der diesjährigen Spielzeit ist das dritte Abendstück. Normalerweise werden zwei Abendstücke und ein Kinderstück auf der Freilichtbühne gespielt, in diesem Jahr gibt es neben dem Kinderstück drei Abendstücke. Grund hierfür ist die langjährige Bitte von Zuschauern, etwas „richtig Ernstes mit Tiefgang“ zu bringen, für das es Publikum gäbe. Das hat zu der Entscheidung geführt, es in diesem Jahr mit dem Stück „Gott“ von Ferdinand von Schirach zu versuchen. Weil nicht sicher ist, wie die Thematik bei dem Publikum in Neersen ankommt, wird das Stück nur an acht Abenden gespielt (Alice im Wunderland wird im Vergleich 20 Mal gespielt.) „Eingebettet ist das Abendstück zwischen der Komödie Brandheiss, mit der in Neersen für das erwachsene Publikum gestartet wird und dem heiter-hintersinnigem Loriot-Abend.“ Das Kinderstück Alice, welches auch für Erwachsene unterhaltsam sein kann, wird bei der Benefizveranstaltung (So, 10.07. 21 Uhr) abends gespielt. Der Kartenaufschlag von 3 Euro geht komplett an das Kinderhospiz im Kreis Viersen.

Sabine Mroch bedankt sich bei den Sponsoren und übergibt dem Intendanten sowie Regisseur von Gott und Loriots Dramatischen Werken Jan Bodinus das Wort.

„Nachdem wir letztes Jahr mit einem herausragenden Kampf tolle Reaktionen der Zuschauer/innen erhielten, erhoffen wir uns in diesem Jahr noch mehr, denn wir dürfen aktuell alle Plätze, sowohl auf der Freilichttribüne als auch im Ratssaal freigeben und die volle Kapazität ausnutzen. Wir haben ein ganz tolles Ensemble und einen super Spielplan mit schönen Gastspielen.“ Mit dem Motto der diesjährigen Spielzeit („Alle Farben dieser Welt“) möchte Jan Bodinus ein Zeichen für Diversität setzen. „Wir dürfen uns darüber freuen, wie verschieden wir sind.“ Gleichzeitig betont er, dass dieser Gedanke nicht in jedem Land angekommen sei. „Wir haben den Krieg im Sinn und genau deswegen machen wir weiter Unterhaltungstheater, um die Leute auch mal für wenige Stunden in eine andere Welt zu entführen und nicht mit ihren Sorgen alleine zu lassen.“ Weiter betont er die zentrale Rolle der Schlossfestspiele in der aktuellen Zeit. „Die Welt verändert sich ganz stark, die Festspiele bleiben das, was sie sind: bunt, divers, offen, den Menschen zugewandt, und wir setzen ein Zeichen, dass wir ein großes Miteinander schaffen.“ Hierbei dankt er der Stadt und den Sponsoren, die dies ermöglichen.

Bereits im dritten Jahr sind Christian Baumgärtel und Nuschin Rabet für das Bühnenbild und die Kostüme zuständig. „Es ist ein super Team und wir sprechen immer mehr von Saison zu Saison die gleiche Sprache und die Zusammenarbeit wird immer schöner. So soll es weitergehen.“ Dass es in diesem Jahr vier Stücke gibt, bringt für Baumgärtel eine weitere Herausforderung, da die Techniker nicht wie bei einem großen Staatstheater das Bühnenbild immer wieder auf- und abbauen können und er dementsprechend versucht, Elemente für alle Stücke gleichzeitig zu verwenden. „Es macht wahnsinnig Spaß diese Stücke zusammenzudenken und es ist noch spannender, wenn es so unterschiedliche Stücke sind.“ Bei Alice im Wunderland soll viel Zauber eingebaut und unter anderem ungewöhnliche Auftritte eingeplant werden. Im Gegensatz dazu steht Gott, was sehr nüchtern und klar inszeniert wird, Loriot, was zum Schmunzeln gedacht ist und ein realistisches Bühnenbild für Brandheiß.

Zu den Kostümen erzählt Nuschin Rabet, dass vor allem Alice im Wunderland sowohl eine Herausforderung als auch eine Freude sei, weil verrückte Dinge entwickelt werden können. Dabei hat sie die erste Aussage des Intendanten in Bezug auf die Kostüme in Alice im Wunderland („So crazy wie möglich“) im Hinterkopf. Sie verspricht „krasse Farbkombinationen“. Bei den Kostümen von Brandheiß handelt es sich um Original-Feuerwehruniformen, die von der Freiwilligen Feuerwehr in Willich gespendet wurden. Das Abendstück Gott wird passend zum nüchternen Bühnenbild in weißen Farbnuancen mit dunklen Akzenten eingekleidet. Im Kontrast kommen die Kostüme von Loriot aus den 60er/70er Jahren, die mit Blumen und Streifen verfeinert werden.

Der diesjährige Stargast ist Andreas Elsholz, der seine Karriere bei Gute Zeiten, Schlechte Zeiten begann und der im Abendstück Brandheiss zu sehen sein wird. Er hatte mit Jan Bodinus bereits mehrere Male zusammengearbeitet und freut sich dieses Jahr in Neersen dabei sein zu dürfen. Neu dabei sind außerdem Helmut Büchel, Svenja Jerg, Christian Miedreich, Torsten Schnick, Werner Schuster, Claudia van Veen und Kristof Stößel. Aber auch Schauspieler/innen aus der vergangenen Spielzeit sind wieder dabei. So auch Sören Ergang, der unter anderem in Floh im Ohr mitspielte und sich vorstellt mit den Worten: “Letztes Jahr wurde mir der Hintern versohlt, dieses Jahr bin ich brandheiß.“ Auch die Hinternversohlerin Mia Geese und die gebürtige Neersenerin Daniela Michel werden zum zweiten Mal auf der Schlossfestbühne stehen. Und auch Reinhild Köhncke und Kay Szacknys gehören wieder zum Ensemble.

Die Regie des Kinderstückes Alice im Wunderland nach dem Buch von Lewis Carroll führt Jan Schuba, der zum ersten Mal in Neersen dabei ist. „Es ist ein Stoff, der mich ganz persönlich ganz lange begleitet. Ich mochte es als Kind schon sehr gerne.“, schildert Schuba. „Alice bereist das Wunderland, in dem es keine Regeln gibt und die Erwachsenen nichts zu sagen haben und Alice so sein darf, wie sie will, in dem es kunterbunt und verrückt zu geht. Ich glaube, dass das Wunderland dem Motto „Alle Farben dieser Welt“ gerecht wird. Für mich ist das Stück ein Plädoyer dafür, dass man den Ernst des Lebens auch mal den Ernst des Lebens sein lässt und auch mal der Fantasie ordentlich Raum gibt.“ Die Proben des Kinderstückes haben bereits begonnen, Mia Geese spielt Alice, Christian Miedreich das Kaninchen. Außerdem werden Daniela Michel, Reinhild Köhncke und Torsten Schnick in insgesamt 15 verschiedene Rollen schlüpfen. Schuba verspricht ein kunterbuntes und spannendes Abenteuer.

Die Komödie Brandheiß, nach der Regie von Florian Battermann, wird eine leichte Kost, bei der das Publikum unbeschwert lachen können soll. Bodinus betont, dass es sich nicht um realistische Figuren handelt, sondern sympathische Chaoten, die mithilfe von Pole-Dance ihre Feuerwehrstation retten wollen. Im Gegensatz dazu steht Gott, eine Geschichte über assistierten Suizid, mit der Bodinus vor allem dem Aufklärungsauftrag nachkommen will. Das Stück beschäftigt sich unter anderem mit der Fragen „ Kann ich das Ende meiner Reise selbst bestimmen oder bin ich abhängig von anderen?“ „Es ist immer noch ein Tabuthema. Anfang der 2010er Jahre wurde in Deutschland der begleitete Suizid möglich, dann aber dagegen geklagt, mittlerweile wurde es in bestimmten Umständen wieder erlaubt. Wir unterhalten uns in der Produktion und auch mit dem Publikum darüber, was dafür und dagegen spricht. Am Schluss stimmen dann auch die Zuschauer/innen über das Urteil des Schiedsgerichts ab. Natürlich ist es kein heiteres Thema, es soll ein interessantes Thema sein. Schirach hat es drauf, diese interessanten Themen in sehr spannende Art und Weise in Theaterabende zu machen.“ Als Ausgleich dazu folgen die Loriot-Abende, in der die größten Erfolge in rasanter Folge gezeigt werden. Dabei dürfen „Das Ei“, „Filmmonster“ und „Anstandsunterricht“ genauso wenig fehlen wie „der Lottogewinn.“

Neben den Stücken auf den Freilichtbühnen wird auch im Ratssaal wieder einiges geboten. Aufgrund des großen Erfolges im vergangenen Jahr begegnen wir erneut „Sissi – Kaiserin der Herzen“, „En Suite – allein mit Audrey Hepburn“ sowie „Miss Daisy und ihr Chauffeur“. Außerdem gibt es für die Zuschauer/innen „Frauenbilder“ mit Reinhild Köhncke, Paulina Schulenburg und Maren Donner, sowie „Udo Jürgen.. unvergessen“ mit Alex Parker. Für Kinder und junge Menschen bieten die Schlossfestspiele den KIDZ CLUB, das Puppentheater „Petersson und Findus“ mit dem Theater con Cuore und den Poetry Slam. Zur festen Unterhaltung gehört auch in diesem Jahr wieder die Gartenlesung mit dem Ensemble der Schlossfestspiele, dieses Mal unter dem Titel „Hereinspaziert ins Kuriositätenkabinett“, sowie der Spielaustausch mit den Burgfestspielen Mayen, die uns dieses Mal mit „Shakespeares sämtlichen Werken – leicht gekürzt“ besuchen. Beendet wird die Spielzeit wie jedes Jahr mit der Opern- und Operettengala.

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