Wellness für die Gäste: Jennifer van Holt massiert Rosemarie Pütman mit einem Igelball (Foto: Caritasverband Kleve e.V.)

Emmerich am Rhein. In einer Tagespflege können Menschen für mehrere Stunden am Tag betreut werden. Dafür gibt es einen “extra Topf”, das Pflegegeld reduziert sich dadurch nicht. Warum das sowohl für Pflegebedürftige als auch für Angehörige eine gute Sache ist – zu Besuch in der Tagespflege St. Vinzenz in Emmerich am Rhein.

Rosemarie Pütman hat die Hände schön. Die Finger wurden massiert. Die Handinnen- und -außenflächen eingecremt. Dazu gab es ein kleines Schwätzchen mit der Kosmetikerin. Die 88-Jährige kommt strahlend aus dem Ruheraum, der in dieser Woche kurzerhand zum Behandlungsraum für Wellnessangebote umfunktioniert wurde, wieder heraus: „Jetzt kann es weitergehen.“ Sie freut sich aufs Elfürken, in diesem Fall ein kleines Gläschen Eierlikör. Und oder besser gesagt vor allem auf die Gemeinschaft.

Rosemarie Pütman ist Gast der Caritas-Tagespflege St. Vinzenz in Emmerich am Rhein. Zweimal in der Woche – immer dienstags und donnerstags – kommt sie in die Einrichtung, in der pflegebedürftige Menschen für mehrere Stunden am Tag betreut werden können. Von einem lokalen Taxiunternehmen wird sie morgens abgeholt. Von 9 Uhr an wird gemeinsam gefrühstückt. Es folgen ein Bewegungsangebot und das Elfürken mit Zeitungsrunde am großen Tisch. „Gegen 12 Uhr wird gegessen. Wer mag, kann sich danach ausruhen – ehe am Nachmittag Kaffee und Kuchen sowie weitere Bewegungs- und Gedächtnisangebote anstehen“, sagt Jennifer van Holt. Sie leitet die Einrichtung, unmittelbar am Rhein gelegen. Sie sagt: „Wir bieten den Menschen Struktur, wir ermöglichen ihnen Unterhaltung und Gemeinschaft. Und ab und an gibt es auch Besonderheiten wie die Wellnesswoche. Das tut den Gästen gut, viele von ihnen blühen hier richtig auf.“

Davon ist auch Alexia Meyer, die beim Caritasverband Kleve die Fachbereichsleitung Pflege und Gesundheit innehat, überzeugt. Sie weiß aber auch: „Tagespflege ist die vergessene Leistung.“ Und nennt gleich zwei Gründe dafür. Zum einen denken viele Menschen beim Wort „Tagespflege“ immer noch an eine stationäre Einrichtung. „Ich vergleiche das Angebot vielmehr mit meinem Jugendheim. Da ging es um Gesellschaft, da traf man Gleichaltrige. Da wurde gespielt, gelacht und auch gefördert.“ Zum anderen wissen viele nicht, dass es einen „extra Topf“ für die Tagespflege gibt. „Und dieser Satz, gestaffelt nach dem jeweiligen Pflegegrad, ist ausschließlich für die Tagespflege da. Das eigentliche Pflegegeld reduziert sich dadurch nicht. Nur der Topf verfällt, wenn er nicht in Anspruch genommen wird“, erklärt Jennifer van Holt und bemerkt: „Es könnten also noch so viel mehr Menschen das Angebot in Anspruch nehmen.“ Dies sei, so sagt es auch Alexia Meyer, für die berufstätigen Kinder und die unterstützenden Ehepartner oft eine kleine Pause.

Rosemarie Pütman, die mit einer privaten Pflegerin noch in den eigenen vier Wänden wohnt, kommt seit knapp zwei Jahren in die Tagespflege. Zuerst nur einmal in der Woche. Nachdem ihr Mann im vergangenen Jahr verstarb, hat sie einen weiteren Tag dazu gebucht. „Während ich hier in Gesellschaft bin, mich unterhalte, singe und Bingo spiele, kann meine Pflegerin beruhigt ihre freien Tage nehmen“, sagt sie. Sie weiß, wie wichtig Auszeiten sind. Sie hat selbst 21 Jahre lang als Altenpflegerin gearbeitet. „Nun bekomme ich allen Dank zurück“, sagt Rosemarie Pütman. Sie blickt glücklich drein, spricht von Engeln. Damit gemeint sind die insgesamt neun Mitarbeiter:innen der Caritas-Tagespflege – vier examinierte Pflegefachkräfte, drei Pflegehilfskräfte und zwei Betreuungsassistenten. „Wir beschäftigen ausschließlich Fachpersonal“, sagt auch Jennifer van Holt.

 

Info – Die Caritas-Tagespflege St. Vinzenz in Emmerich am Rhein

Die Caritas-Tagespflege St. Vinzenz in Emmerich am Rhein wurde im Oktober 2020 neu eröffnet. In den großzügigen und modern eingerichteten Räumlichkeiten am Martinikirchgang  gibt es insgesamt 16 Plätze. Wer sich dafür interessiert, kann sich ganz unverbindlich bei Einrichtungsleitung Jennifer van Holt, Telefon 02822 4236 oder E-Mail j.vanholt@caritas-kleve.de, melden. „Wir bieten für alle Interessierten einen kostenlosen Schnuppertag an.“

Die Kosten für die Tagespflege werden je nach Pflegegrad von der Pflegeversicherung übernommen. Lediglich die Kosten für die Verpflegung und Unterkunft müssen – wenn nicht noch die monatlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen zur Verfügung stehen – privat bezahlt werden. Bei den aktuellen Preisen kann bei Nutzung aller Budgets schon ab Pflegegrad 2 ein Tag in der Caritas-Tagespflege St. Vinzenz ohne Zuzahlung in Anspruch genommen werden.

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